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Flughafen Hamburg: Riskantes Landemanöver während Orkan "Emma" wird analysiert

"Emma" pustet Flugzeug in Hamburg fast weg  

Ermittlungen wegen Beinahe-Katastrophe eingeleitet

03.03.2008, 18:03 Uhr | dpa

Geschüttelt von Sturmböen fliegt das Flugzeug auf die Landebahn zu (Quelle: LiveLeak)Geschüttelt von Sturmböen fliegt das Flugzeug auf die Landebahn zu (Quelle: LiveLeak) Nachdem es am Flughafen Hamburg durch das Orkantief "Emma" fast zu einem Unglück gekommen wäre, hat die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) Ermittlungen eingeleitet. Ein Flugzeug aus München war am Sonntag im Landeanflug von einer so heftigen Windböe erfasst worden, dass es gefährlich ins Schlingern geriet und sogar mit einer Tragfläche am Boden entlang schrammte. Augenzeugen beobachteten und filmten (siehe Video rechts).

"Wir werden die Frage stellen müssen"

Nach dem Zwischenfall setzte der Lufthansa-Airbus "Suhl" mit 131 Passagieren und sechs Besatzungsmitgliedern an Bord erneut zur Landung auf einer anderen Bahn an. "Wir werden die Frage stellen müssen, warum das Flugzeug nicht auf der Landebahn 33 gelandet ist, sondern auf der 23, wo der Seitenwind viel stärker war", sagte Lothar Müller von der BFU.

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Pilot soll Bahn ausgesucht haben

Axel Raab von der Deutschen Flugsicherung erklärte, dass dem Flugkapitän vom Hamburger Tower beide Landebahnen angeboten worden seien. Er hätte sich für die 23 entschieden, weil diese im Gegensatz zur Landebahn 33 über ein komplettes elektronisches Führungssystem verfüge. "Ich denke nicht, dass hier ein Fehler des Piloten vorlag, die sehr heftige Böe war nicht absehbar", sagte Raab.

Kritik am Flughafen vom Co-Piloten

Flugmeteorologen erklären allerdings, zum Zeitpunkt der Beinahe-Katastrophe habe es eine Warnung vor schweren Böen mit Windgeschwindigkeiten bis zu 55 Knoten gegeben. Auch der Co-Pilot Niels Stüben erzählt eine andere Version. Ihm zufolge wies der Tower dem Piloten die erste Landebahn zu, obwohl ungünstiger lag.

Nur Durchstarten noch möglich

Für den Piloten gab es in diesem Augenblick keine andere Wahl als die Maschine durchzustarten. Bei einer Landung wäre der Flieger von der Rollbahn abgekommen. Durch die Geistesgegenwart der Piloten wurde niemand verletzt. "Der Pilot habe eine schwierige Situation sehr gut und sehr professionell gemeistert", sagte Stüben.

Hoher Verbrauch von Tüten

Der Sprecher der Deutschen Flugsicherung (DFS), Axel Raab, sagte am Montag dem NDR, die Passagiere hätten sicherlich Todesangst an Bord gehabt. "So etwas hat es in Hamburg noch nicht gegeben", sagte Flughafen-Sprecherin Katja Tempel. Der Hamburger Airport war von den "Emma"-Ausläufern besonders betroffen. Gleich mehrere Maschinen starteten am Samstag wegen der Orkanböen durch, ähnlich brenzlige Situationen wie bei der Lufthansa-Maschine gab es nach Angaben des Flughafens aber nicht. 19 Flüge mussten unter anderem wegen hoher Windgeschwindigkeiten gestrichen werden, 118 Flüge verspäteten sich. Ungewöhnlich hoch, so berichtete Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber, war überall "der Verbrauch der berühmten Tüten", weil Passagieren übel wurde.

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Tragfläche beschädigt

Der Flug LH 044 aus München hatte ebenfalls Verspätung. Um 13.40 Uhr war der Airbus mit dem Kennzeichen D-AIQP im Anflug auf Hamburg-Fuhlsbüttel. Er bekam dabei kräftigen Seitenwind von rechts und schwebte schräg zur Landebahn ein. Durch Gegensteuern brachten Oliver A. und seine Copiloten den Flieger wieder in eine gerade Position. "Dann, im allerletzten Moment vor dem Touchdown (Aufsetzen), fasste eine kräftige Böe unter die rechte Tragfläche", kommentierte Lufthansa-Sprecher Weber die Videobilder von Amateurfilmern. Diese zeigen, wie die Maschine in eine gefährliche Schieflage kam. Auf der nassen Landebahn wirbelte eine Wasserfontäne auf. Ein Winglet - ein senkrechter Anbau am äußeren Ende der Tragfläche - wurde beschädigt.

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Problemloser Durchstart

Das Durchstartmanöver verlief dann allerdings problemlos. "Das ist etwas, was im Flugtraining immer wieder simuliert wird", erklärte Weber. Der Pilot schiebt beim Durchstarten die Gashebel nach vorn, zieht die Maschine hoch, und Landeklappen und Fahrwerk werden eingefahren. Der Wechsel vom Landeanflug zum plötzlichen Neustart erfolgt in wenigen Sekunden. Die Verfahren werden regelmäßig trainiert und sind nicht gefährlich. Nach einer Viertelstunde konnte der Airbus doch noch erfolgreich in Hamburg landen. Unter den Passagieren gab es keine Unruhe, wie ein Fluggast später dem Fernsehsender N24 berichtete. Das beschädigte Flugzeug wurde noch am Wochenende repariert.

Piloten wieder unterwegs

Die beiden Piloten sind nur zwei Tage nach dem Beinahe-Unfall von Hamburg bereits wieder im Routine-Einsatz. Pilot Oliver A. und die Copilotin Maxi J. seien ganz normal auf Mittelstreckenflügen in Europa unterwegs, berichtete Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow in Frankfurt. Die Besatzung habe den Vorfall sehr gefasst aufgenommen. Der Pilot wolle sich nicht öffentlich zu seinem Manöver äußern. "Er hat meisterlich umgesetzt, was er zuvor hunderte Male im Simulator geübt hat", meinte Jachnow. Man habe keine Zweifel, dass die Freigabe der Landebahn durch die Deutsche Flugsicherung korrekt war, betonte Jachnow. Zusätzliche Böen im Anflug könne niemand vorhersehen.

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Video besonders nachgefragt

Im Internet kursierten am Montag zu dem spektakulären Video eines britischen Amateurfilmers mehrere hundert Kommentare. Besonders gelobt wurde dabei die Meisterleistung des 39 Jahre alten Lufthansa-Kapitäns. Bis zum Mittag wurde das Video fast zwei Millionen Mal angeschaut.

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