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Gefährliche Keime: Mehrere Patienten sterben in Kieler Uniklinik

Tödliche Keime  

Mehrere Patienten sterben in Kieler Uniklinik

23.01.2015, 17:35 Uhr | dpa

Gefährliche Keime: Mehrere Patienten sterben in Kieler Uniklinik. Die Kieler Uniklinik - hier starben mehrere Patienten an einer Keimvergiftung. (Quelle: dpa)

Die Kieler Uniklinik - hier starben mehrere Patienten an einer Keimvergiftung. (Quelle: dpa)

Fünf gestorbene Patienten am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel hatten neben ihren teils schweren Erkrankungen einen gefährlichen Keim im Körper. Es sei aber unklar, ob bei ihnen der Erreger oder die jeweilige Vorerkrankung die Todesursache war.

Der Chef des UKSH, Prof. Jens Scholz, erklärte, aktuell sei noch bei 14 Patienten das multiresistente Acinetobacter baumannii nachgewiesen. Einige Patienten seien erkrankt, bei anderen sei das Bakterium nur nachgewiesen, verursache aber aktuell keine Symptome.

"Zur Eindämmung des Infektionsrisikos werden betroffene Patienten umgehend strikt isoliert", so ein Sprecher des UKSH. Als Überträger werde ein Patient vermutet, der im Dezember aus dem Mittelmeerraum ins UKSH verlegt worden war. Auch er ist inzwischen gestorben.

Am Kieler Klinikum wurde ein Teil der Intensivstationen vorsichtshalber bis auf Weiteres geschlossen. Wegen der Resistenzen des Keims stellt die Therapie der Betroffenen eine besondere Herausforderung dar. Mit einem umfassenden Screening soll nun geprüft werden, ob es weitere Keimträger gibt. Räumlichkeiten und Geräte würden gründlich desinfiziert, hieß es

Infektionen enden meist tödlich

Bei dem Erreger handele sich um ein gegen vier Antibiotikagruppen resistentes Acinetobacter baumannii. Das Bakterium zählt zu den sogenannten MRGN (multiresistenten gramnegativen Erregern) und kommt im Wasser und in der Erde vor. Die Übertragung erfolgt über direkten Körperkontakt oder indirekt über Gegenstände, aber auch über die Luft. Die Erreger können lange in trockener Umgebung überleben.

Bei immungeschwächten Menschen kann es Lungenentzündungen, Wundinfektionen und Sepsis verursachen. Ihre Behandlung ist erheblich erschwert, weil bei ihnen nur noch wenige Mittel überhaupt gegen eine Infektion helfen.

Patientenschutz-Organisation: "Klinikum scheint überfordert"

Massive Kritik übte die Deutsche Stiftung Patientenschutz mit Sitz in Dortmund. "Das Uni-Klinikum Kiel scheint beim Management von multiresistenten Keimen und infizierten Patienten überfordert zu sein", sagte Vorstand Eugen Brysch.

"Wie kann ein Patient aufgenommen werden, ohne ihn vorher einem Screening zu unterziehen?" Auch hätten die ersten Maßnahmen gegen den Keim offenkundig nicht ausgereicht. "Wir haben Tote zu beklagen - und wissen nichts über die Anzahl."

Der Stiftung zufolgen sterben pro Jahr etwa 40.000 Menschen an Krankenhausinfektionen. "Davon wären 20 000 durch Hygienemaßnahmen vermeidbar", sagte Brysch.

Acinetobacter baumannii spielt in Deutschland bisher eine vergleichsweise geringe Rolle, in vielen Ländern zählt er jedoch zu den wichtigsten Krankenhauskeimen überhaupt, vor allem auf Intensivstationen. Ausbrüche hierzulande gehen daher häufig auf Patienten zurück, die zuvor im Ausland behandelt wurden.

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