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Kentucky: Anwohner von Destillerien klagen gegen Jim Beam

Die Whiskey-Idylle trügt  

Anwohner von Destillerien klagen gegen Jim Beam

02.06.2014, 12:38 Uhr | AFP

Kentucky: Anwohner von Destillerien klagen gegen Jim Beam. Whiskey-Destillerien in Kentucky wie Jim Beam sollen für einen Pilzbefalls der Häuser verantwortlich sein  (Quelle: Reuters)

Die Nachteile der Whiskey-Produktion treten in Kentucky in Form eines Pilzbefalls zutage, der den Menschen zu schaffen macht. (Quelle: Reuters)

Eine schmierige schwarze Schicht überzieht das Haus von George Boisvert im US-Bundesstaat Kentucky. Auch der Briefkasten, der Zaun und das Auto sind schwarz gesprenkelt. "Das Haus war mal beige", sagt der alte Mann und kratzt mit dem Fingernagel an der schwarzen Kruste. Verantwortlich dafür seien die großen Whiskey-Destillerien wie Jim Beam.

"Whiskey-Pilz" nennen Boisvert und seine Nachbarn die unansehnliche Plage.

"Whiskey-Pilz" plagt Anwohner

Denn ganz in der Nähe ihrer Häuser in Frankfort produziert Jim Beam die Spirituose. Während der Whiskey über Jahre in Eichenfässern reift, entweichen kleine Mengen Alkohol. Und der ist - neben Feuchtigkeit - die Lebensgrundlage des Pilzes.

"Baudoinia compniacensis" hat der Wissenschaftler James Scott den Pilz genannt, nachdem er ihn Anfang des Jahrtausends gründlich erforschte. Besonders gut gedeihe Baudoinia compniacensis auf Oberflächen, die stark dem Sonnenlicht ausgesetzt seien, erkannte Scott.

Schwarze Wände

In weniger als einem Jahr kann der Pilz eine weiße Wand schwarz färben. Viele Anwohner von Destillerien wollen sich nicht länger mit dem hässlichen Nebenprodukt der Whiskeyproduktion abfinden.

Vertreten von Anwalt William McMurry wollen sie gegen fünf Whiskey-Hersteller, unter ihnen Jim Beam, vor Gericht ziehen. Ihr Ziel: Die Firmen sollen sich wie "gute Nachbarn" verhalten und Anlagen einbauen, so dass kein Alkohol mehr nach draußen entweicht.

"Wenn sie keine guten Nachbarn sind, dann müssen wir sie zur Verantwortung ziehen", sagt McMurry. "Wir wollen kein Geld damit machen. Wir sind glücklich, wenn sie dieses Haus noch mal sauber machen und den Alkohol abstellen."

Der Anwalt zeigt auf ein zweistöckiges Haus. Die Hälfte ist noch voller dunkler Schmiere, den Rest hat ein Reinigungstrupp schon sauber gemacht. Einer der Arbeiter sprüht Bleichmittel auf die Fassade, das anschließend mit einem Hochdruckreiniger wieder abgewaschen wird.

Es gibt auch Profiteure

Für Mark West, den Chef der ortsansässigen Reinigungsfirma, ist der Pilz ein gutes Geschäft. Zwischen 400 und 500 Dollar (293 und 366 Euro) verlangt der 45-Jährige für die Reinigung eines Hauses.

Im Frühling ist die Nachfrage am größten. "Ich lebe seit 1983 in Frankfort und schon immer setzte sich dieses Zeug an den Autos und Häusern fest", sagt West. "Jeder hier weiß, dass die Destillerien dein Haus dreckig machen."

Dennoch tauchten die ersten Beschwerden wegen der Verschmutzung erst 2006 in Louisville auf. Doch die Behörden ignorierten sie oder wiesen sie zurück. Auf Grundlage der Forschungsergebnisse des Wissenschaftlers Scott reichte McMurry 2012 die ersten Klagen ein - zunächst in Louisville und dann in Frankfort.

Ein Gericht in Kentucky wies die Klagen gegen die bekannten Produzenten Brown-Forman und Heaven Hill ab. Doch zwei andere Klagen, eine davon auf Bundesebene, sind noch anhängig. Mit einem Urteil rechnet McMurry erst in zwei Jahren.

Produzenten weisen Schuld von sich

Die Produzenten weisen jede Verantwortung zurück. "Die Schwarzfärbung einiger Häuser wird von einem natürlichen Schimmelpilz verursacht, der auch in Gegenden ohne Whiskey-Produktion auftritt", heißt es in einer Erklärung der Firmen Diageo, Brown-Forman und Heaven Hill. Diageo unterzeichnete dennoch eine Vereinbarung mit der für die Luftqualität zuständigen Behörde in Louisville und sagte zu, die Lagerstätte in der Stadt bis Ende 2015 zu schließen.

Auf der anderen Seite des Atlantiks, im französischen Cognac, kann der Bürgermeister über diese Klagen nur lachen. In der Stadt des Weinbrands sind die Mauern schon lange nicht mehr weiß. "In Cognac sagt man, dass man den Wohlstand eines Hauses an der Schwärze der Dachziegel erkennt", sagt Michel Gourinchas. "Deshalb beklagen wir uns hier nicht."

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