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Insektenplage: Marienkäfer-Invasion an der Ostsee

Plage oder Glücksfall?  

Marienkäfer-Invasion an der Ostsee

29.07.2009, 08:07 Uhr | Von Martina Rathke, dpa

Millionen von Marienkäfern scheinen sich wie die Menschen am Ostseestrand zu sonnen (Foto: dpa)Millionen von Marienkäfern scheinen sich wie die Menschen am Ostseestrand zu sonnen (Foto: dpa)

An den Küsten der Ostsee sehen Urlauber und Einheimische derzeit rot. Genauer gesagt: rot mit schwarzen Punkten. Marienkäfer sammeln sich zu Millionen auf Gehwegen, Häuserfassaden oder auch an den Stränden von Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. In Rostock-Warnemünde verschonen die eigentlich als Glücksbringer beliebten Tiere selbst Strandkörbe nicht. Der Stralsunder Peter Koslik beschreibt einen Biss in den Nacken wie einen "kleinen Nadelstich".

"Ursache für das massenweise Auftreten der Marienkäfer war das hervorragende Nahrungsangebot für die Larven in diesem Jahr", erklärt der Greifswalder Zoologie-Professor Jan-Peter Hildebrandt. Eine solche regionale Massenvermehrung sei alle paar Jahre regelmäßig zu beobachten. "Das hat nichts mit dem Klimawandel zu tun", beruhigt der Fachmann von der Universität in Greifswald.

Verhaltenstipps

Von der Marienkäfer-Invasion und den Schwebfliegen, die in diesem Jahr ebenfalls in Heerscharen auftreten, sind vor allem die Küsten betroffen. Inzwischen hat das Rostocker Landesamt für Gesundheit und Soziales auf die Insektenmassen reagiert und Verhaltenstipps herausgegeben: Bei der Kleidung solle auf knallige Farben verzichtet werden, in den Wohnungen helfen Fliegengitter vor den Fenstern. Schwebfliegen und Marienkäfer in Massen sind zwar lästig, aus gesundheitlicher Sicht jedoch völlig ungefährlich.

Mild und feucht

Ein ähnliches Phänomen gab es schon einmal in den 80er Jahren zu beobachten. Auch damals belagerten Kolonnen von Marienkäfern die Ostseeküste. Eine Massenvermehrung tritt immer dann auf, wenn die Reproduktionsbedingungen besonders gut sind. Die milden Temperaturen, gepaart mit der feuchten Luft, haben in diesem Jahr dafür gesorgt, dass sich zunächst die Vegetation und damit auch die Blattlaus-Population gut entwickeln konnten. "Die räuberischen Larven der Marienkäfer ernähren sich von diesen Blattläusen", erklärt Zoologe Hildebrandt.

Kaum Fressfeinde

In normalen Jahren sterben viele Marienkäfer, während sie sich vom Larvenstadium zu ausgewachsenen Tieren entwickeln. Nicht so in diesem Jahr, wegen des ausgezeichneten Nahrungsangebots. Zudem haben Marienkäfer wegen ihrer für viele Vogelarten unverdaulichen chemischen Inhaltsstoffe auch wenige Fressfeinde. Der Greifswalder Fachmann: "Solche Phänomene wie derzeit bei den Marienkäfern und Schwebfliegen sind typisch für Arten, die durch ein Räuber-Beute-Verhältnis gekennzeichnet sind."

Gärtner freuen sich

Des einen Leid ist deshalb auch des anderen Freud: "Für den Gärtner ist der Marienkäfer ein echter Glückskäfer", weiß Bernd Quellmalz vom Naturschutzbund in Hamburg. Denn ein besseres Mittel gegen Ungeziefer gibt es nicht: Marienkäfer und ihre Larven vertilgen, wie gesagt, Blattläuse - und zwar in großen Mengen.

Nicht von Dauer

Dass sich die Tiere ausgerechnet an den Küsten tummeln, hat nach Einschätzung des Wissenschaftlers mit den Windverhältnissen zu tun. Im Normalfall bläßt es vom Land aufs Wasser hinaus; die vielen Marienkäfer sammeln sich deshalb im Uferbereich. Dies werde jedoch nicht von Dauer sein, verspricht Uni-Mann Hildebrandt: Älter als ein Jahr werden die Tierchen in der Regel nicht.

"Mensch passt nicht ins Beuteschema"

Die Bisse, von denen Urlauber berichteten, sind nach Angaben des Zoologen völlig harmlos und oberflächlich. "Der Mensch passt nicht in das Beuteschema des Marienkäfers", erklärt er den besorgten Opfern.

Heimische Arten werden verdrängt

Allerdings haben Naturschützer auch ein Problem bei der diesjährigen Flut ausgemacht: Der Asiatische Marienkäfer - er sieht dem heimischen recht ähnlich, hat aber mehr Weiß am Kopf - ist seit längerem auf dem Vormarsch. Fachleute befürchten, dass er heimische Arten verdrängen könnte.

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