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Günther Jauch diskutiert über Sterbehilfe: Wem gehört mein Leben?

Kommentar zur ARD-Sendung  

Wem gehört mein Leben? Jauch nicht

20.01.2014, 11:03 Uhr | Von Bernhard Vetter, t-online.de

Günther Jauch diskutiert über Sterbehilfe: Wem gehört mein Leben?. Günther Jauch und seine Talk-Sendung in der ARD (Quelle: dpa)

Günther Jauch und seine Talk-Sendung in der ARD (Quelle: dpa)

Es hätte eine interessante Sendung werden können, der Jauch-Talk zum Thema Sterbehilfe. Aber: Die Positionen waren unverrückbar, die Argumente rasch ausgetauscht. Nach einer halben Stunde hätte das Ganze ohne Erkenntnisverlust beendet werden können.

Die Mehrheit der Deutschen wünscht sich die Möglichkeit, Hilfe beim Sterben erhalten zu können. Der neue Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will aber genau in die andere Richtung gehen und die Sterbehilfe stärker einschränken. Deshalb diskutierte Günther Jauch am Sonntagabend in der ARD mit seinen Gästen über das Thema "Mein Tod gehört mir! Gibt es ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben?"

Mit angestoßen hat die Debatte über selbstbestimmtes Sterben der ehemalige MDR-Intendant Udo Reiter. Sein Widerpart: Der frühere SPD-Chef und Ex-Bundesminister Franz Müntefering. Beide teilen ein gemeinsames Schicksal, denn ihre Frauen starben an Krebs. Reiter sitzt außerdem seit einem Autounfall mit Anfang 20 im Rollstuhl.

Leben als Pflegefall

Deshalb fordert Reiter, auf eigenen Wunsch aus dem Leben scheiden zu dürfen, wenn er nicht mehr weiterleben möchte. Würdig und schmerzfrei. Sich nicht erhängen oder vor einen Zug werfen zu müssen. Ihn schreckt vor allem die Vorstellung, als Pflegefall zu enden: oben Nahrung mit der Sonde eingeträufelt, unten den Kot mit Handschuhen aus dem Darm gekratzt - so möchte er nicht den Rest seiner Tage verbringen.

Müntefering erklärt stattdessen wortreich, dass man doch weiter an Krankheiten forschen und die Möglichkeiten der Palliativmedizin und der Hospize mehr nutzen müsse. Er und die Pfarrerin Petra Bahr, die ihn argumentativ unterstützt, halten dabei auch noch ein Leben für lebenswert, das viele schaudern lassen dürfte. Egal wie dement oder krank, eine Sterbehilfe soll es nicht geben. Nur Schmerzlinderung und keine unnötigen lebensverlängernden Maßnahmen wollen die beiden den Sterbenden zugestehen.

Druck auf Alte und Kranke?

Die Gegner der Sterbehilfe warnen vor einem Druck auf die Kranken. Sie könnten sich wertlos fühlen und aus "Nützlichkeitserwägungen" (Müntefering) genötigt sehen, um den eigenen Tod bitten zu sollen.

Solche Argumente habe er jedoch noch nie gehört, erzählt der Arzt und Sterbehelfer Uwe-Christian Arnold aus seiner Praxis. Bei ihm müssen die Sterbewilligen in mehreren Gesprächen bei ihrer Absicht bleiben, damit er ihnen schließlich die entsprechenden Medikamente verschreibt und sie entsprechend anleitet, auf Wunsch auch in den Tod begleitet.

Auch Reiter spricht sich dafür aus, dass es ein bestimmtes Verfahren und Beratung geben muss. Den Sterbe-Cocktail dürfe es natürlich nicht im Supermarkt geben. Man solle niemanden zum Tod drängen, aber auch niemanden zum Leben zwingen, sagt er, der direkt nach seinem Unfall Selbstmordgedanken hatte, dann jedoch seinen Lebenswillen wiederfand.

Mehrheit für aktive Sterbehilfe durch Ärzte

In einer repräsentativen Umfrage für die Sendung hatten sich 69 Prozent dafür ausgesprochen, dass Ärzten aktive Sterbehilfe erlaubt werden sollte, "wenn es sich um unheilbar Erkrankte mit eng begrenzter Lebenserwartung handelt". Aktiv bedeutet, der Arzt dürfte dem Patienten beispielsweise eine Giftspritze verabreichen.

Erlaubt ist derzeit nur die passive Sterbehilfe: Der Arzt stellt die Medikamente bereit, der Sterbewillige muss sie aber selbst einnehmen. 18 Prozent beantworteten die Frage mit "Prinzipiell nie", und zehn Prozent wollten die aktive Sterbehilfe nicht an bestimmte Voraussetzungen knüpfen.

Das Ergebnis beeindruckte Sterbehilfe-Gegner Müntefering keineswegs. Er hält die Frage für falsch gestellt und glaubt, dass falsche Vorstellungen in den Köpfen der Menschen existieren. Und Pfarrerin Bahr ist der Ansicht, dass man das Ende seines Lebens genauso wenig in der Hand hat, wie seinen Beginn. Es sei ein Geschenk des Schöpfers.

Damit dürften vor allem Nichtgläubige wenig anfangen können. So bleibt am Ende der Eindruck, dass sich einige ans Leben - auch das anderer - klammern wollen. Und dass die Befürworter eines selbstbestimmten Sterbens keinesfalls Selbstmord-Hallodris sind.

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