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Wenige Überlebende bei Fährunglück im Roten Meer

Ägypten  

Wenige Überlebende bei Fährunglück im Roten Meer

03.02.2006, 12:21 Uhr | dpa

Bei einem der schwersten Fährunglücke der vergangenen Jahrzehnte sind am Freitag im Roten Meer vermutlich mehrere hundert Menschen ertrunken. Die genaue Zahl der Todesopfer steht noch nicht fest. Die an den Unglücksort geeilten Rettungskräfte konnten bislang rund 240 Überlebende retten und 185 Leichen bergen, wie ein Polizeisprecher sagte. An Bord waren über 1400 Menschen.#

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Fähre sank kurz vor dem Ziel
Nach Angaben eines Sprechers des Fährunternehmens Al Salam Maritime Transport wurden in dem Seegebiet 300 bis 400 Überlebende gesichtet. Sie würden von den zur Hilfe geschickten Schiffen aufgenommen. Die schwierigen Wetterverhältnisse erschweren die Rettungsarbeiten. Die ägyptische Fähre Al-Salam Boccaccio 98 hatte am Donnerstagabend den saudi-arabischen Hafen Dhiba verlassen. Doch 90 Kilometer vor ihrem Ziel, dem ägyptischen Hafen Safaga, sank die Fähre.

Fähre sank schnell
Ägyptens Präsident Husni Mubarak ordnete nach Auskunft seines Sprechers eine sofortige Untersuchung des Unglücks an. Es müsse geklärt werden, ob die Unglücksfähre und andere Schiffe dieses Typs die Sicherheitsbestimmungen erfüllt hätten, sagte Mubaraks Sprecher im ägyptischen Fernsehen. Das schnelle Sinken der Fähre sowie das Fehlen von Rettungsboten würden auf ein Problem hinweisen.

Kämpfte das Schiff gegen hohe Wellen?
Weshalb das Schiff unterging, ist noch unklar. Behördenvertreter vor Ort sprachen von einem kräftigen Wind und Wellen von bis zu zehn Meter Höhe in der Nacht zum Freitag. Die Fähre hatte Dhiba, den nördlichsten saudi-arabischen Hafen am Roten Meer, um 20.30 Uhr Ortszeit verlassen. In Safaga hätte sie um 2.30 Uhr ankommen sollen. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Besatzung der Fähre bereits einen Notruf abgesetzt, der von einer anderen ägyptischen Fähre empfangen wurde. Doch die Rettungsaktion der ägyptischen Behörden, die in den Morgenstunden begann, kam für die meisten Passagiere des Schiffes wohl zu spät.

Passagiere waren vorwiegend Ägypter
An Bord der Unglücksfähre waren nach Angaben aus Sicherheitskreisen hauptsächlich Ägypter sowie rund 100 Araber aus anderen Staaten. Das Auswärtige Amt in Berlin hatte am Freitagnachmittag noch keine Erkenntnisse, ob auch Deutsche von dem Fährunglück betroffen sind.

Angehörige warteten vergeblich
Im Hafen von Safaga drängten sich am Freitag tausende Angehörige der vermissten Passagiere und warteten auf Neuigkeiten über das Schicksal ihrer Lieben. Viele von ihnen waren schon nach Safaga gereist, bevor bekannt wurde, dass das Schiff gesunken ist. Sie wollten ihre Verwandten im Hafen empfangen. Doch die Freude über die geplante Heimkehr der Reisenden wich bangem Warten und Entsetzen, als die ersten Meldungen der Tragödie bekannt wurden.

Anteilnahme aus Deutschland
Bundespräsident Hort Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel sprachen den Familien der Opfer ihre Anteilnahme aus. Außenminister Frank-Walter Steinmeier äußerte sich in einem Kondolenztelegramm an seinen ägyptischen Amtskollegen Ahmed Abul Gheit bestü rzt und tief betroffen. "Unser Mitgefühl und unser aufrichtiges Beileid gilt all jenen, die Angehörige und Freunde verloren haben."

Schon öfters Unglücke auf dieser Strecke
Die Fähren, die zwischen Saudi-Arabien und Ägypten verkehren, sind für viele ägyptische Arbeiter der billigste Weg, um zu ihren Arbeitsplätzen in den reichen Golfstaaten oder zur muslimischen Wallfahrt nach Mekka zu gelangen. Auf der Strecke hatte es schon mehrfach Unglücke mit Hunderten von Todesopfern gegeben.

"Fähren können leicht umkippen"
Mitschuld daran trägt oftmals der Einsatz älterer Autofähren vom Roll-on-Roll-off-Typ, die bei Experten generell als gefährlich gelten. "Die Schiffe haben eine Bug- und eine Heck-Klappe und dazwischen Autodecks im Stil riesiger Tiefgaragen", erläuterte der Leiter des ADAC-Fährentests, Jens-Peter Hoffmann. "Läuft vorn Wasser herein, breitet es sich schnell im ganzen Schiff aus, und die Fähren können leicht umkippen." Auch die Unglücksfähre Al-Salam Boccaccio 98 gehörte zu diesem Typ.

"Vermutlich nicht EU-Sicherheitsstandards"
"Das Schiff wurde 1970 in Italien gebaut und genügte vermutlich nicht den EU-Sicherheitsstandards", sagte David Osler, Journalist für Schifffahrt bei der Londoner Zeitung "Lloyd's List". "Nur wenig Wasser genügt, und das Boot wird instabil und kentert recht schnell", sagte Osler.

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