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Kapitän Schettino droht Haft: "Costa Concordia"-Prozess steuert auf Ende zu

Kapitän Schettino droht Haft  

"Costa-Concordia"-Prozess steuert auf Ende zu

12.01.2015, 11:17 Uhr | dpa

Kapitän Schettino droht Haft: "Costa Concordia"-Prozess steuert auf Ende zu. Dem Kapitän des 2012 havarierten Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia", Francesco Schettino, droht eine Haftstrafe.  (Quelle: dpa)

Dem Kapitän des 2012 havarierten Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia", Francesco Schettino, droht eine Haftstrafe. (Quelle: dpa)

Am 13. Januar ertönt auf der Insel Giglio - wie auch in den letzten Jahren - um 21.45 Uhr ein Glockenschlag. Vor drei Jahren rammte zu dieser Zeit das Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia" mit mehr als 4200 Menschen an Bord einen Felsen. Doch das Gedenken an das Unglück ist dieses Jahr ein wenig anders. Es ist der erste Jahrestag, an dem der 32 Toten ohne das Wrack vor der Küste gedacht wird. Mit einem Gottesdienst und einem Fackelzug werden die Bewohner an die Katastrophe erinnern, für die der Kapitän Francesco Schettino vor Gericht steht. Der Mammutprozess gegen den Kapitän, der sein Schiff zu nah an die Insel gesteuert hat, nähert sich dem Ende.

Im Juli 2014 wurden die Überreste des havarierten Kreuzfahrtschiffes quer durch das Mittelmeer nach Genua zum Verschrotten geschleppt. "Die Situation ist jetzt sehr viel ruhiger, wir haben ein bisschen unseren Alltag zurückbekommen", gibt sich Bürgermeister Sergio Ortelli erleichtert.

Ende Januar geht der Prozess gegen Schettino im Teatro Moderno der toskanischen Stadt Grosseto mit den Plädoyers der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung in die Schlussphase. Im Februar oder spätestens März wird das Urteil erwartet.

Der stets sonnengebräunte Schettino machte sich zum Buhmann der Nation, als er behauptete, in ein Rettungsboot "gefallen" zu sein - und das sinkende Schiff sich selbst überließ. Schettino hatte vor Gericht zwar eingeräumt, den Kreuzfahrtkoloss nah an die Insel gesteuert zu haben, um einen befreundeten Offizier zu grüßen und einem Schiffskellner von Giglio einen Gefallen zu tun. Gleichzeitig zeigte er aber immer wieder auf die Crew, die eine Mitschuld an der Katastrophe habe. Entscheidende Leute hätten zum Beispiel seine Anweisungen nicht verstanden, weil sie kein Englisch oder Italienisch konnten.

Dafür, dass er zu früh von Bord ging, muss er nach Ansicht des Anwalts Massimiliano Gabrielli, der "Costa"-Opfer vertritt, wohl ins Gefängnis. Die Frage ist, wie lange. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Haftstrafe von mehr als 20 Jahren, unter anderem wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung und Körperverletzung.

Nächstes Schiffsunglück belastet Italien

Ende Dezember wühlte ein anderes Schiffsunglück Italien auf. Die Adria-Fähre "Norman Atlantic" geriet auf dem Weg von Griechenland ins italienische Ancona in Brand, mindestens elf Menschen an Bord starben. "Ich habe die starken Emotionen von damals wieder durchlebt", beschreibt Giglios Bürgermeister Ortelli die Momente, als das Feuer auf der "Norman Atlantic" ausbrach.

Zunächst dachte man in Italien, der Kapitän der "Norman Atlantic" könnte das Image der italienischen Seefahrt wieder verbessern. Denn Kapitän Argilio Giacomazzi hatte im Gegensatz zu Schettino das Schiff als letzter verlassen, wofür sogleich eine Jubel-Facebook-Seite gegründet wurde ("Schettino, schau zu und lerne!"). Doch gegen Giacomazzi wird wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung ermittelt. Zudem muss er sich dafür rechtfertigen, dass die Fähre vermutlich überladen war und mehr Menschen als erlaubt an Bord waren. Auch machte sich die restliche Besatzung laut Zeugenaussagen schnell von Bord.

"Doch er löste international nicht das gleiche Kopfschütteln aus wie der "Costa"-Kapitän", sagt Kay Rodegra, Anwalt aus Würzburg, der deutsche "Costa"-Überlebende vertrat und auch bei der "Norman"-Katastrophe deutsche Geschädigte berät.

Wenn die "Costa Concordia"-Katastrophe mit dem Urteil im Prozess gegen Schettino ein Stück weiter in die Vergangenheit rückt, beginnt in Italien mit der juristischen Aufarbeitung des "Norman"-Unglücks sogleich ein neues Kapitel.

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