Sie sind hier: Home > Panorama >

Flüchtlingsdramen im Mittelmeer: Europa findet keine Antwort

Flüchtlingsdramen im Mittelmeer  

Europa findet keine Antwort

20.04.2015, 17:04 Uhr | dpa

Flüchtlingsdramen im Mittelmeer: Europa findet keine Antwort. Friedhof der Flüchtlingsboote in Lampedusa. (Quelle: imago / Independent Photo Agency)

Friedhof der Flüchtlingsboote in Lampedusa. (Quelle: imago / Independent Photo Agency)

Zehntausende Menschen aus Bürgerkriegs- und Hungerländern wollen um jeden Preis nach Europa. Die Gefahr, im Meer umzukommen, schreckt sie nicht ab. Nach der zweiten Schiffskatastrophe in einer Woche steht die Flüchtlingspolitik der Europäer auf dem Prüfstand.

Mehr als 1300 Flüchtlinge sollen innerhalb einer Woche im Mittelmeer ertrunken sein. Kriminelle Schlepperbanden nutzen die Not der Migranten aus Afrika und Vorderasien schamlos aus. Ihre "Kunden", die viel Geld für die Überfahrt bezahlen, verfrachten sie auf kaum seetaugliche Schiffe.

Fragen und Antworten zu den Flüchtlingsdramen

Warum gehen die Migranten das Risiko ein, im Meer zu ertrinken?

Die Menschen fliehen vor mörderischen Bürgerkriegen wie in Syrien, vor schrecklichen Diktaturen wie in Eritrea oder einfach vor wirtschaftlicher Aussichtslosigkeit wie in etlichen Ländern Schwarzafrikas. Viele von ihnen sagen sich: Besser einen schnellen Tod sterben als einen langsamen auf Raten, wie er ihnen ihrer Ansicht nach in ihren Herkunftsländern drohen würde.

Welche sind die wichtigsten Fluchtrouten?

Migranten können sich nicht einfach ins Flugzeug setzen, weil sie kein Visum für ein europäisches Land bekommen. Neben dem Landweg, meist über den Balkan, bleibt der Weg übers Meer. Für Letzteren bietet sich vor allem Libyen an. Die Mittelmeerküste zieht sich über Hunderte Kilometer hin. Es gibt keine funktionierende Regierung, praktisch keine Küstenwache. Es herrschen verschiedene Milizen, die sich nebenbei im einträglichen Schleppergeschäft verdingen.

Was kostet so eine Überfahrt mit ungewissem Ausgang?

Der reine Trip übers Meer kostet von Libyen aus zwischen 500 und 1000 Euro pro Person. Doch die Gesamtkosten für die Passage aus dem Herkunftsland bis nach Europa können sich auf mehrere tausend Euro belaufen. Denn erst einmal muss die libysche Küste erreicht werden. Afrikaner müssen sich etwa mehrere tausend Kilometer durch die große libysche Wüste lotsen lassen. Bis zum Zustandekommen der Überfahrt müssen die Migranten irgendwo wohnen und essen.

Warum tun die europäischen Küstenwachen nicht mehr, um vom Tod bedrohte Flüchtlinge aus dem Meer zu retten?

Italien hatte 2013 das Seenotrettungsprogramm "Mare Nostrum" ins Leben gerufen. Tatsächlich dürfte es mehr als 100.000 Menschen vor dem Tod bewahrt haben. Es lief aber nur ein Jahr, weil Italien die hohen Kosten nicht mehr allein tragen wollte und mit der großen Zahl an Flüchtlingen nicht mehr fertig wurde. 

Sollte man das Problem nicht bereits "an Land" lösen, etwa durch ein militärisches Vorgehen gegen die Schlepperbanden in Libyen?

Diese Idee griffen angesichts der jüngsten Katastrophen einige europäische Politiker auf. Experten zufolge würde das aber kaum etwas ändern. In Libyen sind die Schlepper schwer zu fassen. Sie sind weitgehend identisch mit den gut bewaffneten Milizen, und gegen die wird wohl kaum jemand Krieg führen wollen.

Europas Politik steht also ohne Antworten da?

Zumindest so lange sie nicht - wie von zahlreichen Entwicklungshilfe- und Menschenrechtsorganisationen gefordert - das Problem an der Wurzel packt. Und da wird es gewiss keine schnellen Antworten geben. Denn die Probleme sind komplex: Sie umfassen Kriege, Diktaturen, Staatszerfall, Dürren und Hunger in den Herkunftsländern der Migranten.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Media Markttchibo.deOTTOWeltbildbonprix.deLIDLBabistadouglas.deMadeleine

shopping-portal

Hinweis:

Der Internet Explorer wird nicht länger von t-online unterstützt!

Um sicherer und schneller zu surfen, wechseln Sie jetzt auf einen aktuellen Browser.

Wir empfehlen unseren kostenlosen t-online-Browser: