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Drei junge Frauen vergiften sich gemeinsam in Niedersachsen

Drei junge Frauen vergiften sich gemeinsam in Niedersachsen

16.08.2011, 16:35 Uhr | fst, dapd, dpa

Drei Teenager haben sich in der Nähe von Cloppenburg in Niedersachsen gemeinsam das Leben genommen. Die 16- bis 19-jährigen Mädchen seien vermutlich an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung gestorben, teilte die Polizei mit.

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Die Leichen wurden am Montagabend in einem Zelt in einem Waldstück in Holdorf im Landkreis Vechta gefunden. In dem Iglu-Zelt hätten drei Einweggrills gebrannt, sagte eine Polizeisprecherin. Das Zelt sei mit einer Plane und Isolierband abgedichtet gewesen. Es gebe keine Zweifel daran, dass die Mädchen den Freitod gewählt hätten.

Mädchen wollten nicht gefunden werden

Die Jugendlichen hatten nach Angaben der Polizei Vorkehrungen getroffen, um nicht gefunden zu werden. Sie suchten sich im Wald eine entlegene Stelle etwa 500 Meter von der nächsten Straße entfernt. Ihr Zelt deckten sie mit einer grünen Plane ab. Eine Polizeisprecherin betonte, dass Waldstück sei nicht einsehbar gewesen.

Ein Auto oder Fahrräder wurden nicht gefunden. Die Polizei geht davon aus, dass die jungen Frauen zumindest den letzten Weg zu Fuß zurücklegten. "Ein Hubschrauber hätte das Zelt von oben nie sehen können können", berichteten die sichtlich bewegten Ermittler bei der Pressekonferenz. "Sie können sich sicherlich vorstellen, dass wir nicht nur als Polizeibeamte, sondern insbesondere in unserer Eigenschaft als Eltern mehr als betroffen sind", sagte der Leiter der Cloppenburger Polizei, Gunter Schell.

Bei den Opfern handelt es sich laut Polizei um eine 16-Jährige aus dem Emsland, eine 18-Jährige aus dem bayerischen Immenstadt und eine 19-Jährige aus Jena. Die Suche der Polizei lief bereits seit Samstagabend. Beamte aus Thüringen hatten ihre niedersächsischen Kollegen um Hilfe gebeten, weil die 19-Jährige als vermisst galt. Sie war in einer psychiatrischen Einrichtung betreut worden und von dort geflüchtet. Eine Handyortung führte die Ermittler nach Niedersachsen.

(Grafik: Stepmap)(Grafik: Stepmap) Abschiedsbriefe hinterlassen

Alle drei Mädchen haben nach Polizeiangaben Abschiedsbriefe hinterlassen. Zwei wurden in der Nähe des Zelts gefunden, einer in der Wohnung der 19-Jährigen. Computer und Handys der jungen Frauen seien beschlagnahmt worden. Von der Auswertung der Geräte erhoffen sich die Ermittler Erkenntnisse darüber, wie sich die Frauen kennengelernt und den Selbstmord geplant haben. Die Leichen sollen am Mittwoch obduziert werden.

Woher und wie lange die Frauen sich kannten, muss noch herausgefunden werden. Auch der Ort ihres Freitods stellt die Ermittler bislang vor ein Rätsel. Die 19-Jährige aus Jena befand sich in einer Ausbildung, die 16-Jährige aus dem Emsland war mit der Schule fertig. Über die Jugendliche aus Bayern war zunächst nichts bekannt.

Für die Eltern der Toten ist der Schritt der drei Mädchen offenbar nicht völlig unerwartet gekommen. Die Frage, ob die Eltern über die Todesnachricht überrascht gewesen seien, verneinte die Polizeisprecherin. Die Namen der jeweils anderen Mädchen seien den Eltern aber nicht bekannt gewesen.

Kollektiver Selbstmord ist nach Ansicht eines Experten aber kein neuartiges Phänomen des Internet-Zeitalters. "Das hat es schon immer gegeben", sagte der Professor für Rechtspsychologie, Dietmar Heubrock. Über das Internet sei es leichter geworden, sich zu vernetzen.

"Dramatisch und ungewöhnlich für Mädchen"

Gerd Storchmann vom Berliner Verein "Neuhland", der Jugendliche mit Selbstmordgedanken betreut, betonte: "Dieser Fall ist dramatisch und sehr ungewöhnlich für Mädchen." Verabredungen zum Suizid seien bei Teenagern sehr gefährlich. Denn die Jugendlichen fühlten eine Art loyale Verpflichtung, ihren Plan auch auszuführen.

2009 haben sich 587 junge Menschen unter 26 Jahren das Leben genommen - darunter 456 Jungen und 131 Mädchen. Die Zahlen sind im Vergleich zu den Vorjahren relativ konstant. Insgesamt wurden in Deutschland 2009 beim Statistischen Bundesamt 9616 Suizide registriert. Aktuellere Zahlen gibt es noch nicht.

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