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Zeppelin-Unglück beim Hessentag: Pilot warnte Passagiere

Pilot opferte sich und vollbrachte "wahre Heldentat"

13.06.2011, 16:51 Uhr | dpa, dapd

Zeppelin-Unglück beim Hessentag: Pilot warnte Passagiere. Flugdrama beim Hessentag: Der Zeppelin brennt nach dem Unglück komplett aus (Fotos: dpa)

Der Zeppelin brennt nach dem Unglück komplett aus (Fotos: dpa)

Tragisches Unglück beim Hessentag: Ein mit vier Personen besetztes Luftschiff ist am Abend des Pfingstsonntags beim Landeanflug im hessischen Wetteraukreis in Flammen aufgegangen. Die drei Passagiere konnten sich noch rechtzeitig retten, weil der Pilot sie aufforderte, aus der Kabine zu springen. Er selbst verbrannte in dem Luftschiff. "Er hat sich geopfert", sagte der Technik-Experte der Zeppelin-Reederei in Friedrichshafen, Hans-Paul Ströhle.

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An Bord waren drei Journalisten, die Luftaufnahmen von dem großen Volksfest in Oberursel im Taunus machten. Der Zeppelin war am Samstagabend um 18 Uhr in Reichelsheim gestartet und gegen 20.15 Uhr zu dem dortigen Flugplatz zurückgekehrt. Dabei kam es zu dem Unglück.

Passagiere sprangen aus zwei Metern Höhe ab

Laut Ermittlungsstand von Sonntagnacht zerschellte aus noch ungeklärten Gründen das kleine, einachsige Fahrwerk unter der Gondel beim Aufsetzen auf die Rollbahn. Offenbar kam es danach zu dem Brand. Über den dramatischen Verlauf berichtete der Bad Homburger Pressefotograf Joachim Storch. Er war mit an Bord des Luftschiffs und konnte sich wie seine beiden Journalistenkollegen von RTL, ein Mann und eine Frau, in letzter Sekunde aus dem Zeppelin retten. So habe der Pilot ihnen zugerufen: "We had an accident!" ("Wir hatten einen Unfall!") und dann noch: "I crashed the airship!" (In etwa: "Das Flugzeug stürzt ab!") Kurz nachdem der Pilot seine Passagiere gewarnt hatte, verspürten sie schlagartig eine Hitzewelle vom hinteren Ende der Gondel her, wo die Motoren sitzen. Durch ein Fenster und eine Tür sprangen sie aus rund zwei Metern Höhe auf den Boden. Sie konnten sich so in letzter Sekunde aus der Gondel retten und blieben unverletzt. "Ich habe mich rausgeschmissen und bin auf den Rasen gerollt", sagt Joachim Storch.

Pilot verbrannte während Absturz

Das lodernde Luftschiff habe dann mit dem Piloten langsam an Höhe gewonnen. "Wie in Zeitlupe" sei das brennende Schiff gestiegen, beschreibt der Fotograf seine Erlebnisse: "Ich dachte, der Pilot kommt auch gleich raus". Aber der kommt nicht raus aus dem Feuerball. In der Luft beginnt die kleine Kapsel unter dem großen Heliumsack immer stärker zu brennen. Mit einer dunklen Rauchfahne sei das brennende Wrack dann etwa 300 Meter weiter auf ein Feld gestürzt. Der Pilot "konnte das Luftschiff nach unserem ersten Bodenkontakt nicht unten halten", sagte Fotograf Storch. "Mike war ein routinierter Pilot", sagte er weiter. "Er ist unseren Hinweisen immer minutiös und mühelos gefolgt."

Vom Boden aus können die Passagiere dem Unglück nur fassungslos folgen. "Zwischendrin hat der fürchterlich geschrien", sagt Storch über den Kapitän, der vergeblich um sein Leben kämpfte. Für den Australier, den Kollegen als sehr erfahren bezeichnen, kommt jede Hilfe zu spät. "Auf dem Feld brannte es komplett aus", sagte ein Sprecher der Polizei. Die verkohlte Leiche des Piloten wird noch in der Nacht identifiziert.

"Einer der erfahrensten Piloten auf der Welt"

Eine "wahre Heldentat", nennt der Technik-Experte der Zeppelin-Reederei in Friedrichshafen, Hans-Paul Ströhle, die Aktion. "Er wusste genau, dass das brennende Schiff wieder hochsteigt, wenn die Passagiere aussteigen." Das wäre auch schon passiert, wenn nur eine Person ausgestiegen wäre. "Mit den Motoren kann man das nicht ausgleichen", sagte Ströhle. Üblicherweise werden Luftschiffe mit Seilen gesichert, bevor die Insassen aussteigen können.

Der Australier habe ihn selbst zum Luftschiffpiloten ausgebildet und sei einer der erfahrensten Piloten überhaupt auf der Welt gewesen. Er habe die absolut richtige Entscheidung getroffen, als er die Passagiere zum Verlassen der Kabine aufforderte. Der Pilot habe noch minutenlang geschrien, berichtete eine Passagier, der das Drama nach dem Ausstieg vom Boden aus mit anschauen musste. Er verbrannte in rund 40 Metern Höhe.

Ursache des Feuers noch unklar

Experten des Bundesamts für Flugunfalluntersuchungen in Braunschweig fahnden noch nach der Unglücksursache. Ihre Untersuchungen werden noch mindestens ein, zwei Tage dauern, sagte ein Polizeisprecher. Das Wrack des Zeppelins konnte daher zunächst auch noch nicht geborgen werden.

Der Pilot steuerte ein mit zwei 80-PS-Motoren ausgerüstetes Prallluftschiff vom Typ Lightship A60, auch Blimp genannt. Es wird umgangssprachlich auch als Zeppelin bezeichnet, obwohl es anders als dieses wie ein Ballon ohne inneres Gerüst auskommt. Die Hülle steht unter Druck von nicht brennbarem Heliumgas.

Nach dem Absturz des Luftschiffes stoppte der Reifenhersteller Goodyear seine Reklameflüge bis auf Weiteres. Das zweite, baugleiche Fahrzeug werde vorerst nicht mehr eingesetzt, erklärte das Unternehmen. Die Luftschiffe seien von einer Firma angemietet worden. Die Goodyear-Veranstaltungen auf dem Hessentag in Oberursel wurden abgesagt.

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