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"Die Bauarbeiter riefen: Alle weg, alle raus!"

Einsturz des Kölner Stadtarchivs  

"Die Bauarbeiter riefen: Alle weg, alle raus!"

04.03.2009, 18:03 Uhr | AFP, t-online.de

Auch dieser Nachbar des Stadtarchivs hat Glück im Unglück gehabt: Seine Wohnung ist zwar zerstört, aber er lebt noch (Foto: dpa)Auch dieser Nachbar des Stadtarchivs hat Glück im Unglück gehabt: Seine Wohnung ist zwar zerstört, aber er lebt noch (Foto: dpa)

Einen Tag nach dem Einsturz von Köln wird klar, dass eine viele Menschen enormes Glück hatten: Sie wurden nicht verschüttet wie möglicherweise die zwei, die noch vermisst werden. Denn in dem Stadtarchiv war gerade Besuchstag; deutlich mehr Menschen als normal hielten sich darin auf. Und wäre das Unglück ein paar Stunden früher passiert, dann wäre die benachbarte Schule noch voller Schüler gewesen.

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Schnelligkeit und Umsicht

Glück hatten auch die Fußgänger, die sich auf der Severinstraße beim Einsturz der Häusern retten konnten. So wie Susanne van den Bergh. "Ich bin nur noch gerannt", erzählt die Studentin. "Ich glaube, ich bin erst nach 100 Metern wieder stehen geblieben." Ihrer schnellen Reaktion, vor allem aber der Umsicht derer, die nach eigenartigen Geräuschen und Warnungen von Bauarbeitern dafür sorgten, dass das Stadtarchiv und auch die benachbarte Schule rasch geräumt wurden, ist es zu verdanken, dass nicht hunderte Menschen ums Leben kamen.

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Bauarbeiter warnten Passanten

Um ein Haar nämlich wäre der Besuch des Kölner Stadtarchivs auch für Van den Bergh tödlich geworden. Die junge Frau aus Alfter bei Bonn hatte am Dienstag ihren Laptop in dem Gebäude in der Kölner Südstadt aufgebaut und wollte sich nur schnell unten auf der Severinstraße einen Kaffee besorgen. "Es war kurz vor 14 Uhr, ich stand draußen vor der Eingangstür des Archivs. Plötzlich kamen Bauarbeiter von der U-Bahn-Baustelle vor dem Haus und riefen: 'Alle weg, alle raus'."

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Die 25-jährige Studentin drehte sich um und wollte ihren Augen nicht trauen: "Als ich zu dem Gebäude hoch schaute, begann die gesamte Fassade zu bröckeln." Wenig später war das Archivgebäude komplett in sich zusammengebrochen, ein Wohnhaus rechts davon ebenfalls, das Wohnhaus zur Linken stand nur noch zur Hälfte.

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Helfer "nach zwei Minuten da"

Van den Bergh konnte sich wie andere Passanten auf der Straße retten. "Als ich ich sah, wie ganze Steine aus der Fassade herausfielen, bin ich nur noch weggelaufen." Die Rettungskräfte waren unmittelbar nach dem Unglück an der Unfallstelle, wie die Studentin berichtet. "Nach zwei Minuten waren die ersten Helfer da. Alle Besucher und Mitarbeiter des Archivs konnten offenbar das Gebäude verlassen. Da war wohl keiner mehr drin."

Hauptverkehrsachse gesperrt

In den folgenden Minuten zog die Einsatzleitung ein Großaufgebot an Feuerwehrleuten, Katastrophenschützern, Polizei und Mitarbeitern der Stadt in den Straßen zwischen Kölner Alt- und Südstadt zusammen. Die Nord-Süd-Fahrt, Hauptverkehrsachse der Innenstadt, wurde gesperrt, Suchhunde wurden zu dem weiträumig abgeriegelten Gelände geführt.

Statik der Gebäude wird überprüft

Wo noch am Mittag eine intakte Häuserzeile gestanden hatte, gähnte nun an der Severinsstraße ein riesiges Loch in der Fassadenfront. Mehrere umliegende Gebäude wurden evakuiert, die Menschen mussten ihre Häuser verlassen, deren Statik nun überprüft werden soll. Die Ursache für das Unglück blieb zunächst unklar, aber schon frühzeitig wurde über die Bauarbeiten für die Kölner Nord-Süd-Stadtbahn als Grund für den Einsturz der Häuser spekuliert. "Die Unglücksursache muss nun genau untersucht werden", mahnte Stadtsprecher Gregor Timmer zur Geduld.

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