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Germanwings-Unfall: Co-Pilot führte Absturz bewusst herbei

Germanwings-Absturz  

Co-Pilot wollte Flugzeug offenbar zerstören und leitete bewusst Sinkflug ein

26.03.2015, 17:49 Uhr | dpa , AP , rtr , t-online.de

Germanwings-Unfall: Co-Pilot führte Absturz bewusst herbei. Einsatzkräfte am Absturzort der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen. (Quelle: AP/dpa)

Einsatzkräfte am Absturzort der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen. (Quelle: AP/dpa)

Der Absturz des Germanwings-Jets in den französischen Alpen war offenbar kein Unglück, sondern wurde bewusst herbeigeführt. Das ergibt sich aus Angaben der Staatsanwaltschaft in Marseille. Nur der Co-Pilot habe sich zuletzt im Cockpit aufgehalten. Die Behörden ermittelten nun nicht mehr wegen Totschlages, sondern gingen von willentlicher Tötung aus. Die Zahl der deutschen Opfer wurde unterdessen auf 75 korrigiert.

Dies teilte das Auswärtige Amt in Berlin mit. Bislang war man von mindestens 72 getöteten Bundesbürgern ausgegangen.

Angela Merkel hat sich mittlerweile zu den jüngsten Entwicklungen geäußert. Die Kanzlerin hat den herbeigeführten Absturz als Tragödie von schier unfassbarer Dimension verurteilt. "So etwas geht über jedes Vorstellungsvermögen hinaus", sagte sie in Berlin.

Die Kanzlerin versprach, die Bundesregierung und die deutschen Behörden würden alles Erdenkliche tun, um die Ermittlungen zu unterstützen: "Wir kennen noch nicht alle Hintergründe." Deshalb bleibe es so wichtig, dass jeder Aspekt weiter gründlich untersucht werde.

"Zerstörung des Flugzeuges herbeigeführt"

Zuvor war die französische Staatsanwaltschaft mit neuen Erkenntnissen an die Öffentlichkeit gegangen: "Der Pilot ist auf die Toilette gegangen", so Staatsanwalt Brice Robin. Der Co-Pilot habe damit das Kommando gehabt und das Flight Monitoring System manipuliert.

"Der Co-Pilot hat bewusst den Sinkflug eingeleitet." Er habe absichtlich "die Zerstörung des Flugzeuges herbeigeführt". "Das ist kein kurzfristiger Sinkflug, das ist wie ein Landeanflug. Aber in der Nähe gibt es gar keinen Flughafen auf dem ein Airbus landen könnte", erklärten die Ermittler. Germanwings treffe keine juristische Verantwortung.

Co-Pilot atmete ruhig bis zum Schluss

Auf zahlreiche Funksprüche des Towers in Marseille und von anderen Flugzeugen in der Nähe habe der Co-Pilot nicht reagiert. Während der gesamten letzten zehn Minuten habe er kein einziges Wort mehr gesagt. "Im Cockpit war absolute Stille", sagte Robin. Nur die "ruhigen Atemgeräusche" des Co-Piloten seien auf der Aufnahme zu hören. Es sei damit sicher, dass er bis zum Absturz gelebt habe.

Auf die Frage, ob es sich um Selbstmord gehandelt haben könnte, sagte der Staatsanwalt, angesichts von 150 Toten habe er mit diesem Begriff Probleme. Jedoch gibt es die Bezeichnung Erweiterter Suizid, wenn die Absicht zu sterben nicht bei allen Beteiligten gegeben ist.

Der Tower in Marseille hatte dem Airbus angeboten, den Notfallcode 7700 in den Transponder einzugeben. Dadurch hätte das Flugzeug im Luftraum Vorrang bekommen und alle anderen Flugzeuge hätten diesen Flugraum verlassen müssen.

Flug verlief zunächst unauffällig

Den Dialog vor dem Austreten des Piloten beschrieb Brice als normal und höflich. Es habe hier keine Auffälligkeiten gegeben. Die Passagiere hätten außerdem erst sehr spät mitbekommen, was passierte: "Wir haben erst in den letzten Momenten die Schreie aus der Kabine gehört." Die Angehörigen seien über alle Erkenntnisse bereits informiert worden, sagte Robin.

"Die Familien des Piloten und des Co-Piloten sind auch hier angekommen", sagte der Staatsanwalt weiter. "Aber wir haben sie nicht mit den anderen Familien zusammengebracht."

Der 27-jährige Co-Pilot stammt aus dem rheinland-pfälzischen Montabaur. Das sagte Stadtbürgermeisterin Gabriele Wieland.

Pilot wollte wohl die Tür zum Cockpit auftreten

Die "New York Times" hatte zuvor unter Berufung auf einen Ermittler berichtet, einer der Piloten habe das Cockpit vor dem Absturz verlassen und die Tür bei seiner Rückkehr nicht mehr öffnen können. Daraufhin habe er versucht, die Tür einzutreten - dies ließen zumindest die Geräusche auf der Aufnahme des Stimmenrekorders vermuten.

Beim Absturz des A320 waren am Dienstag alle 144 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen.

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