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Flüchtlinge vor Libyen: Überlebende liefern Schlepper an Polizei aus

Schiffskatastrophe vor Libyen  

Überlebende liefern Schlepper an Polizei aus

21.04.2015, 16:09 Uhr | t-online.de, dpa

Flüchtlinge vor Libyen: Überlebende liefern Schlepper an Polizei aus. Überlebt: Flüchtlinge von Bord des Unglücksschiffes kommen am Montagabend im Hafen von Catania an. (Quelle: Reuters)

Überlebt: Flüchtlinge von Bord des Unglücksschiffes kommen am Montagabend im Hafen von Catania an. (Quelle: Reuters)

Nur 28 von über 900 Menschen haben die jüngste Flüchtlingskatastrophe vor Libyen überlebt. Unter ihnen sind offenbar auch zwei der für das Unglück Verantwortlichen: Der tunesische Kapitän und ein syrisches Besatzungsmitglied.

Beide nahm die italienische Polizei fest, als sie gemeinsam mit den anderen Überlebenden am späten Montagabend im Hafen der sizilianischen Stadt Catania eintrafen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen mehrfache fahrlässige Tötung und Menschenhandel vor.

Andere Überlebende hätten die beiden identifiziert, sagte der zuständige Staatsanwalt Giovanni Salvi. Auch der Flüchtling aus Bangladesch, der im Krankenhaus von Catania liegt, habe sie auf Fotos erkannt.

Angeblich bis zu 950 Menschen auf Fischerboot

Die Überlebenden waren an Bord der "Gregoretti" von der italienischen Küstenwache nach Sizilien gebracht worden. Dort empfing sie Verkehrsminister Graziano Delrio. An Bord des Flüchtlingsschiffs, das in der Nacht zum Sonntag gekentert war, sollen nach Angaben eines Überlebenden bis zu 950 Menschen gewesen sein. 28 wurden gerettet, 24 Leichen wurden geborgen.

Die Hoffnung, im Mittelmeer weitere Überlebende der Katastrophe zu finden, war am Montag geschwunden. Der italienischen Küstenwache zufolge war das Fischerboot mit Hunderten Flüchtlingen an Bord etwa 70 Seemeilen (130 Kilometer) vor der libyschen Küste gekentert.

Ob das Schiff und die vielen Leichen geborgen werden können, ist unklar. Die Küstenwache erklärte, möglicherweise werde es keine Gewissheit über die Zahl der Toten geben, da das Mittelmeer an der Unglücksstelle sehr tief sei.

EU will Mittel verdoppeln

Das Bürgerkriegsland Libyen ist derzeit ein Haupttransitland. Seit Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi 2011 mit Unterstützung des Westens gestürzt wurde, rivalisieren in Libyen islamistische Milizen und nationalistische Kräfte gewaltsam um Macht und Einfluss. Es gibt keine funktionierenden Grenzkontrollen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Palermo auf Sizilien warten in Libyen bis zu eine Million Flüchtlinge auf die Überfahrt nach Europa.

Als Reaktion auf die jüngsten Flüchtlingskatastrophen im Mittelmeer will die Europäische Union die Seenothilfe jetzt massiv ausweiten. Bei einem Krisentreffen der Außen- und Innenminister am Montag in Luxemburg wurden Pläne für die Verdoppelung der Mittel für die EU-Programme Triton und Poseidon auf den Weg gebracht. Sie sollen den Einsatz von deutlich mehr Schiffen ermöglichen und noch am Donnerstag auf einem Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs vorgelegt werden.

"Monumentaler Mangel an Mitgefühl"

Neben der Ausweitung der Seenotrettung könnten künftig gezielt von Schleppern genutzte Schiffe beschlagnahmt und zerstört werden. Vorbild sei die militärische Anti-Piraterie-Mission Atalanta am Horn von Afrika, sagte der zuständige EU-Kommissar Dimitris Avramopoulos in Luxemburg bei der Vorstellung eines Zehn-Punkte-Plans. Atalanta begleitet nicht nur zivile Schiffe, sondern zerstörte mehrfach auch Piratenlager.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sagte, das Ansehen Europas stehe auf dem Spiel. Viel zu oft sei gesagt worden: "Nie wieder".

Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte hatte die EU zuvor ungewöhnlich scharf kritisiert. Die Hunderten von Toten seien das Ergebnis eines anhaltenden Politikversagens und eines "monumentalen Mangels an Mitgefühl", sagte Said Raad al-Hussein am Montag in Genf. Statt nach sinnlosen strengeren Abschottungsmaßnahmen zu rufen, müsse die EU endlich legale Fluchtwege und mehr Rettungskapazitäten für das Mittelmeer bereitstellen.

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