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Erst Glatteis, jetzt Hochwassergefahr

Erst Glatteis, jetzt Hochwassergefahr

06.01.2011, 20:15 Uhr

Glatteis hat heute in weiten Teilen Deutschlands zu viele Unfällen geführt (Foto: ddp) Glatteis hat heute in weiten Teilen Deutschlands zu viele Unfällen geführt (Foto: ddp) Eisregen hat in weiten Teilen Deutschlands für spiegelglatte Straßen gesorgt und zu zahlreichen Unfällen geführt. Auf dem noch kalten Boden gefror der Regen sofort und bildete eine gefährliche Eisschicht. Im Osten blieben Autofahrer in meterhohen Schneeverwehungen stecken. Am Flughafen Berlin-Tegel wurde der Flugverkehr zwischenzeitlich eingestellt. Derweil steigen wegen des Tauwetters die Pegel vieler Flüsse. Die Hochwassergefahr nimmt zu. In ganz Deutschland soll es ab Freitag Plustemperaturen geben.

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Das Regengebiet hat sich im Laufe des Tages immer weiter in den Osten voran geschoben: Im äußersten Osten bleibt es noch bis Freitag glatt, da die Temperaturen hier nur sehr langsam steigen.

In weiten Teilen von Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, dem Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg dagegen kletterte das Quecksilber am Vormittag schnell in den Plusbereich, mit Eisglätte ist dort nicht mehr zu rechnen.

Ausnahmezustand in Berlin

Auf dem Flughafen Berlin-Tegel waren am Donnerstag zwischenzeitlich aufgrund von Glatteis weder Starts noch Landungen möglich, sagte ein Flughafensprecher. Auf den Start- und Landebahnen wurde ein Enteisungsmittel gestreut. Der Flugverkehr konnte daraufhin wieder aufgenommen werden. Auch in Nürnberg wurde der Flugverkehr nach Eisregen für mehrere Stunden eingestellt.

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Die Feuerwehr in Berlin rief am Donnerstag Morgen den Ausnahmezustand aus. 20 zusätzliche Fahrzeuge waren im gesamten Stadtgebiet im Einsatz, die vor allem damit beschäftigt sind, gestürzte und verletzte Fußgänger ins Krankenhaus zu bringen, sagte ein Sprecher. Die Polizei meldete allein zwischen 8 und 9 Uhr 57 Verkehrsunfälle und zwischen 0 und 12 Uhr 182 Glatteis-Opfer. Am Nachmittag hat sich die Verkehrslage beruhigt, der Ausnahmezustand wurde beendet.

Auch in vielen weiteren Teilen Deutschlands kam es in der Nacht auf Donnerstag zu mehreren Glätteunfällen. So krachte es in Südhessen, dem Rhein-Main-Gebiet und im Rheingau dutzende Male. Auf der A5 bei Darmstadt wurde eine Person leicht verletzt, als ihr Auto von der Straße abkam. Bei Viernheim kippte ein Gefahrenguttransporter um, als er auf die A67 auffahren wollte.

30 Verletzte bei Busunfall

Auf der A8 zwischen München und Stuttgart stieß ein Reisebus mit einem Lastwagen zusammen. Der Bus kippte um, 30 Menschen wurden dabei verletzt, vier von ihnen schwer. Der wohl aus dem Kosovo kommende Omnibus geriet zuvor in Fahrtrichtung Stuttgart ins Schleudern und stellte sich quer. Daraufhin krachte ein Sattelschlepper in das Fahrzeug. Unmittelbar zuvor hatte es an der gleichen Stelle bereits einen Glatteisunfall mit Lastwagen gegeben. Die A8 blieb zunächst in beiden Richtungen gesperrt.

In Hamburg und Schleswig-Holstein waren vielerorts bis zu zwei Zentimeter Eis auf den Straßen, sagte die Polizei. Allein in Hamburg gab es bis zum Mittag 130 Verkehrsunfälle. Die Autobahn 24 zwischen Hamburg und Berlin musste in Mecklenburg-Vorpommern am Vormittag gleich an zwei Stellen wegen Glatteis und einem schweren Unfall gesperrt werden. Das Innenministerium in Sachsen-Anhalt rief dazu auf, nicht aus dem Haus zu gehen, wenn es nicht unbedingt nötig ist. Denn auch die Gehwege sind spiegelglatt. Vor allem auf den Autobahnen 38 und 2 gab es Unfälle. Die A38 wurde zwischen Allstedt und Lutherstadt Eisleben deshalb gesperrt.

Probleme bei Bus und Bahn

Auch im Bus- und Bahnverkehr gab es verbreitet erhebliche Behinderungen. So fuhren im Odenwald und in Kassel zeitweise keine Busse mehr. In Gießen setzte die Polizei fast alle Streifenfahrten aus. Es sei zu gefährlich, hieß es. Auch in den Landkreisen Bad Kreuznach, Birkenfeld, Rheingau-Taunus und Alzey-Worms sowie in Ingelheim wurde der Verkehr vorübergehend eingestellt.

In weiten Teilen Niedersachsens, Bremens, Thüringens und Bayerns kamen zum Eisregen noch Schneeverwehungen hinzu, etliche Nebenstraßen waren kaum mehr passierbar. Das Autobahndreieck Bad Harzburg musste vorübergehend gesperrt werden. Laut der Deutschen Bahn war ein Teil der Strecke zwischen Gräfenroda und Gotha wegen Schneeverwehungen nicht befahrbar. Die Schulen in Niedersachen blieben laut einem Polizeisprecher geschlossen. Auf der Autobahn 70 und der Bundesstraße 2 in Bayern blieben einige Autofahrer in Schneewehen stecken und mussten von der Feuerwehr herausgezogen werden, bevor der Winterdienst räumen konnte.

Hochwasserpegel steigen gefährlich an

Im Westen wächst die Gefahr von Hochwasser. "Das Regen- und Schmelzwasser kann nicht mehr ablaufen, weil Gullys zum Teil mit Schnee verstopft sind", sagte Meteorologe Sävert. In Sachsen-Anhalt steigen wegen des Tauwetters und des Regens bereits die Pegelstände. An der Schwarzen Elster im Landkreis Wittenberg wurde am Pegel Löben die zweite von vier Alarmstufen ausgerufen.

Auch die Menschen an den Flüssen in Rheinland-Pfalz bereiten sich auf Hochwasser vor. An der Mosel wird voraussichtlich am Freitagmorgen in Trier die Meldemarke von sechs Metern erreicht, sagte der Leiter des Hochwassermeldezentrums Mosel, Horst Kugel. Mit Regen und der Schneeschmelze werde das Hochwasser im Laufe des Freitags rasch auf acht Meter steigen und am Wochenende neun bis zehn Meter erreichen. "Den Höchststand des Hochwassers von Weihnachten mit 8,41 Metern werden wir auf jeden Fall übersteigen", sagte er. Auch in Koblenz erwartet man das größte Hochwasser seit zehn Jahren. Das Amt für Brand- und Katastrophenschutz teilte mit, am Rhein-Pegel Koblenz werde mit einem Wasserstand von acht Metern gerechnet. "Das war zuletzt 2001 der Fall", sagte ein Sprecher. Nach Prognosen soll der Höchststand des Rheins Anfang kommender Woche erreicht werden.

Regen und milde Temperaturen

Am Freitag soll es bei einer Schneefallgrenze von über 1000 Metern vor allem in der Südhälfte, später auch im Westen neue Regenfälle geben. Glatteisgefahr besteht in der Nacht auf Freitag nur noch im äußersten Osten.

"In ganz Deutschland wird es ab Freitag Plustemperaturen geben", sagt Andreas Wagner von der Meteomedia Unwetterzentrale gegenüber wetter.info. Dabei werde das Thermometer auf bis zu 10 Grad hoch gehen, so Wagner weiter.

Mildes Wetter für Deutschland kündigt sich auch am Samstag an. Am Sonntag wird es in der Nordhälfte trocken bleiben, während es im Süden und der Mitte oft regnen kann. Kalt soll es wieder am Sonntag Abend im Norden des Landes werden. Die Glatteisgefahr nimmt also am Ende des Wochenendes wieder zu.

Mit den Plustemperaturen und der Schneeschmelze wird auch die Hochwassergefahr weiter ansteigen. Wo und wann konkrete Hochwassergefahr bestehe, könne man jetzt noch nicht sagen, so Andreas Wagner. "Im Westen, Südwesten und der Mitte Deutschlands wird es aber höchstwahrscheinlich Hochwasser geben."

Quelle: wetter.info, mmi, hs, dpa, AP

 

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