Ein Kommentar von Bastian Ewald
Ein Flugzeugabsturz ist eine Katastrophe. Und die Berichterstattung darüber ist Katastrophenjournalismus - ein äußerst negativ belegter Begriff, wird er doch immer wieder mit Sensationslust gleichgesetzt. So auch im aktuellen Fall von Germanwings-Flug 4U9525: Manche verurteilen Journalisten als "Schlagzeilengeier", die mediale Aufarbeitung als reine Effekthascherei - Futter für den nächsten Klick.
Doch warum berichten wir über Germanwings-Flug 9525? Weil uns Menschen solche Tragödien beschäftigen, ängstigen und berühren. Sie versetzen eine Gesellschaft in einen kollektiven Schockzustand, den es zu überwinden gilt: Durch Information und Teilhabe am Geschehenen. Dadurch kommen die 150 Opfer nicht ins Leben zurück, den unendlichen Schmerz der Hinterbliebenen lindert das nicht. Sicher.
Ein schmaler Grat
Hysterie und wütende Spekulation sind in diesem Moment die wohl schlechteste Option: Sie zeugen vielmehr von der Unfähigkeit, echtes Mitleid und Empathie zu formulieren.
Aber unter zahlreichen Reaktionen im Netz findet sich so etwas, wie ein gemeinschaftliches Mitgefühl - und das verständliche Bedürfnis nach Aufklärung und Einordnung des Geschehenen. Und genau das sollte Berichterstattung bedienen.
Grenzen muss es geben, richtig. Tabus nicht. Dazu müssen auch Journalisten immer wieder ihre Arbeit hinterfragen: Was müssen wir erfahren? Der Grat zwischen Informationsauftrag und -gier ist schmal. In Extremsituationen umso schmaler, wie uns diese Liste zeigt, die zur Zeit durch die sozialen Medien wandert: Sie prangert an, was Information von Sensationslust unterscheidet - und das zurecht.
Aus gegebenem Anlass...
Posted by Lorenz Meyer on Tuesday, March 24, 2015
Das betrifft uns alle
Wir alle müssen diese Grenze dort ziehen, wo Betroffene empfindlich in ihrer Privatsphäre verletzt, in Angst und Schmerz der Öffentlichkeit präsentiert werden. Ignorieren sollten wir deren Schicksale und Emotionen jedoch nicht, denn das zeichnet (Mit-)Menschlichkeit aus.
Dieser Schutz steht allen Betroffenen zu - auch der Familie des Co-Piloten, der den Absturz bewusst verursacht haben soll. Sie haben einen nahestehenden Menschen verloren, dessen letzte Handlung womöglich für immer ein Rätsel bleibt. Ein schweres Paket. Sie alle haben das Recht, auf ihre Weise zu trauern. Es darf nicht zu einer öffentlichen "Hexenjagd" kommen.
Zum Schluss sei Ihnen versichert: Diese Katastrophe berührt uns in der Redaktion zutiefst - wir sind ebenso Menschen, keine "Schlagzeilengeier".
Bei allen News zum Absturz von Flug #4U9525, sollten wir eines nicht vergessen: Pietät ist das Gebot dieser schweren Stunden. Unser Mitgefühl gilt allen Angehörigen, Freunden und Kollegen der Opfer.
Posted by T-Online.de on Tuesday, March 24, 2015
