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Adria-Fähre Norman Atlantic: "Menschen sind verzweifelt und schreien"

Brennende Adria-Fähre "Norman Atlantic"  

"Die Leute sind verzweifelt und schreien"

28.12.2014, 17:31 Uhr | rtr, dpa

Adria-Fähre Norman Atlantic: "Menschen sind verzweifelt und schreien". Die brennende Adria-Fähre "Norman Atlantic" (Quelle: Reuters)

Die brennende Adria-Fähre "Norman Atlantic" (Quelle: Reuters)

Eine Adria-Fähre mit knapp 500 Menschen an Bord hat vor der griechischen Insel Korfu Feuer gefangen. Hunderte Menschen müssen am Sonntag stundenlang auf dem brennenden Schiff ausharren und warteten verzweifelt auf Hilfe. Mindestens ein Mensch ist bei dem Unglück gestorben.

Ein Opfer sei tot geborgen worden, teilte die italienische Küstenwache mit. Der Mann sei vermutlich beim Sprung von Bord umgekommen. Mehrere Menschen seien zudem verletzt worden.

Bis zum Nachmittag konnten nach Angaben der griechischen Küstenwache rund 150 Menschen gerettet werden, darunter eine Schwangere und Kinder. An Bord der "Norman Atlantic" sind auch 18 Deutsche.

Passagiere meldeten sich via Handy und schilderten im Radio ihre Notlage. "Niemand kann etwas machen", sagte ein Mann an Bord dem griechischen Radiosender Skai. Die zur Rettung herbeigeeilten Schiffe kämen wegen der schweren See nicht heran. Weitere griechische Medien berichteten, Rettungsboote seien abgetrieben worden, bevor Menschen hätten einsteigen können. "Die Leute sind verzweifelt und schreien" sagte ein weiterer Zeuge im Fernsehen.

Hubschrauber holen Passagiere paarweise

Mittlerweile hat die Evakuierung aus der Luft begonnen. Rettungshubschrauber holen Passagiere paarweise von der "Norman Atlantic", wie die Behörden mitteilten. Die Menschen werden demnach auf ein in der Nähe kreuzendes Schiff geflogen.

Die Teams arbeiteten unter Hochdruck, um noch vor Einbruch der Dunkelheit möglichst viele Menschen in Sicherheit zu bringen. Der griechischen Regierung zufolge dauert jeder Hubschraubertransfer rund 15 Minuten.

"Der Boden brannte, als wir zum Rettungsboot gingen"

Das Schiff der griechischen Anek Lines war auf dem Weg von Patras in Griechenland nach Ancona in Italien. Zuletzt befand es sich vor der albanischen Küste. Offiziell war zunächst nicht von Verletzten oder Vermissten die Rede.

Bei einer Inspektion der Fähre sollen Sicherheitsmängel festgestellt worden sein. Wie das staatliche griechische Fernsehen NERIT und andere Medien berichteten, hat eine Inspektion der Hafenbehörde von Patras am 19. Dezember unzureichende Rettungsmittel, undichte Sicherheitstüren, den Zustand der Notbeleuchtung und das Fehlen von Evakuierungsplänen an den Wänden des Schiffes bemängelt. Der Reederei sei eine zweimonatige Frist zur Behebung dieser Mängel eingeräumt worden, berichtete NERIT.

Vermutlich entzündete sich das Feuer in den frühen Morgenstunden am Sonntag im Autodeck. Der Grund dafür ist noch unklar. Das Feuer breitete sich schnell über das Schiff aus, Augenzeugen schilderten im griechischen Rundfunk die Hitze und die Verzweiflung an Bord. "Der Boden brannte, als wir zum Rettungsboot gingen", sagte Athina, die gerettet wurde, im Sender Skai.

Halbnackt im Wasser

Das Schiff befand sich zum Zeitpunkt des Unglücks etwa 44 Seemeilen nordwestlich von Korfu. Eine andere Adria-Fähre und mehrere Frachter, die in der Nähe waren, eilten zur Hilfe. Am Nachmittag teilte das griechische Ministerium für Handelsschifffahrt mit, die Menschen würden einzeln ausgeflogen. Die meisten Passagiere stammten aus Griechenland. Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte, im Kontakt mit den Botschaften in Rom und Athen zu stehen.

Zwei gerettete Frauen, eine davon schwanger, und drei Kinder kamen in ein Krankenhaus in der süditalienischen Region Apulien. Die Kinder seien halbnackt im Wasser gewesen und litten an Unterkühlung, es gehe ihnen allen aber den Umständen entsprechend gut, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Die Eltern von zwei anderen geretteten Kindern seien noch auf der "Norman Atlantic".

Brand unter Kontrolle?

Ein griechischer Journalist sagte Skai, dass 31 Personen, darunter Kinder, auf die Adria-Fähre "Cruise Europa" ausgeflogen wurden, mit der er selbst unterwegs gewesen sei, als der Notruf eintraf. Das Wetter sei jetzt besser, sagte er am Nachmittag. Anek Lines teilte mit, dass "die Evakuierung des Schiffes geregelt weitergeht und die Operation in Zusammenarbeit mit den Behörden gut verläuft".

Ungenaue Angaben gab es darüber, ob der Brand unter Kontrolle sei oder nicht. Auch hieß es zunächst, das Schiff neige sich, was offiziell später dementiert wurde. Ansa berichtete unter Berufung auf den Kapitän, die brennende Fähre treibe in Richtung Albanien. Das Schiff sei manövrierunfähig.

Der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi kündigte Hilfe für die Rettung der Passagiere an. Die italienische Marine sei "mit maximaler Beteiligung" dabei, erklärte er auf Twitter. Er sei mit dem griechischen Premierminister Antonis Samaras in ständigem Kontakt.

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