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Göttingen: Drei Tote bei Bombenentschärfung

Drei Tote bei Bombenexplosion in Göttingen

18.06.2010, 11:46 Uhr | dpa, AFP, APN, dpa, AFP, dapd

Göttingen: Drei Tote bei Bombenentschärfung. Bombenexplosion in Göttingen: Polizisten untersuchen den Unglücksort. (Fotos: dpa)

Bombenexplosion in Göttingen: Polizisten untersuchen den Unglücksort. (Fotos: dpa)

Bei der Explosion einer Fliegerbombe sind in Göttingen am Dienstagabend drei Kampfmittelspezialisten ums Leben gekommen. Es habe zudem zwei Schwerverletzte und vier Leichtverletzte gegeben, sagte der Sprecher der Stadt Göttingen, Detlef Johannson. Sie seien mittlerweile aber außer Lebensgefahr. Die Staatsanwaltschaft hat nun Ermittlungen aufgenommen.

Der Blindgänger detonierte etwa eine Stunde vor einer geplanten Entschärfung gegen 21.30 Uhr aus bislang unbekannter Ursache auf einer Baustelle am Rande des Göttinger Schützenplatzes. Zu diesem Zeitpunkt hatte keiner der Männer direkt an der Zehn-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gearbeitet. Zeugen berichteten, dass der Knall im Umkreis von mehreren Kilometern zu hören war.

Sehr erfahrene Bombenspezialisten

Die ums Leben gekommenen Bombenspezialisten im Alter von 55, 52 und 38 Jahren galten als sehr erfahren. Sie wollten mit der Arbeit an der Bombe erst nach Einrichtung eines Sperrbezirks mit einem Radius von tausend Metern und nach Passieren der letzten ICE-Züge auf einer benachbarten Bahntrasse gegen 22.30 Uhr beginnen.

7000 Menschen mussten Häuser verlassen

Das Gebiet rund um den Explosionsort wurde nach der überraschenden Detonation großräumig abgesperrt. Erst nach Mitternacht durften die rund 7000 Menschen, die ihre Häuser wegen der Entschärfung verlassen mussten, in ihre Wohnungen zurückkehren.

Bombe mit Säurezünder

Die Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes hatten am Abend mit der routinemäßigen Vorbereitung der Entschärfung begonnen. Die mit einem Säurezünder ausgerüstete Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg war auf dem Göttinger Schützenplatz in sieben Metern Tiefe entdeckt worden und galt als hochgefährlich.

Roboter sollte Bombe entschärfen

"Es sah alles nach einer Routine-Entschärfung aus", erklärte Stadtsprecher Johannson. Der Blindgänger sollte mit einem neuartigen ferngesteuerten Roboter entschärft werden. Er war vor wenigen Tagen beim Fund einer weiteren Bombe in unmittelbarer Nähe zum ersten Mal in Göttingen im Einsatz. Der Roboter war mit einem Wasserschneidegerät ausgerüstet, das seit Jahresbeginn mehrfach erfolgreich erprobt wurde.

Polizei richtet Sonderkommission ein

Um die Ursache für die Explosion zu finden, setzte die Polizei eine 24-köpfige Sonderkommission ein. Gerüchte, eine Gasleitung sei explodiert, bestätigte Stadtsprecher Johannson nicht. In einiger Entfernung zum Bombenfundort verlaufe zwar eine größere Gasleitung. Nach Angaben der Stadtwerke habe es aber keinen Druckabfall gegeben, so dass eine Gasexplosion auszuschließen sei.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Die Staatsanwaltschaft Göttingen leitete nach der Explosion ein Vorermittlungsverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ein. Das sagte Sprecher Andreas Buick. Es werde überprüft, ob dem Kolonnenführer des Kampfmittelbeseitigungsdienstes ein strafbares Verhalten vorzuwerfen sei. Dabei untersuche man vor allem, ob bei der Vorbereitung der Entschärfung der Bombe die Sicherheitsvorschriften eingehalten worden seien.

Ähnlicher Unfall vor sechs Jahren in Bayern

Nach Angaben des Innenministeriums in Hannover hatte es zuvor in Niedersachsen seit Jahrzehnten bei Bombenentschärfungen keine tödlichen Unfälle mehr gegeben. Allerdings habe sich vor sechs Jahren in Bayern ein ähnlicher Unfall mit einem Toten ereignet, sagte Ministeriumssprecher Klaus Engemann.

"Göttingen steht unter Schock"

Der Göttinger Stadtrat Hans-Peter Suermann sagte vor Journalisten: "Göttingen steht unter Schock." Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) sagte bei der gemeinsamen Pressekonferenz: "Wir trauern in tiefem Mitgefühl mit den Angehörigen der drei Männer." Nach seinen Worten werden die Angehörigen der Todesopfer psychologisch betreut.

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