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Ebola: Experten befürchten Anstieg der Verdachtsfälle in Deutschland

Ebola-Verdacht in Deutschland  

"Im Dezember wird es losgehen"

09.11.2014, 08:41 Uhr | rtr, dpa

Ebola: Experten befürchten Anstieg der Verdachtsfälle in Deutschland. Kommt Ebola auch zu uns? Dekontaminations-Training in Schleswig-Holstein (Quelle: dpa)

Kommt Ebola auch zu uns? Dekontaminations-Training in Schleswig-Holstein (Quelle: dpa)

Schon in wenigen Wochen könnten nach Einschätzung eines Experten deutlich mehr Ebola-Verdachtsfälle in Deutschland gemeldet werden als bisher. "Im Dezember wird es losgehen, dass sich die Zahl von Ebola-Verdachtsfällen in der Republik häufen wird. Und damit wird unser ganzes Gesundheitssystem ziemlich angespannt werden", sagte der Chefarzt der Missionsärztlichen Klinik in Würzburg, August Stich.

Grund dafür sind Hunderte deutsche Helfer, die nach ihren Einsätzen in Westafrika nun wieder zurückkehren. Jeder mit erhöhter Temperatur oder anderen Symptomen müsse überprüft werden.

Bis zu drei Wochen Inkubationszeit

Die Helfer werden dafür in den 21 Tagen nach ihrer Rückkehr intensiv beobachtet und verbringen die Zeit zum Teil in häuslicher Quarantäne. Maximal 21 Tage kann es dauern, bis Ebola nach einer Ansteckung ausbricht. Anzeichen für die gefährliche Krankheit sind unter anderem Fieber, Erbrechen und Durchfall.

"Und dann stellt sich die Frage: Was machen wir mit jemandem, der in diesen drei Wochen Krankheitssymptome entwickelt, die mit ganz hoher Wahrscheinlichkeit nicht Ebola sind, aber die trotzdem abgeklärt werden müssen - unter Rahmenbedingungen, die es zulassen, dass es auch Ebola sein könnte?", sagte Stich.

"Was ich jetzt erlebt habe, ist wirklich Panik"

Dem Ebola-Experten zufolge sind die Hausärzte, Notfallambulanzen und Kliniken noch längst nicht alle darauf eingestellt. "Was ich jetzt erlebt habe, ist wirklich Panik, wenn jemand mit Durchfall aus Afrika zurückkommt", sagte Stich. Er ist auch Sprecher des Ständigen Arbeitskreises der Kompetenz- und Behandlungszentren für Ebola.

"Die Kosten, die Hektik, die Fehler, die dabei passieren, und die Tatsache, dass man die Leute in der Zeit nicht behandelt, weil man nichts mit Hochinfektiösem zu tun haben will, zeigen, dass da auch Gefahren entstehen, die man eben entsprechend bearbeiten muss."

Sieben Behandlungszentren sind zu wenig

Es sei jedoch keine Lösung, die Verdachtsfälle auf eines der sieben Behandlungszentren in Deutschland zu verteilen. Dazu hätten diese auch nicht die Kapazität. "Sie sind für den Einzelfall gut gerüstet. Dafür sind sie gemacht. Und sie sind nicht gemacht als Filter- oder Screeningzentren der Nation. Das muss irgendwie anders geregelt werden."

Es sei wichtig, dass sich "die Peripherie auf entsprechend sinnvolle Maßnahmen" einstelle. Dafür müssten Isolationsmöglichkeiten am Ort geschaffen werden. Stich zufolge sollte eine kleine Gruppe im Umgang mit Schutzkleidung trainiert werden. Und die könne dann den Patienten Blutproben entnehmen. "Es ist wichtig, dass man klar ein Verfahren etabliert, wie diese Blutprobe untersucht wird. Ich kann ja nicht in einem normalen Labor untersuchen. Wenn das wirklich Ebola-Blut ist, gefährde ich die Laboranten."

Er sieht die Behörden im Zugzwang. "Da muss man sich jetzt auf der Ebene der Gesundheitsbehörden der Länder, des Bundes und des Robert-Koch-Institutes einigen, wie man das am besten etabliert."

Schon fast 5000 Tote

In den drei am stärksten betroffenen westafrikanischen Ländern stieg die Zahl der Ebola-Toten nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) derweil auf 4950. Zwischen dem 2. und 4. November seien 132 neue Todesfälle gemeldet worden, teilte die UN-Behörde am Freitag in Genf mit.

Die Zahl der mit der Ebola-Seuche Infizierten bezifferte sie für Liberia, Guinea und Sierra Leone mit 13.241. Während in einigen Gegenden die Zahl der Neuerkrankungen zurückgehe, steige sie in anderen rapide an.

Neuinfektionen nehmen ab

Vor allem in Liberia beobachten die Gesundheitsbehörden eine geringere Zahl von Neuinfektionen. Das dürfte nach Einschätzung der WHO auch darauf zurückzuführen sein, dass in Liberia die hoch-infektiösen Ebola-Toten unter strengen Vorkehrungen beerdigt werden. Dort werden Ebola-Tote binnen 24 Stunden nach ihrem Ableben beerdigt.

Im August lagen zwischen Tod und Beisetzung durchschnittlich drei Tage, in denen sich Angehörige an den hochinfektiösen Leichen anstecken konnten. Inzwischen seien in Liberia 2200 an der Seuche Verstorbene nach den neuen Vorschriften bestattet worden verglichen mit nur 909 in Sierra Leone. Dort wurden in den vergangenen drei Wochen fast zwei Drittel aller Neuerkrankungen in den drei genannten westafrikanischen Ländern registriert.

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