Sie sind hier: Home > Panorama >

Pius-Bruderschaft: Vatikan reicht Williamsons Entschuldigung nicht aus

Holocaust-Leugner  

Vatikan reicht Williamsons Entschuldigung nicht aus

27.02.2009, 18:05 Uhr | dpa, dapd, AFP

Bischof Williamson soll endlich abschwören, fordert der Vatikan (Foto: dpa)Bischof Williamson soll endlich abschwören, fordert der Vatikan (Foto: dpa)

Der Vatikan hat die Entschuldigung des Holocaust-Leugners und umstrittenen katholischen Geistlichen Richard Williamson als unzureichend bezeichnet. Die von Williamson gewählten Formulierungen entsprächen nicht der Forderung des Vatikan nach einer eindeutigen Rücknahme seiner Äußerungen, sagte ein Sprecher. Unterdessen flammte eine Debatte um den Augsburger Bischof Walter Mixa auf. Er soll nach einem Zeitungsbericht die sechs Millionen ermordeten Juden in der Nazizeit in Zusammenhang mit den neun Millionen Abtreibungen nach dem Zweiten Weltkrieg gebracht haben.

Zuvor hatte auch der Zentralrat der Juden in Deutschland die Entschuldigung Williamsons als "verkorkste Erklärung" zurückgewiesen. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Hans Joachim Meyer, forderte, dass Williamson "keine Verantwortung" mehr tragen dürfe.

Williamson Zentralrat weist Entschuldigung ab
Nach Ausreise aus Argentinien Williamson in London gelandet
Bericht über Piusbrüder Antisemitismus an der Tagesordnung

"Meinung eines Nicht-Historikers"

Der Pius-Bruder hatte in einem Brief an den Vatikan geschrieben, er bitte "vor Gott" um Vergebung aller, die er durch seine Leugnung des Holocaust verletzt habe. In seinem Interview mit dem schwedischen Fernsehen habe er nur die Meinung eines "Nicht-Historikers geäußert, eine Meinung, die sich vor 20 Jahren auf Grundlage der damals verfügbaren Beweise herausgebildet hat". Williamson hatte in dem Interview gesagt, er denke, dass "200.000 bis 300.000 Juden in den Konzentrationslagern gestorben" seien, aber "nicht ein einziger von ihnen in Gaskammern".

Stichwort Die Priesterbruderschaft St. Pius X.
Weitere Nachrichten zum Vatikan

Papst weltweit kritisiert

Die Äußerungen machten Schlagzeilen, weil Papst Benedikt XVI. kurz darauf die Exkommunikation Williamsons und dreier weiterer Bischöfe der fundamentalistischen Pius-Bruderschaft aufgehoben hatte. Das Oberhaupt der katholischen Kirche war dafür weltweit kritisiert worden. Der Papst hatte Williamson schließlich aufgefordert, seine Äußerungen zurückzunehmen.

Zypries droht mit Konsequenzen

Nach seiner Rückkehr nach Europa muss Williamson mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Die Ermittlungen der deutschen Staatsanwaltschaft in Regensburg gegen den Briten könnten zum Erlass eines Europäischen Haftbefehls führen, sagte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries. "Grundsätzlich fällt das Delikt unter die Regelungen des Europäischen Haftbefehls, das heißt also, Deutschland könnte einen solchen Haftbefehl ausstellen."

Erfolg sehr ungewiss

Zypries räumte allerdings ein, der Erfolg eines EU-Haftbefehls sei in diesem Fall ungewiss: "Ob es dann von britischer Seite Einwendungen gäbe, die eine Auslieferung verhindern würden, kann ich im Moment nicht beurteilen." Zwingend ist die Auslieferung nur, wenn das dem Angeklagten vorgeworfene Delikt auch in dessen Aufenthaltsland als Straftat beurteilt wird oder wenn in dem Staat, der den Haftbefehl erlässt, eine Mindeststrafe von drei Jahren vorgesehen ist.

Mixa im Rampenlicht

Massive Kritik übte der Zentralrat der Juden unterdessen am Augsburger Bischof Mixa. Nach einem Bericht der "Fränkischen Landeszeitung" hatte Mixa in Anspielung auf Williamson gesagt: "Es hat diesen Holocaust sicher in diesem Umfang mit sechs Millionen Getöteten gegeben. Wir haben diese Zahl durch Abtreibungen aber bereits überschritten." Mixa habe von mehr als neun Millionen Abtreibungen in den vergangenen Jahrzehnten gesprochen und gesagt: "Diese neun Millionen fehlen uns", zitiert das Blatt den Bischof. Der Zentralrat der Juden warf ihm daraufhin am Freitag eine "Instrumentalisierung der Holocaust-Opfer" vor. Damit würden Frauen und Ärzte, die sich zu einer Abtreibung entschlossen haben, "mit KZ-Massenmördern gleichgestellt - das ist an Perfidie nicht mehr zu überbieten", sagte Kramer.

Bistum: "Absurd und bösartig"

Das Bistum wies die Darstellung empört zurück. Mixa habe sich im Gegenteil beim politischen Aschermittwoch der CSU in Dinkelsbühl in scharfer Form von dem Holocaust-Leugner Williamson distanziert sowie den Mord an den über sechs Millionen Juden als entsetzliches und singuläres Verbrechen bezeichnet. In einem "weiteren Zusammenhang" habe Mixa dann darauf hingewiesen, "dass auch in der Gegenwart Verbrechen gegen das Leben begangen würden, die höchste Wachsamkeit erforderten", und dabei unter anderem auch die Zahl der Abtreibungen genannt. Die Erwähnung der "unterschiedlichen Zahlen in verschiedenen Sachzusammenhängen bedeute aber keine Relativierung des Holocausts". Dies zu konstruieren, sei "absurd und bösartig", hieß es.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Mäntel-Highlights und schöne Jacken shoppen
bei MADELEINE
myToysbonprix.deOTTOUlla Popkenhappy-size.deLIDLBabistadouglas.deBAUR;

shopping-portal