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Papst Benedikt XVI. nennt Holocaust-Leugnung "nicht hinnehmbar"

Benedikt XVI. bezieht Stellung  

Papst nennt Holocaustleugnung "nicht hinnehmbar"

13.02.2009, 14:06 Uhr | AFP , dpa , dapd

Benedikt mit Vertretern amerikanisch-jüdischer Organisationen: "Ich bereite mich darauf vor, Israel zu besuchen" (Foto: dpa) Benedikt mit Vertretern amerikanisch-jüdischer Organisationen: "Ich bereite mich darauf vor, Israel zu besuchen" (Foto: dpa)

Papst Benedikt XVI. hat sich nach der Affäre um den erzkonservativen Bischof Richard Williamson mit deutlichen Worten von der Leugnung des Holocausts distanziert. Jede Leugnung oder Verharmlosung der an den Juden begangenen Verbrechen sei "untolerierbar und nicht hinnehmbar", sagte er beim Empfang einer jüdischen Delegation aus den USA. Zugleich kündigte er seine erste Israel-Reise als Kirchenoberhaupt an.

Der Massenmord an den Juden im Dritten Reich sei "ein Verbrechen gegen Gott und die Menschheit" gewesen. Die katholische Kirche habe sich eindeutig der Ablehnung des Antisemitismus verschrieben und wolle weiterhin gute und dauerhafte Beziehungen zur jüdischen Gemeinschaft, sagte Benedikt XVI.

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Rabbiner: Leugnung "schmerzlich und schwierig"

Schon am 28. Januar hatte der Papst im Zuge der Debatte um die Wiederaufnahme des Holocaust-Leugners Williamson in die katholische Kirche seine "vollständige und nicht diskutierbare Solidarität" mit den Juden erklärt. Der Leiter der Delegation, der Rabbiner Arthur Schneier, dankte dem Papst bei dem Empfang in Rom für seine "unbestreitbare Unterstützung" für das jüdische Volk und sein Verständnis für die Ängste vor einem Wiedererstarken des Antisemitismus. Die Leugnung des Holocaust durch Williamson habe die zurückliegenden Tage "schmerzlich und schwierig" gemacht.

Williamson bestreitet Existenz von Gaskammern

Mit der Aufhebung der Exkommunizierung Williamsons, eines Mitglieds der erzkonservativen Pius-Bruderschaft, am 24. Januar hatte Benedikt XVI. weltweit für Empörung gesorgt. Insbesondere jüdische Vertreter hatten den Papst dafür scharf kritisiert, woraufhin er Williamson zum Widerruf seiner Holocaust-Äußerungen aufrief. Dieser weigerte sich bisher jedoch. Williamson hatte in einem Interview gesagt, er denke, dass "200.000 bis 300.000 Juden in den Konzentrationslagern gestorben" seien, aber "nicht ein einziger von ihnen in Gaskammern".

Benedikt will nach Israel reisen

Mit Blick auf seine Reise nach Israel sagte der Papst: "Ich bereite mich darauf vor, Israel zu besuchen, ein Land, das für Christen wie für Juden heilig ist." Es ist der erste Israel-Besuch des im April 2005 gewählten Benedikt XVI. Sein Vorgänger Johannes Paul II. hatte Israel im Mai 2000 besucht und an der Klagemauer die Juden für das ihnen zugefügte Leid um Vergebung gebeten. Ihn zitierte der Papst auch am Donnerstag. Er wolle die Gebete von Johannes Paul II. nun zu seinen machen, sagte Benedikt XVI.

Nahostreise vermutlich im Mai

Einen Termin für seine Israel-Reise nannte er nicht. Im Dezember hatte jedoch der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fuad Twal, bekannt gegeben, dass Benedikt XVI. voraussichtlich im Mai 2009 nach Israel kommen werde. Auch die israelische Presse berichtete von einem Aufenthalt zwischen dem 8. und 15. Mai im Nahen Osten, der in der jordanischen Hauptstadt Amman beginnen werde und den Papst auch nach Jerusalem, Nazareth und Bethlehem führen werde.

Pius XII. soll selig gesprochen werden

Überschatten könnte den Papst-Besuch auch der Streit um die geplante Seligsprechung von Papst Pius XII. Er hatte nach Ansicht vieler Kritiker während des Zweiten Weltkriegs nicht genügend zur Rettung von verfolgten Juden unternommen. So ließ er sich etwa auf ein Reichskonkordat mit den Nationalsozialisten ein, die der katholischen Kirche eine politische Stellungsnahme untersagt.

Kirchenaustritte in Linz vervierfacht

Unterdessen sträuben sich in Österreich immer mehr Katholiken und katholische Würdenträger gegen die Entscheidung des Papstes, den ultrakonservativen Gerhard Maria Wagner zum Weihbischof zu ernennen. Die Zahl der Kirchenaustritte im überwiegend katholischen Österreich hat - mit Ausnahme des erzkatholischen Vorarlbergs - rapide zugenommen und sich im Gebiet von Linz nach Presseberichten sogar vervierfacht.

Geistliche verweigern Zusammenarbeit

Die Revolte gegen die Ernennung hat inzwischen solche Ausmaße angenommen, dass die kirchliche Laienbewegung "Wir sind Kirche" offen dazu aufrief, die Zahlung der Kirchensteuer zurückzuhalten. Höhepunkt der Rebellion war schließlich eine Erklärung der Dechanten des betroffenen Bistums Linz, die dem künftigen Weihbischof am Dienstag die Zusammenarbeit verweigerten. Wagner, so 31 der anwesenden 35 Geistlichen, sei "inakzeptabel".

Ultrakonservative Thesen

Wagner, dem gute Beziehungen zu höchsten Vatikankreisen nachgesagt werden, hatte seit seiner Weihe in der 70er Jahren kaum eine Möglichkeit ungenutzt gelassen, liberal denkende Katholiken zu vergrätzen. So erklärte er zum Beispiel Homosexualität zu einer heilbaren Krankheit und Naturkatastrophen wie Hurrikan "Katrina" zu einer gerechten Strafe Gottes.

Erzbischof: Auch der Papst macht Fehler

Der Linzer Bischof Ludwig Schwarz erklärte unterdessen, dass er Wagner dem Papst nicht für das Amt vorgeschlagen habe. Der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn wurde unerwartet deutlich: "Natürlich machen wir Menschen in der Kirche Fehler - und auch der Papst selbst."

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