Sie sind hier: Home > Panorama >

Holocaust-Leugner Williamson kommt im April vor Gericht

Piusbruder leugnete Holocaust  

Williamson kommt im April vor Gericht

12.02.2010, 20:13 Uhr | dpa, AFP, dapd

Piusbruder Richard Williamson wird im April der Prozess gemacht (Foto: dpa)Piusbruder Richard Williamson wird im April der Prozess gemacht (Foto: dpa) Mitte April beginnt in Regensburg der Prozess gegen den umstrittenen Bischof der katholischen Piusbruderschaft, Richard Williamson. Ihm wird vorgeworfen, den Holocaust geleugnet zu haben. Zu dem Prozess am 16. April sei das persönliche Erscheinen des 69-jährigen Briten angeordnet, sagte ein Sprecher des Regensburger Amtsgerichts.

Die Ladung sei bereits an den Wohnsitz des 69-Jährigen in London versandt worden, sagte ein Gerichtssprecher. Trotz der Anordnung des Gerichts sei es aber nicht zwingend, dass Williamson auch tatsächlich komme. Da es sich um einen Prozess über einen Strafbefehl handle, könne er sich auch durch seinen Verteidiger vertreten lassen.

"Unfassbare Provokation" Papst rehabilitiert Traditionalisten
Bericht über Piusbrüder Antisemitismus an der Tagesordnung
Stichwort Die Priesterbruderschaft St. Pius X.

Williamson streitet Tod in Gaskammern ab

Der Brite hatte in einem Interview des schwedischen Fernsehens, das in einem Priesterseminar der erzkonservativen Pius-Bruderschaft bei Regensburg aufgezeichnet worden war, den Holocaust geleugnet. Er denke, dass "200.000 bis 300.000 Juden in den Konzentrationslagern gestorben seien", aber "nicht ein einziger von ihnen in Gaskammern", so Williamson. Wegen dieser Aussagen hatte das Regensburger Amtsgericht einen Strafbefehl wegen Volksverhetzung in Höhe von 12.000 Euro gegen Williamson verhängt. Weil dieser Einspruch gegen den Strafbefehl einlegte, kommt es zur Hauptverhandlung.

Williamson meldet sich zurück

Vor wenigen Tagen meldete sich Williamson nach längerem Schweigen wieder zu Wort. In einem im Internet veröffentlichten Video-Interview mit einem Kandidaten einer israelfeindlichen Partei aus Frankreich, erläuterte der Bischof, dass er in Deutschland wegen "Volksverhetzung" verfolgt werde. Er habe "die sechs Millionen vergasten Juden in Frage gestellt". Da dies in Deutschland ein Verbrechen sei, greife ihn dort jetzt die Justiz an.

Rechtmäßigkeit Israels in Frage gestellt

In dem auf der Website "dailymotion" veröffentlichten Video zog Williamson erneut die Rechtmäßigkeit der Gründung Israels in Zweifel. "Jedermann glaubt, dass dieser Staat legitim ist", sagte der Brite auf Französisch. "Aber das führt nicht notwendigerweise dazu, dass er es ist." In früheren Äußerungen hatte er behauptet, der Holocaust sei "von den Juden erfunden" worden, "damit ihr neuer Staat Israel akzeptiert wird".

Ultrakonservative Vereinigung

Die Piusbruderschaft mit ihren heute 400 Priestern war 1970 vom traditionalistischen französischen Erzbischof Marcel Lefebvre gegründet worden und steht für einen Katholizismus, der die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils als "neo-protestantisch" ablehnt und etwa die Gottesdienste wie vor dem Konzil ausschließlich auf Latein feiert.

Rückschlag für den Papst

Williamsons Aussagen hatten Papst Benedikt XVI. und den Vatikan in eine tiefe Krise gestürzt. Nahezu zeitgleich mit der Ausstrahlung des Monate vorher aufgezeichneten Interviews im Januar hatte der Papst die seit Jahren bestehende Exkommunikation Williamsons und dreier weiterer Pius-Bischöfe aufgehoben.

"Danke, Heiliger Vater, danke"

Der Chef der deutschen Abteilung der Piusbruderschaft, Franz Schmidberger, äußerte derweil vorsichtige Selbstkritik. Genau ein Jahr nach der Rehabilitierung Williamsons durch den Papst sagte Schmidberger in einer im Internet veröffentlichten Videobotschaft, die Bruderschaft habe ihre Fehler, Schwächen und Mängel. Zugleich lobte er Papst Benedikt XVI. für die Entscheidung, die Exkommunizierung Williamsons zurückzunehmen. "Dieser Schritt zeugt von großem apostolischem Mut." Er sei richtungsweisend. "Danke, Heiliger Vater, danke", betonte Schmidberger. Die Bruderschaft spreche mit dem Heiligen Stuhl in einer sehr guten Atmosphäre und könne ihre Bedenken gegen das Zweite Vatikanische Konzil vortragen. "So und nur so können die Gespräche zum Erfolg führen." Die Empörung über die Rehabilitierung Williamsons führte im vergangenen Jahr dazu, dass der Papst einen Brief an die Bischöfe schrieb, in dem er Fehler eingestand.

Knobloch kritisiert erneut Vatikan

Der Zentralrat der Juden in Deutschland kritisierte am Dienstag den Vatikan erneut wegen seines Umgangs mit den Piusbrüdern. Williamson habe seine Holocaust-Leugnung nicht zurückgenommen, und die Bruderschaft insgesamt sei nicht von ihrer antisemitischen Haltung abgerückt, sagte die Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch dem Online-Portal der "Mittelbayerischen Zeitung". Warum Rom alle Provokationen durchgehen lasse und die Traditionalisten hofiere, sei nicht nachvollziehbar, meinte Knobloch.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Mäntel-Highlights und schöne Jacken shoppen
bei MADELEINE
myToysbonprix.deOTTOhappy-size.detchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR;

shopping-portal