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Schiffswrack verliert noch immer Öl

Fünf Jahre nach Untergang der "Prestige"  

Schiffswrack verliert noch immer Öl

18.11.2007, 12:23 Uhr | Von Hubert Kahl, dpa

Der in zwei Teile gebrochene Öltanker "Prestige" sank vor der spanischen Atlantikküste (Foto: dpa)Der in zwei Teile gebrochene Öltanker "Prestige" sank vor der spanischen Atlantikküste (Foto: dpa) Wie ein tödlich verletztes Ungeheuer bäumte sich der riesige Tanker ein letztes Mal auf. Das Heck der "Prestige" erhob sich aus den Fluten, dann zerbrach das Schiff in zwei Teile und versank mit seiner giftigen Fracht vor der Nordwestküste Spaniens im Atlantik. Der Untergang des mit 77.000 Tonnen Schweröl beladenen Tankers löste die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte Spaniens aus. Am 19. November jährt sich das Unglück zum fünften Mal.#

Foto-Serie Der Untergang der "Prestige"

250.000 Seevögel verendet
Strände von Portugal bis Südwestfrankreich wurden verseucht, mehr als 250.000 Seevögel verendeten - das größte Vogelsterben in Europa. Fünf Jahre später scheint das Schlimmste überstanden zu sein. Die Badestrände in Nordspanien locken im Sommer mit ihrem weißen Sand wieder Urlauber an.

Öl schwappte bis in die Stadt
Der galicische Ort Muxía, der zum Symbol der Katastrophe geworden war, ist kaum wiederzuerkennen. Die Wogen des Atlantiks hatten damals den Ölschlamm bis in die Straßen der Kleinstadt geschwemmt. Das schwarze, klebrige Schweröl war bis oben an die Leuchtkörper der Straßenlaternen gespritzt. Heute hat Muxía eine neue, blitzblanke Strandpromenade mit gepflegten Parkanlagen.

Fischer leiden an Husten
Aber der Geist der "Prestige" gibt keine Ruhe. Die mehr als 7000 Fischer, die damals im Kampf gegen die Ölpest mitgeholfen hatten, leiden noch heute an chronischem Husten, Atembeschwerden oder Hautirritationen. Erst kürzlich tauchten an der Unglücksstelle 240 Kilometer vor der Küste Galiciens wieder Ölflecken an der Meeresoberfläche auf.

Schweröl aus der Tiefe gepumpt
Die spanische Regierung geht davon aus, dass sie keine Gefahr für die Umwelt darstellen. Ein großer Teil der Fracht war ins Meer gelangt, als der Frachter am 13. November 2002 leckgeschlagen und sechs Tage später gesunken war. Aus dem - in 4000 Meter Tiefe auf dem Grund liegenden - Wrack wurden später in einer aufwendigen Operation 13.000 Tonnen Schweröl abgepumpt.

Unüberschaubares Geflecht
Die Justiz kommt bei der Suche nach den Schuldigen nur langsam voran. Die Richter in dem Küstenstädtchen Corcubión schienen dem Geflecht von Reedern, Ölfirmen, Subunternehmen und Versicherungen machtlos gegenüberzustehen. Die 26 Jahre alte "Prestige" gehörte einer Firma in Liberia, sie fuhr für eine griechische Reederei unter der Flagge der Bahamas, sie hatte einen griechischen Kapitän und eine rumänisch-philippinische Besatzung, und sie transportierte Öl für einen russischen Konzern mit Sitz in der Schweiz.

Straffälliger Kapitän
Die Richter in dem 2000-Seelen-Ort, die sich normalerweise mit Erbstreitigkeiten oder Scheidungsen befassen, wollen sich bis 2009 durch das juristische Dickicht gewühlt haben und zwei Prozesse eröffnen. Ein Verfahren richtet sich gegen den 72 Jahre alten griechischen Kapitän Apostolos Mangouras, der sich in seiner Heimat alle zwei Wochen bei der Polizei melden muss, sowie gegen den ersten Offizier und den Maschinisten. Ein Manager der Reederei, gegen den ebenfalls ermittelt worden war, erlag einem Herzinfarkt.

Prozess gegen Chef der Hafenbehörde
Im zweiten Prozess soll der damalige Chef der Hafenbehörden angeklagt werden. Er hatte die Anweisung gegeben, den leckgeschlagenen Tanker aufs offene Meer hinauszuschleppen. Gegen Mitglieder der damaligen spanischen Regierung von Ministerpräsident José María Aznar wurde nicht ermittelt. Der Regierung war im Europaparlament vorgeworfen worden, das Ausmaß der Katastrophe noch vergrößert zu haben, weil sie den Tanker nicht in einen Hafen bringen ließ.

Gesamtschaden von einer Milliarde Euro
Ein drittes Verfahren ist in den USA anhängig. Dort hat der spanische Staat das American Bureau of Shipping (ABS) verklagt, das der "Prestige" die Seetauglichkeit bescheinigt hatte. Spanien will vom ABS den Gesamtschaden in Höhe von einer Milliarde Euro erstattet bekommen.

Schweröl auf dem Meeresgrund
Während die Ermittlungen der Justiz im Schneckentempo vorankommen, erzielten die Spanier bei der Behebung der Umweltschäden große Fortschritte. An den verseuchten Stränden wurden über 100.000 Tonnen Ölreste - vermischt mit Wasser, Sand und Algen - eingesammelt. Allerdings lagern Tausende von Tonnen Schweröl auf dem Meeresgrund, oft von einer Sandschicht bedeckt. Die Auswirkungen auf das Ökosystem sind selbst Experten ein Rätsel.

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