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Die Suche nach dem angeblichen Nazi-Zug

Goldbringende Gerüchte  

Die Suche nach dem angeblichen Nazi-Zug

27.11.2016, 15:39 Uhr | dpa

Die Suche nach dem angeblichen Nazi-Zug. August 2016: Mehr als 60 Menschen waren an den Grabungen nach dem Nazi-Zug beteiligt. (Quelle: dpa)

August 2016: Mehr als 60 Menschen waren an den Grabungen nach dem Nazi-Zug beteiligt. (Quelle: dpa)

Um die spektakuläre Suche nach dem angeblichen Nazi-Goldzug in Polen ist es still geworden. Nach anfänglich großem Wirbel waren die Grabungen der Hobbyschatzsucher Piotr Koper und Andreas Richter im niederschlesischen Waldenburg (Walbrzych) dann doch vergebens.

Sie hatten einen sagenumwobenen Panzerzug aus dem Zweiten Weltkrieg ans Tageslicht holen wollen. Experten hatten bereits im Voraus prophezeit: Der angeblich versteckte Nazischatz bleibt eine Legende - nicht aber für die Amateure.

Für sie ist das Thema Goldzug noch nicht gestorben. "Ich habe nicht den geringsten Zweifel, dass sich dort etwas befindet", sagt Koper im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Auf Bodenradarbildern wollen der Pole und sein deutscher Kollege Richter einen unterirdischen Tunnel gesehen haben. "Darin war deutlich etwas zu erkennen", heizt Koper die Spekulationen wieder an. Er bleibt dabei, es könne nur der Zug gewesen sein, der vor der anrückenden Sowjetarmee versteckt wurde. Er überlegt, wie die Suche weitergehen soll.

Weitergraben ist teuer

"Wir müssen tiefer graben", sagt Koper. Sechs Meter tief schaufelte sein Team bereits, nun solle es sogar bis zu 20 Meter in die Erde gehen, kündigt er an. Die Bilder hätten die Lage nicht genau angezeigt, begründet er die Schlappe vom August. Solche Ungenauigkeit solle es nicht noch einmal geben. Mit bis zu drei verschiedenen geophysikalischen Methoden würden sie die Lage des vermeintlichen Fundes ausmessen, sagt er. Das ist teuer - und dauert. "Die Kosten könnten sich nochmals auf rund 20.000 Euro belaufen", schätzt Koper. Dafür suchen er und Richter Sponsoren. Erst dann könnten sie weitermachen. Eine ähnlich hohe Summe haben die beiden bereits für die erfolglosen Grabungsarbeiten aus eigener Tasche ausgegeben.

Waldenburg, unter der Erde: Ein Museumsschacht der ehemaligen Julia/Thorez Zeche. So könnte der Schacht aussehen mit dem Panzerzug, den die Hobbyforscher suchen. (Quelle: dpa)Waldenburg, unter der Erde: Ein Museumsschacht der ehemaligen Julia/Thorez Zeche. So könnte der Schacht aussehen mit dem Panzerzug, den die Hobbyforscher suchen. (Quelle: dpa)

Nach Meinung von Wissenschaftlern ist die Suche allerdings weder Kosten noch Mühe wert. "Es ist absurd", sagt Geophysiker Slawomir Porzucek von der Bergbauakademie Krakau AGH. Beim ersten Mal habe es nicht geklappt, nun würden Koper und Richter einfach tiefer buddeln. "Auf diese Weise kann man bis zur Erdmitte graben", sagt Porzucek.

Ein Experten-Team seiner Akademie hatte das von den beiden Schatzsuchern aufgezeigte Terrain im vergangenen Jahr untersucht. Kein Zug, lautete ihr Urteil. Und die Experten kennen sich ihren Angaben zufolge aus: Das Krakauer Institut gehöre zu den qualifiziertesten im ganzen Land, betont Porzucek. "Wir wissen, was wir tun", sagt er.

Den neuen Mess-Plänen der Amateure gibt er keine Chance. Je tiefer man im Erdinnern messe, desto ungenauer seien die Resultate, erklärt der Geophysiker. "Aber so ist das, wenn Laien mit Wissenschaftlern diskutieren", sagt er. Porzucek hat resigniert. Koper und Richter hätten sicherlich ihre Gründe, eisern an der Suche festzuhalten, mutmaßt er.

Ausgrabungsort profitiert von Rummel

Einer davon könnte sein, die Spekulationen möglichst lange aufrecht zu erhalten. Denn genau diese könnten anstatt des vermeintlichen Nazi-Schatzes die wahre Goldgrube sein. Das Geheimnis um den angeblichen Goldzug bescherte dem 116.000-Einwohner-Ort Waldenburg eine kostenlose Werbekampagne im Wert von mehr als 100 Millionen Euro, wie die Stadt schätzte. So viel seien die unzähligen Berichte internationaler Journalisten wert gewesen.

Die Reporter reisen wieder ab, doch die Gerüchte blühen weiter. "Es gibt immer neue Theorien, wo der Zug versteckt sein könnte", sagt Dorota Karolewska von Schloss Fürstenberg (Zamek Ksiaz). Und das lockte dieses Jahr fast eine halbe Million Besucher in die Burg bei Waldenburg, die auch ein Hotel hat. Rund ein Drittel mehr als im vergangenen Jahr, sagt Karolewska.

Markenschutz für "Goldzug" angemeldet

Dass die Suche eine Werbestrategie sei, wehrt Koper ab. "Ich bin ein Sucher", sagt er. Den Zug zu finden, sei sein oberstes Ziel. "Aber ist doch schön, wenn als Nebeneffekt auch Werbung für die Region heraus springt", fügt er hinzu. Inzwischen haben Koper und Richter Markenschutz für den Begriff "Goldzug" angemeldet. "Der Name ist inzwischen weltweit bekannt", sagt Koper. Auf diesen Goldzug wollen nun wohl auch die Schatzsucher aufspringen.

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