Schwarz in schwarz und unzertrennlich: Mäuschen und Muschi
Im Zoologischen Garten in Berlin ist Eisbär Knut noch immer der große Star. Aber nur wenige Meter entfernt können die Zoobesucher eine zoologische Sensation in zweifacher Hinsicht bestaunen: Dort lebt eine Bärendame namens Mäuschen, die nicht nur ein für bärische Verhältnisse biblisches Alter erreicht hat, sondern auch noch eine einzigartige, tiefe Tierfreundschaft pflegt: mit der Katze Muschi.
Foto-Serie Die tierischsten Freundschaften
Nachtschutz und Fischbrötchen
Das eigenartige, schwarze Pärchen ist schier unzertrennlich. Die 40 Jahre alte Kragenbärin lässt Muschi seit acht Jahren nahezu jede Nacht zwischen ihren Riesenpranken schlafen. Tagsüber teilt die Bärin Fischbrötchen und andere Leckereien mit der kleinen schwarzen Katze.Bilderquiz Kniffliges Tiereraten
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Wie ein Mensch mit 112
"Eine Kragenbärin mit 40, das ist wie ein Menschenalter mit 112", sagt Zoo-Biologe Heiner Klös. Er hält es für möglich, dass die ungewöhnlich starken Mutterinstinkte der Bärin die Kraft zum langen und gesunden Leben geben: "In ihrem Altersruhesitz hat Mäuschen in der Katze Muschi wohl einen Haltepunkt." Der frühere Zoo-Chef Jürgen Lange und Knuts Tierpfleger Thomas Dörflein hatten früh erkannt, dass die Bärin die Katze als ihr Junges betrachtet, pflegt und liebt."Sie kann gar nicht sterben"
Dörflein hat sich all die Jahre fast so viel um Mäuschen gekümmert wie um seinen weltberühmten Jungbären Knut. Über die Kragenbärin, die heute abseits vom Publikum in einem großen, offenen Revier bei den Stallungen ihr Gnadenbrot verzehrt, sagt der sichtlich gerührte Dörflein: "Mäuschen wird im Zoo Berlin ewig leben, sie kann gar nicht sterben." Biologe Klös fügt hinzu: "Sie hat inzwischen wirklich wie die Katze ihr achtes Leben."Plötzlich aufgetaucht
Der Biologe hofft, dass es noch lange gut geht mit der Bärin: "Sie hat noch ihre Zähne, frisst gut und setzt gut ab. Sie läuft auch noch ordentlich herum." Ab und zu müssen ihr aber recht mühsam die Krallen geschnitten werden. Und Arthrose zwickt an nassen und windigen Tagen. Wichtig sei die vertraute Umgebung, seien die vertrauten Stimmen der Tierpfleger und die Dauerbeziehung zu der Katze, die im Frühjahr 2000 ganz plötzlich auf dem Bärenfelsen auftauchte und hartnäckig an der Seite der riesigen Kragenbärin blieb.Vor Angriffen geschützt
Die Bärin mit ihren einst 400 Kilo Gewicht schützte ihre vier Kilo leichte Freundin energisch gegen Angriffe der männlichen Bären auf der Anlage und gab ihr vom Futter ab. "Es ist die schönste offene Wohngemeinschaft, die wir jemals im Zoo Berlin hatten", sagt Heiner Klös, der sich in seiner Karriere nie vorstellen konnte, auch einmal nebenbei Katzen-Betreuer zu sein.