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Ostsee: Grünes Licht für Fehmarnbelt-Brücke nach Deutschland

Fehmarnbelt-Brücke  

Grünes Licht für Mega-Brücke nach Deutschland

23.04.2009, 13:46 Uhr | Von Thomas Borchert, dpa

Entwurf der geplanten Brücke zwischen der schleswig-holsteinischen Ostseeinsel Fehmarn und der dänischen Insel Lolland (Foto: dpa)Entwurf der geplanten Brücke zwischen der schleswig-holsteinischen Ostseeinsel Fehmarn und der dänischen Insel Lolland (Foto: dpa)

Finanzkrise, ängstlich gewordene Kreditgeber und steigende Arbeitslosigkeit haben die Lust der Dänen auf eine feste Ostseeverbindung mit Deutschland nur noch größer gemacht. Mit der haushohen Mehrheit von 104 gegen drei Stimmen stimmte das Folketing, das dänische Parlament, am Donnerstag dem Bau einer 19 Kilometer langen Brücke zwischen dem dänischen Rødby auf der Insel Lolland und Puttgarden auf der schleswig-holsteinischen Insel Fehmarn zu. Jetzt fehlt noch das parlamentarische Ja aus Berlin, dann kann es losgehen.

Foto-Serie Die Brücke nach Fehmarn
Grafik Die neue Fehmarnbelt-Brücke

2018 fertig

Ab 2018 sollen Autos und Züge über die Fehmarnbelt-Brücke rollen. Die Fahrzeit zwischen Kopenhagen und Hamburg verkürzt sich damit von vier auf drei Stunden. Die Einweihung der Brücke wird 2018 angepeilt.
Der Fehmarnbelt Meerenge zwischen Fehmarn und Lolland

Dänemark zahlt den Brückenbau alleine

Bei der Debatte über das gigantische Projekt in Dänemarks Parlament störte sich nur die kleine linke Einheitsliste daran, dass ihr kleines Land die sehr hohen Baukosten von mindestens 4,4 Milliarden Euro für die Brücke allein übernimmt. Kopenhagen hatte die jahrelang höchst zögerliche Bundesregierung mit dem Versprechen zur Unterschrift gelockt, für den Brückenbau selbst nichts, sondern nur für die Anbindung auf deutscher Seite zahlen zu müssen.

"Das ist ein historischer Schritt"

"Unser Interesse ist nun mal deutlich größer", begründete dies Verkehrsministerin Carina Christensen, als sie am 1. September mit ihrem Berliner Kollegen Wolfgang Tiefensee (SPD) den für Deutschland so preisgünstigen Staatsvertrag in Kopenhagen unterzeichnete.

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Bahnstrecken und Straßen werden ausgebaut

Bis zu den Sommerferien ist die Ratifizierung des Staatsvertrages im Bundestag sowie im Bundesrat in Berlin vorgesehen, die Mehrheit gilt als sicher. Die Kosten, die Deutschland für die eigene Hinterlandanbindung zu tragen hat, werden auf knapp unter einer Milliarde Euro geschätzt. Die dänischen Infrastrukturkosten an Land sollen etwa 1,2 Milliarden Euro betragen. Beide Länder wollen die Bahnstrecken ausbauen. Auf deutscher Seite wird außerdem die derzeit noch zweispurige Bundesstraße zwischen Heiligenhafen und Puttgarden auf vier Spuren erweitert.

"Das ist ein historischer Schritt"

Inzwischen ist Christensen ins Kulturressort gewechselt, und so griff vor der Parlamentsabstimmung der jetzige Verkehrsminister Lars Barfoed zu den unvermeidlichen großen Worten: "Dies ist ein historischer Schritt, denn wir binden nun den Norden und Dänemark an das europäische Festland an."

Drittes Mammut-Projekt

Das gab Spott im Parlament, denn Barfoed hatte daneben gegriffen. Dänemark ist schon seit der Fertigstellung der Querung über den Großen Belt 1998 und Skandinavien insgesamt seit Eröffnung der Öresund-Verbindung im Jahr 2000 fest mit dem Kontinent verbunden. Genau diese ähnlich gigantischen Bauwerke haben dem inselreichen Dänemark aber auch die nötige Zuversicht für ein drittes Mammut-Projekt verschafft.

Mehr Zuspruch als erwartet

Das Verkehrsaufkommen mit entsprechenden Mauteinnahmen hat sich über die bestehenden Riesen-Brücken viel schneller nach oben entwickelt als erwartet. So werden die Kredite für die Verbindung über den Großen Belt schon nach 26 statt nach ursprünglich erwarteten 37 Jahren abbezahlt sein. Bei der Öresund-Querung zwischen Kopenhagen und Malmö verkürzt sich die Rückzahlungszeit nach derzeitigem Stand von 35 auf 30 Jahre.

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Umweltschützer sorgen sich um Vögel

Wesentlich weniger Gehör als bei den vorausgegangenen Projekten haben bisher die Proteste von Umweltschützern gegen die Fehmarnbelt-Verbindung gefunden. Sie befürchten durch die gewaltige Betonkonstruktion mit 280 Meter hohen Pfeilern in der Mitte größte Probleme für hier jedes Jahr entlang fliegende Kolonien mit 100 Millionen Vögeln.

Baugesellschaft will "schonend bauen"

Die dänische Baugesellschaft Femern Bælt A/S will bis zum 2012 geplanten Baubeginn sorgsam alle Umweltbedenken sammeln. "Natürlich hat so ein Riesenbauwerk Auswirkungen auf die Umwelt. Aber wir haben am Großen Belt und Öresund viele wichtige Erfahrungen gesammelt und sind sehr zuversichtlich, dass wir sehr schonend bauen können", sagt Geschäftsführer Peter Lundhus. Die Einweihung der Brücke wird 2018 angepeilt.

Jobs für Handwerker

Zuversichtlich sieht auch Dänemarks Bauindustrie dem Projekt entgegen. Am Abend vor der Kopenhagener Parlamentsentscheidung verbreitete ein Sprecher der Handwerkerverbände damit schon Trost angesichts derzeit rapide steigender Arbeitslosenzahlen: Spätestens 2012 werde es wegen des Fehmarnbelt-Projektes wieder akuten Bau-Handwerkermangel im Königreich Dänemark geben.


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