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Seltsame Essgewohnheiten: "Mein Lieblingsfleisch ist Ratte"

"Mein absolutes Lieblingsfleisch ist Ratte"

15.08.2012, 16:52 Uhr | Von Felicitas Ernst, dapd, dapd

Seltsame Essgewohnheiten: "Mein Lieblingsfleisch ist Ratte". Sogenanntes Roadkill: Der Brite Jonathan McGowan isst überfahrene Tiere (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Sogenanntes Roadkill: Der Brite Jonathan McGowan isst überfahrene Tiere (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten - jedoch gibt es so manche Menschen mit äußerst ungewöhnlichen Essgewohnheiten, zum Beispiel den Briten Jonathan McGowan. Seit 30 Jahren ernährt sich der 45-Jährige von überfahrenen Tieren. Er hält es für Verschwendung, die Kadaver auf der Straße verwesen zu lassen. Anders als in Deutschland ist es in Großbritannien erlaubt, tote Tiere vom Straßenrand mitzunehmen.

McGowan isst nach eigenen Angaben das Fleisch überfahrener Tiere, weil er der industriellen Fleischproduktion kritisch gegenübersteht. "Es ist grausam, wie Tiere mitunter gehalten werden und in einem Schlachthaus sterben müssen. Dieses Fleisch enthält oft Hormone und andere Zusatzstoffe", sagt er.

Das Fleisch überfahrener Tiere hingegen sei naturbelassen. Gesundheitliche Schäden habe er wegen seiner Ernährungsweise noch nicht gehabt, fügte er hinzu. "Was soll denn ungesund daran sein? Menschen haben seit Jahrtausenden wilde Tiere gegessen. Und nur weil sie überfahren worden sind, ist das Fleisch nicht schlecht", meint McGowan.

Otter schmecken furchtbar

Doch auch beim Aas gibt es geschmackliche Unterschiede: "Füchse sind köstlich. Mein absolutes Lieblingsfleisch ist allerdings Ratte - eine echte Delikatesse", erklärt McGowan. "Natürlich nicht die ekligen Kanalratten. Ich meine die Ratten in ländlichen Gegenden, die sich von Getreide und Waldfrüchten ernähren."

Tote Otter seien hingegen furchtbar. "Das schmeckt verwest, irgendwie dreckig", so der 45-Jährige.

Experte sieht Fleischgenuss kritisch

Der Lebensmittelhygieniker Götz Hildebrandt steht diesen Vorlieben jedoch äußerst kritisch gegenüber. "Das Fleisch könnte mit gefährlichen Erregern oder Parasiten belastet sein und ist für die Gesundheit des Menschen bedenklich", sagte Hildebrandt, Professor am Institut für Lebensmittelhygiene an der Freien Universität Berlin. Nicht umsonst gebe es in Deutschland zum Schutz der Verbraucher strenge Lebensmittelkontrollen.

Zahlreiche Krankheiten könnten von den Tieren auf den Menschen übertragen werden - zum Beispiel Brucellose, die beim Menschen zu Übelkeit, Fieber und sogar Unfruchtbarkeit führen kann. Füchse könnten möglicherweise den für den Menschen gefährlichen Bandwurm haben. Frei lebende Ratten, die der Brite Jonathan McGowan isst, könnten Trichinen-Träger sein. "Aus kontrollierter Aufzucht wäre Ratte als Lebensmittel völlig unbedenklich", so Hildebrandt.

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"Darminhalt ergießt sich in Bauchhöhle"

Die Verderbnis-Anfälligkeit des Fleisches erhöhe sich erheblich, da totgefahrene Tiere nicht ausgeblutet seien. "Jedes Tier, das im Schlachthof getötet wurde, wird ausgeblutet. Bei totgefahrenen Tieren verbleibt jedoch das Blut im Körper und bildet einen sehr guten Nährboden für Bakterien", erklärt Hildebrandt. Fleisch von einem nicht ausgebluteten Tier dürfe in Deutschland nicht in den Handel gebracht werden.

Ein weiteres Risiko seien innere Verletzungen, die diese Tiere haben könnten: "Wird der Darm beim Auto-Aufprall verletzt, ergießt sich der gesamte Darminhalt in die Bauchhöhle. Damit werden Bakterien sehr viel schneller im ganzen Körper verteilt." Durch gutes Durchgaren werde zwar das Gesundheitsrisiko minimiert, aber die Qualität des Fleisches sei unzureichend. Liege das Tier schon länger auf der Straße, könne das Fleisch durchaus verdorben sein.

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