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Ukraine: Rebellen verhindern Hilfe für Verschüttete

Grubenunglück in der Ukraine  

Rebellen verhindern Hilfe für Verschüttete

05.03.2015, 10:27 Uhr | dpa

Ukraine: Rebellen verhindern Hilfe für Verschüttete. Überlebende verlassen die Grube nahe Donezk. Bislang wurden 17 Leichen geborgen. (Quelle: Reuters)

Überlebende verlassen die Grube nahe Donezk. Bislang wurden 17 Leichen geborgen. (Quelle: Reuters)

Bei einem Grubenunglück im ostukrainischen Rebellengebiet Donezk sind vermutlich 33 Bergleute ums Leben gekommen. Die Zahl der Toten stieg nach Angaben der Separatisten inzwischen auf 32, ein Mensch wird noch vermisst. Die Rebellen blockten Hilfe aus Kiew bei dem Sucheinsatz ab.

Die Tragödie ereignete sich in den frühen Morgenstunden im Kohlebergwerk Sasjadko in der Nähe des zerbombten Flughafens von Donezk. Grund war offenbar eine Methangas-Explosion. Wegen der hohen Methan-Konzentration musste die Bergungsaktion unterbrochen werden, wie ein Sprecher der Bergbaugewerkschaft UIMO sagte.

Der Sprecher einer anderen Gewerkschaft, der ungenannt bleiben wollte, sagte, die noch vermissten Kumpel hätten "praktisch null" Überlebenschancen. Verzweifelte Angehörige versammelten sich an der Zeche und warfen den Behörden vor, sie ihm Stich zu lassen.

"Wir wissen nichts"

Ein Vertreter der selbsternannten "Volksrepublik Donezk", Maxim Leschtschenko, sagte, von 230 Kumpeln seien 197 gerettet worden. Nach der Bergung einer Leiche am Vormittag war den Behörden zufolge die Bergung von 16 weiteren Todesopfern im Gange.

Den ganzen Tag über harrten Angehörige an der Grube aus. Die 72-jährige Valentina Dsjuba wartete unter Tränen vergeblich auf gute Nachrichten über das Schicksal ihres 47-jährigen Sohns Wladimir. "Keiner sagt uns etwas. Ich erfuhr von dem Unglück aus dem Fernsehen", sagte sie und fügte mit erstickter Stimme hinzu: "Ich fürchte, er ist tot". "Wir wissen nichts", beschwerte sich auch die Frau eines der Vermissten, die mit ihrer Mutter zu dem Bergwerk geeilt war.

Wjascheslaw Baloban, einer der nach dem Unglück verletzt geborgenen Bergleute, sagte im Krankenhaus von Donezk: "Ich erinnere mich nur an die Explosion. Ich erinnere mich nur an den Staub." Baloban erlitt eine Kopfverletzung und Verbrennungen.

Nicht das erste Unglück dieser Art

Die Sasjadko-Grube gehört zu den größten Bergwerken des Landes und beschäftigt 10.000 Menschen. Schon häufig gab es dort schwere Unglücke und Unfälle: Bei einer Gasexplosion im Jahr 2007 kamen dort mehr als hundert Menschen ums Leben. Bisher aber waren alle Beschwerden der Bergarbeiter über häufige Verstöße gegen die Sicherheitsvorschriften vergeblich.

Besitzer der Sasjadko-Grube ist der Abgeordnete Juchim Swjahilski, ein früherer Verbündeter des vor einem Jahr gestürzten Präsidenten Viktor Janukowitsch. Das Bergwerk liegt in der Nähe des monatelang heftig umkämpften Flughafens von Donezk. Immer wieder geriet bei den Kämpfen auch die Zeche ins Kreuzfeuer. Im Januar saßen dort fast 500 Bergarbeiter vorübergehend unter Tage fest, weil der Strom nach einem Granateinschlag in einem Umspannwerk ausgefallen war.

Der erbitterte Konflikt zwischen Kiew und den prorussischen Separatisten beeinträchtigte am Mittwoch auch die Rettungsbemühungen. Ministerpräsident Arseni Jazenjuk erklärte, er habe die Entsendung von Rettungsmannschaften zu der Grube angeordnet. Diese seien aber von den prorussischen Rebellen nicht durchgelassen worden.

Deren Vertreter Leschtschenko sagte: "Wir brauchen keine Hilfe." Präsident Petro Poroschenko forderte vergeblich den ungehinderten Zugang von ukrainischen "Bergungs- und Polizeikräften" zu der Mine. Den Angehörigen der mutmaßlichen Opfer sprach er sein Mitgefühl aus.

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