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Papst Franziskus warnt vor "nie dagewesener Zerstörung"

Enzyklika zum Klimawandel  

Papst warnt vor "nie dagewesener Zerstörung"

17.06.2015, 10:57 Uhr | dpa, t-online.de

Papst Franziskus warnt vor "nie dagewesener Zerstörung". Klare Worte: Franziskus hat in seiner Enzyklika den Klimawandel angeprangert. (Quelle: Reuters)

Klare Worte: Franziskus hat in seiner Enzyklika den Klimawandel angeprangert. (Quelle: Reuters)

Papst Franziskus hat vor der vollständigen Zerstörung des Ökosystems in diesem Jahrhundert gewarnt, sollte der Klimawandel nicht rasch gebremst werden. Die Industrieländer hätten eine besondere Verantwortung, da die Folgen vor allem die Armen treffen würden, heißt es in einem Entwurf der Papst-Enzyklika, den das italienische Magazin "L'Espresso" am Dienstag veröffentlichte.

"Falls der jetzige Trend anhält, wird dieses Jahrhundert einen beispiellosen Klimawandel sehen und eine nie dagewesene Zerstörung des Ökosystems, mit schweren Konsequenzen für uns alle", heißt es dem Magazin zufolge in der Enzyklika.

Papst kritisiert den "Wegwerf-Lebensstil"

Der Papst hatte angekündigt, im Vorfeld des Weltklimagipfels Ende des Jahres in Paris mit der Enzyklika in die Debatte einzugreifen. Er will damit die 1,2 Milliarden Katholiken weltweit auf das Thema aufmerksam machen.

"Die Erde, unsere Heimat, scheint sich zunehmend in eine gewaltige Müllhalde zu verwandeln", heißt es im Text weiter. Es gebe "eine große wissenschaftliche Übereinstimmung darin, dass wir eine besorgniserregende Erwärmung des Klimasystems" sehen. Der Papst appelliert an die reichen Länder ihren "Wegwerf-Lebensstil" zu überdenken.

Franziskus nimmt Wissenschaftler sehr ernst

Der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber, hält die Aussagen für ein wichtiges Zeichen für den Umweltschutz. "Wenn das Oberhaupt von mehr als einer Milliarde Katholiken weltweit die Bewahrung der Schöpfung und insbesondere den Schutz der Erdatmosphäre zum Mittelpunkt einer Enzyklika macht, ist das natürlich ein starkes Signal", sagt einer der führenden deutschen Klimaforscher.

Der Papst nehme die Erkenntnisse der Wissenschaft sehr ernst und sehe die ethische Herausforderung, so Schellnhuber. "Schließlich ist der Klimawandel auch eine Frage der Gerechtigkeit: Wir verfeuern fossile Brennstoffe und stoßen Unmengen Treibhausgase aus für unser Wohlleben hier und heute - und bürden die hierdurch entstehenden Risiken, etwa immer extremeres Wetter sowie den Anstieg des Meeresspiegels, anderen auf." Vor allem die armen Länder des Südens würden darunter leiden.

Wirtschaft versucht abzuwiegeln

Die klaren Worte des Kirchenoberhauptes haben zahlreiche Interessensverbände aufgeschreckt, die sich in ihrem Geschäftsgebaren angegriffen fühlen. So fürchten bereits Autobauer, Agrarproduzenten und Energiekonzerne, die Enzyklika könnte ihnen Schaden. Wirtschaftsverbände und Lobbyisten haben versucht, Einfluss zu nehmen und die Worte von Franziskus abzuschwächen.

Vor allem in den USA hat die Enzyklika vorab konservative Kritiker auf den Plan gerufen, die bezweifeln, dass der Klimawandel menschengemacht ist oder überhaupt existiert.

Schon oft wurde Franziskus angekreidet, dass er sich zu sehr in politische Geschäfte einmische. Weil er Auswüchse des Kapitalismus angeprangert hatte, bezeichneten ihn Kritiker als Marxist. Wenn er nun den Umweltschutz in den Fokus stellt, könnte er der Öko-Papst werden. "Es gibt jetzt schon Stimmen, die dem Papst - übrigens mit zweifelhaften Argumenten - die Kompetenz absprechen, zu den brisanten Fragen etwas zu sagen", sagt ein Vertrauter des Vatikans.

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