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Drama vor Lampedusa: Überlebende berichten von Schüssen durch Libyer

Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer  

Überlebende berichten von Schüssen durch Libyer

14.10.2013, 14:11 Uhr | AFP, dpa

Drama vor Lampedusa: Überlebende berichten von Schüssen durch Libyer. Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer (Quelle: AFP)

Organe und Geld gefordert: Libysche Milizionäre sollen Flüchtlinge beschossen haben (Quelle: AFP)

Die Überlebenden des neuerlichen Bootsunglücks im Mittelmeer sind nach eigenen Worten von libyschen Milizionären beschossen worden.

Nach dem Ablegen von der libyschen Küste seien sie stundenlang von libyschen Milizionären in Booten verfolgt worden, die plötzlich geschossen hätten, berichteten Überlebende. Dabei sei ihr Schlauchboot getroffen worden und allmählich voll Wasser gelaufen. 36 Menschen starben.

Milizionäre forderten Nieren und Lebern der Flüchtlinge

Einer der Überlebenden, Mohammed, berichtete, über vier bis fünf Stunden seien Milizionäre aus Libyen ihrem Boot gefolgt. Plötzlich hätten sie das Feuer eröffnet, zwei Flüchtlinge seien verletzt worden.

Die 25-jährige Libanesin Aisha stützte seinen Bericht: "Die Milizionäre haben uns mit ihren Booten über fünf Stunden verfolgt. Dann haben sie auf uns gezielt und unser Geld, unsere Nieren, unsere Lebern gefordert. Als niemand ihnen etwas gab, haben sie auf uns geschossen und zwei von uns verletzt."

Italienische Medien berichteten über einen Streit zwischen Schlepperbanden, die im Geschäft mit Flüchtlingen gegeneinander konkurrierten. Das Boot war am Freitagabend südlich von Malta und der italienischen Lampedusa gekentert. Italienische und maltesische Schiffe retteten mehr als 200 Passagiere. Wie viele Insassen in dem Boot waren, ist noch unklar - die Zahlen schwanken zwischen 270 und 400.

Erst am 3. Oktober waren bei einer Flüchtlingskatastrophe vor Lampedusa mehr 364 Menschen aus Afrika ums Leben gekommen. Nur 155 der geschätzt rund 500 Bootsinsassen konnten gerettet werden. Nach ihren Angaben sollen insgesamt 545 Menschen an Bord gewesen sein.

In der EU wird nun heftig über die europäische Flüchtlingspolitik diskutiert.

Stärkere Überwachung des Mittelmeers

Nach den jüngsten Flüchtlingsdramen vor Lampedusa beginnt Italien die angekündigte stärkere Überwachung im Mittelmeer. Letzte Details der Mission "mare sicuro" (Sicheres Meer) will Regierungschef Enrico Letta am Montag in Rom mit seinen Ministern für Verteidigung, Außen- und Innenpolitik festlegen.

Italiens Marine begann ihren humanitären Einsatz mit einem Patrouillenboot, einer Fregatte und einer Korvette. Letta hatte angekündigt, der Einsatz von Marine und Luftwaffe in der Straße von Sizilien werde verdreifacht. Er informierte seinen maltesischen Amtskollegen Joseph Muscat über Italiens Hilfsmission.

Weitere Flüchtlinge auf Lampedusa eingetroffen

Auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa sind derweil erneut mehr als hundert afrikanische Flüchtlinge eingetroffen. Das nur zwölf Meter lange Boot mit 137 Menschen an Bord sei in der Nacht zum Montag in den Hafen der Insel eingelaufen, berichteten italienische Medien.

Die Flüchtlinge, darunter 22 Frauen, hätten am Hafen auf die Polizei gewartet und seien in das bereits völlig überfüllte Auffanglager gebracht worden. Laut dem Fernsehsender SkyTG24 stammen alle Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Das Boot sei in Libyen losgefahren.

Auch am Sonntag hatten italienische und maltesische Küstenwacheschiffe weiteren in Seenot geratenen Flüchtlingsbooten geholfen. Berichten zufolge wurden 386 Menschen von zwei Schiffen nach Pozzallo auf Sizilien gebracht. Rund hundert weitere Flüchtlinge wurden nach Valletta auf Malta gebracht. Boote der Küstenwache kamen zudem rund 200 Flüchtlingen zur Hilfe, die in der Nacht im italienischen Reggio Calabria an Land gehen sollten.

Flüchtlinge vor der Überfahrt von Libyens Küsten aus zu stoppen, sei unmöglich, sagte der libysche Ministerpräsident Ali Seidan der Zeitung "La Repubblica". Libyen sei lediglich ein Durchgangsland, das Problem könne wohl allein durch eine Politik Europas gelöst werden, die sich auf die Herkunftsländer der vielen Flüchtlinge konzentriere.

Nach Schätzungen des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR sind in diesem Jahr bereits rund 32.000 Flüchtlinge in Italien und Malta eingetroffen. Viele von ihnen stammen aus Eritrea, Somalia und Syrien.

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