Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Australien fordert Europa zu totaler Abschottung auf

Von t-online, afp, ap
Aktualisiert am 22.04.2015Lesedauer: 3 Min.
Dieses Fl├╝chtlingsboot wurde 2013 vom australischen Milit├Ąr nach Indonesien zur├╝ckgeschickt.
Dieses Fl├╝chtlingsboot wurde 2013 vom australischen Milit├Ąr nach Indonesien zur├╝ckgeschickt. (Quelle: /Reuters-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

Unter Ministerpr├Ąsident Tony Abbott hat Australien die Einwanderung illegaler Bootsfl├╝chtlinge vollst├Ąndig gestoppt. Mit harter Hand. Darauf ist Abbott stolz. So stolz, dass er nach dem Tod von wom├Âglich 900 Fl├╝chtlingen im Mittelmeer die EU dazu dr├Ąngt, sein "Erfolgsmodell" zu ├╝bernehmen und strengere Grenzkontrollen einzuf├╝hren - Menschenrechtler laufen Sturm.

Der j├╝ngste Vorfall im Mittelmeer sei eine "schreckliche, schreckliche Trag├Âdie", erkl├Ąrte der australische Regierungschef. Damit sich so etwas nicht wiederhole, sollte Europa dem Beispiel Australiens folgen.


NACHRICHTEN DES TAGES

Kreuzfahrtfestival Hamburg Cruise Days
Kreuzfahrtfestival Hamburg Cruise Days
+3

Unter dem Motto "Stop the boats" (Stoppt die Boote) startete Abbott nach seinem Wahlsieg 2013 ein rigoroses Programm gegen Fl├╝chtlinge, die ├╝ber den Seeweg kommen. Seitdem kreuzen st├Ąndig Milit├Ąrschiffe vor Australiens K├╝sten, die Fl├╝chtlingsboote abfangen und ausnahmslos zur├╝ckschicken.

Fl├╝chtlingslager in Partner-Nationen

Die Statistik spricht B├Ąnde: Laut des Nachrichtenmagazins "Spiegel" hat es 2014 und 2015 kein einziges Boot mit illegalen Einwanderern nach Australien geschafft. Noch 2013 gelangten demnach 20.000 Fl├╝chtlinge ins Land, vorwiegend aus Afghanistan, dem Iran und Sri Lanka.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
"Der Bundeskanzler will nicht, dass die Ukraine gewinnt"
Roderich Kiesewetter (CDU) bei "Anne Will": Isoliert sich Deutschland im Ukraine-Konflikt von der EU?


Die Migranten werden in der Regel nach Indonesien zur├╝ckgeschickt, von wo die meisten die ├ťberfahrt wagen. Auch in Seenot geratene Fl├╝chtlinge haben keine Chance auf Asyl. Sie werden entweder in Rettungsboote gesteckt und ebenfalls zur├╝ckgeschickt oder an Bord genommen und anschlie├čend in speziell eingerichtete Lager gebracht - nat├╝rlich nicht auf australischem Boden. Daf├╝r hat Canberra eigens Partner an Land gezogen, wie etwa die Pazifiknationen Nauru und Papua-Neuguinea, die daf├╝r mit Geld entsch├Ądigt werden. Australien erkauft sich die wei├če Weste.

Bislang ist EU-Staaten die Abschiebung illegaler Fl├╝chtlinge verboten. Italien wurde 2012 vom Europ├Ąischen Gerichtshof f├╝r Menschenrechte verurteilt, weil es Einwanderer zur├╝ck nach Libyen geschickt hat.

Menschenrechtler ├╝ben scharfe Kritik

Zudem steht Abbotts Politik der totalen Abschottung im Verdacht, gegen das Menschenrecht zu versto├čen. So haben etwa die Vereinten Nationen (UN) Abbotts konservativer Regierung vorgeworfen, die Antifolter-Konventionen der UN zu verletzen, indem sie die Fl├╝chtlinge in besagte Lager bringe.

Vor allem die Tatsache, dass auch Kinder unter unangemessenen Bedingungen interniert w├╝rden, st├Â├čt den Vereinten Nationen ├╝bel auf. Abbotts Regierung erf├╝lle "grundlegende Standards nichtÔÇť, indem sie "Menschen auf unbestimmte Zeit unter f├╝rchterlichen Umst├Ąnden auf einer fernen Insel wegsperrt", sagte Daniel Webb vom Australischen Menschenrechtszentrum vor einigen Wochen.

Abbott reagierte verschnupft auf die Anschuldigungen. "Wir haben die Boote gestoppt und damit das Sterben auf dem Meer beendetÔÇť, lie├č der Regierungschef verlauten. Schilderungen von Zeugen zeichnen jedoch ein anderes, unmenschliches Bild. So berichtet etwa ein ehemaliger Soldat der australischen Marine gegen├╝ber "Spiegel" von aufgedunsenen K├Ârpern im Wasser und kilometerlangen Leichenketten.

Str├Ąsser fordert legale Fluchtwege nach Europa

Nicht zuletzt deswegen h├Ąlt auch der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Str├Ąsser (SPD), Australiens Modell nicht f├╝r eine Blaupause, die in der EU Anwendung finden k├Ânnte. Er fordert vielmehr das genaue Gegenteil: die Schaffung legaler Fluchtwege aus den Krisenregionen nach Europa.

"Die europ├Ąische Politik der Abschottung muss aufh├Âren", sagte Str├Ąsser im ARD-"Morgenmagazin". Er forderte eine Diskussion dar├╝ber, "dass wir in den Auslandsvertretungen der EU M├Âglichkeiten schaffen, Papiere auszustellen, damit die Leute nach Europa kommen und dort ihre Verfahren betreiben".

Darauf h├Ątten die Fl├╝chtlinge einen Anspruch, sagte der SPD-Politiker, "und da m├╝ssen wir die Wege f├╝r schaffen". Das sei die kurzfristige "Kernaufgabe" angesichts der Fl├╝chtlingstrag├Âdien im Mittelmeer. Solange es keine legalen M├Âglichkeiten f├╝r die Fl├╝chtlinge aus den Krisenregionen gebe, sich mit Schlepperbanden zu organisieren.

Weitere Artikel


Bei dem j├╝ngsten Drama vor der libyschen K├╝ste am Sonntag sind nach UN-Angaben vom Dienstag etwa 800 Menschen ertrunken. Die EU-Au├čen- und Innenminister hatten als Konsequenz am Montag in Luxemburg einen Zehn-Punkte-Plan beschlossen, der unter anderem eine Ausweitung der Seenotrettung und die Zerst├Ârung von Schlepperbooten vorsieht. F├╝r Donnerstag wurde ein EU-Sondergipfel zur Fl├╝chtlingspolitik einberufen.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Von Michaela Koschak
AfghanistanAustralienEUEuropaFl├╝chtlingeGrenzkontrolleIndonesienIranMilit├ĄrMittelmeerSri Lanka
Justiz & Kriminalit├Ąt




t-online - Nachrichten f├╝r Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Str├Âer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverl├Ąngerung FestnetzVertragsverl├Ąngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website