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Williamson landet in London und geht kommentarlos

Holocaust-Leugner ausgewiesen  

Williamson landet in London und geht kommentarlos

27.02.2009, 15:36 Uhr | dpa

Bischof Williamson (Mitte) bekam am Londoner Flughafen Polizeigeleit (Foto: Reuters)Bischof Williamson (Mitte) bekam am Londoner Flughafen Polizeigeleit (Foto: Reuters)

Der Holocaust-Leugner Richard Williamson ist zurück in Europa. Der 68-Jährige umstrittene Pius-Bruder folgte einer Aufforderung zur Ausreise der argentinischen Regierung und kam am Mittwoch aus Buenos Aires in seiner Heimat Großbritannien an.

Nach der Landung am Flughafen London-Heathrow stieg er, umringt von Polizisten und drängelnden Journalisten, ohne Kommentar in ein wartendes Auto und verließ das Flughafenterminal mit unbekanntem Ziel.

Bericht über Piusbrüder Antisemitismus an der Tagesordnung
Stichwort Die Priesterbruderschaft St. Pius X.
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Holocaust-Leugnung in Großbritannien straffrei

Die Regierung seiner Wahlheimat Argentinien hatte Williamson wegen "Unregelmäßigkeiten" in seinem Visumsantrag und der Leugnung des Holocausts ultimativ zum Verlassen des Landes gedrängt. Rechtliche Bedenken gegen die Einreise Williamsons nach Großbritannien, wo die Leugnung des Holocausts nicht strafbar ist, gab es nicht. "Er ist ein britischer Bürger und hat sich hier nicht strafbar gemacht", hatte ein Sprecher des Innenministeriums in London vor der Einreise gesagt.

Bruderschaft distanzierte sich offiziell

Die Pius-Bruderschaft hatte sich zwar von Williamsons Äußerungen zur Judenvernichtung während der Nazizeit distanziert. Allerdings werden auch der Bruderschaft antisemitische und antijudaistische Tendenzen vorgehalten. Die Londoner Pius-Bruderschaft hatte nach eigenen Angaben angeblich keine Informationen über seinen Verbleib.

"Private Entscheidung"

Die Zentrale der Priesterbruderschaft im Schweizer Menzingen teilte auf Anfrage mit, dass Williamson nicht auf Weisung des Generaloberen Bischofs Bernard Fellay nach England geflogen sei. Es handele sich um eine private Entscheidung Williamsons. Fellay hatte Williamson aufgefordert, seine Thesen zum Holocaust zu widerrufen. Eine Entscheidung, ob die Priesterbruderschaft Williamson weiterhin offen stehe, sei noch nicht gefallen und hänge mit seinen künftigen Äußerungen zum Holocaust zusammen. Wo sich Williamson in England nun aufhalte, sei nicht bekannt.

"Es wäre besser, wenn er nicht hier wäre"

Auch die Katholische Bischofskonferenz von England und Wales konnte nichts über Williamsons weiteren Pläne sagen. Er falle nicht unter die Rechtssprechung eines Bischofs in England oder Wales und müsse seine eigenen Vorkehrungen treffen, sagte ein Sprecher. Der Präsident des britischen Holocaust Educational Trust, Lord Janner, sagte: "Es wäre sehr viel besser, wenn er nicht hier wäre. Aber da er britischer Bürger ist, kann das nicht verhindert werden."


Williamson leugnet Existenz von Gaskammern

Die Rücknahme der Exkommunizierung von Williamson durch Papst Benedikt XVI. hatte vergangenen Monat für große Empörung gesorgt. Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte in einer ungewöhnlichen Kritik eine eindeutige Klarstellung des Papstes gefordert. Der Bischof der erzkonservativen Pius-Bruderschaft hatte behauptet, dass in Nazi-Lagern nicht sechs Millionen Juden umgebracht wurden, sondern maximal 300.000, davon allerdings keiner in Gaskammern. Einer Aufforderung des Papstes, seine Aussagen zu widerrufen, widersetzte sich Williamson. Er müsse erst die "Tatsachen" neu untersuchen, sagte er in einem Interview. Der Holocaust ist historisch völlig unstrittig.


Leiter von Seminar in Argentinien

Der französische Traditionalisten-Erzbischof Marcel Lefebvre hatte 1988 Williamson und drei andere Geistliche gegen den Willen des Vatikans zum Bischof geweiht. Anschließend war Williamson exkommuniziert worden. Zuletzt hatte er das Priesterseminar der erzkonservative Pius-Bruderschaft im argentinischen La Reja geleitet.

Kontakt mit Holocaust-Leugner Irving

Nach Medien-Informationen hatte Williamson vor seiner Ankunft in Großbritannien Kontakt zum umstrittenen Historiker und Holocaust-Leugner David Irving. "Er ist kein Holocaust-Leugner, er glaubt nur wie ich nicht an das ganze Ausmaß", sagte der 70-Jährige der britischen Tageszeitung "The Times". Irving schickte Williamson nach eigener Aussage eine Email mit Hinweisen, welche Aussagen zum Holocaust er ohne Probleme machen könne. "Ich habe eine Mail bekommen, in der er sich dafür bedankt hat", sagte Irving. Der Brite war in Österreich wegen Leugnens nationalsozialistischer Verbrechen zu einer dreijährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden, wurde aber vorzeitig aus der Haft entlassen.


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