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Köln: Dauerregen behindert Rettungsarbeiten

Suche in Köln verzögert sich weiter  

Verkehrsbetriebe: Keine Bodenüberwachung

06.03.2009, 15:49 Uhr | dpa, t-online.de

Die Aufräumarbeiten in Köln verzögern sich wegen Dauerregen und steigendem Grundwasser (Foto: dpa)Die Aufräumarbeiten in Köln verzögern sich wegen Dauerregen und steigendem Grundwasser (Foto: dpa)

Die Gefahr eines neuen Erdrutsches verzögert die Suche nach Verschütteten an der Einsturzstelle des Kölner Stadtarchivs immer weiter. Die Chance, die beiden vermissten jungen Männer lebend zu bergen, ging nach Einschätzung der Feuerwehr gegen null. Derweil meldet die "Kölnische Rundschau", dass die Kölner-Verkehrs-Betriebe (KVB) die Bodenverhältnisse während der Tunnelarbeiten nicht überwacht hätten.

Man habe auf eine Überwachung während des Baus verzichtet, zitierte das Blatt den KVB-Sprecher Joachim Berger. Lediglich vor Ausschreibung des Projekts und vor Baubeginn sei der Boden stichpunktartig untersucht worden. Den Boden auch während der Bauarbeiten zu überwachen, sei nicht nötig gewesen, "weil wir durch den Bau der Schlitzwände keine Veränderungen des Bodens außerhalb der Baugruben erwartet haben", sagte Berger.

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Letzte Untersuchungen 2004

Die letzten Bodenuntersuchungen seien dann 2004 erfolgt, nachdem bei den Bauarbeiten ein Kirchturm abgesackt war. Diese hätten ausgereicht, um sich ein Bild von der Bodenbeschaffenheit zu machen.

Projektleiter: Haben alle Untersuchungen durchgeführt

Rolf Papst, KVB-Projektleiter für den U-Bahn-Bau, bestätigte diese Vorgehensweise und bestritt, es habe Versäumnisse gegeben. "Wir haben alle Untersuchungen durchgeführt, die die Regeln der Technik erfordern." Wenn man zehn Minuten vor dem Einsturz gemessen hätte, hätte mit Sicherheit auch noch nicht darauf hingedeutet, sagte Papst.

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Wassereinbruch unkalkulierbar

Der Kölner Geotechniker Josef Steinhoff schloss sich der Ansicht an: Eine laufende Kontrolle des Erdreichs hätte die Katastrophe nicht verhindern können. "Das kann keinerlei Rolle spielen", sagte er. Bei dem Einsturz müsse man von einem Wassereinbruch in der Baugrube ausgehen, in der ein unterirdischer Bahnhof entstehen sollte. Ein Wassereinbruch sei aber vorher nicht kalkulierbar, sagte Steinhoff.

Hohlräume werden noch aufgefüllt

An der Unglücksstelle ist die Feuerwehr immer noch dabei, die Kellerräume der inzwischen abgetragenen Gebäude an der Rückseite des Archivs mit Schutt aufzufüllen. Erst dann könne ein mehr als 100 Tonnen schwere Abrissbagger zu der Hausruine gelangen, unter der die Vermissten vermutet werden, sagte Feuerwehrsprecher Stephan Raphael. "Wenn die Abbrucharbeiten an der Hausnummer 230 abgeschlossen sind, kann mit der Suchaktion begonnen werden."

Vorbau der Schule sackt weiter ab

Am gegenüberliegenden Friedrich-Wilhelm-Gymnasium hat die Feuerwehr in der Nacht außerdem erneut Gebäudebewegungen registriert. Der Vorbau der Schule war um weitere zwei Zentimeter abgesackt, berichtete Feuerwehrsprecher Daniel Leupold. Zudem behinderte der starke Regen und das steigende Grundwasser die Arbeiten der Rettungskräfte.

"Gebäude leisten massiven Widerstand"

Zunächst müssten einsturzgefährdete Teile des daran angrenzenden Gebäudes mit der Nummer 232 abgetragen werden. "Wir müssen mit äußerster Vorsicht und Sorgfalt arbeiten", sagte Raphael. Die Sicherheit der Arbeiter und Rettungskräfte müsse gewährleistet sein. Der Abriss der Ruinen geht nach Angaben der Feuerwehr langsamer voran als geplant. "Die Gebäude leisten doch massiven Widerstand gegen das Einreißen", so der Feuerwehrsprecher.


Wenig Überlebenschancen für Vermisste

Nach Zeitungsberichten werden ein 23-jähriger Designstudent und ein 17-jähriger Bäckerei-Azubi vermisst. Sie hielten sich vermutlich in den Dachgeschosswohnungen eines der zusammen mit dem Archivgebäude eingestürzten Nachbarhäuser auf. Die Chance, dass sie lebend geborgen werden, gilt als äußerst gering. Bereits kurz nach dem Unglück hatte die Polizei Signale vom Handy eines der beiden Vermissten geortet. Allerdings sei die Ortung nur bis auf rund 200 Meter genau.

U-Bahn soll fertiggestellt werden

Das Archivgebäude war am Dienstag eingestürzt und in einem 28 Meter tiefen Schacht der U-Bahn-Baustelle versunken, vermutlich aufgrund von Arbeiten zum Ausbau der U-Bahn. Dabei hatte es die Nachbarhäuser mit sich gerissen. Nach einem vorübergehenden Baustopp zur Prüfung möglicher Gefahrenquellen soll die U-Bahn aber fertig gebaut werden. Der wesentliche Teil der Arbeit sei ja bereits getan, sagte Oberbürgermeister Fritz Schramma von der CDU.


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