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Loveparade-Unglück 2010: Bis heute gibt es kein Verfahren

Fünf Jahre nach dem "Totentanz"  

Loveparade-Katastrophe: noch immer kein Prozess

24.07.2015, 13:18 Uhr | dpa, t-online.de

Loveparade-Unglück 2010: Bis heute gibt es kein Verfahren. Loveparade am 24. Juli 2010 in Duisburg: Es kommt zu einer tödlichen Massenpanik. (Quelle: dpa)

Loveparade am 24. Juli 2010 in Duisburg: Es kommt zu einer tödlichen Massenpanik. (Quelle: dpa)

Was unter dem fröhlichen Motto "The Art Of Love" begann, endete in einer Katastrophe: Vor fünf Jahren starben mehrere Menschen, als während der Loveparade in Duisburg eine Massenpanik ausbrach. Bis heute ist ungeklärt, wer für eines der schwersten Unglücke in Deutschland seit Jahrzehnten verantwortlich ist - viele der Akteure von damals lassen sich heute auch nicht mehr vor Gericht stellen.

Ein Samstag im Hochsommer: Die zuvor lange in Berlin beheimatete Loveparade machte erstmals in Duisburg Station. Techno-Fans strömten in Scharen zu dem eingezäunten Veranstaltungsgelände am früheren Duisburger Güterbahnhof. Alle mussten einen schmalen Ein- und Ausgangsbereich passieren. Am Nachmittag konnte diese Rampe die Menschenmassen nicht mehr aufnehmen. Es gab ein furchtbares Gedränge, in dem sich Hunderte verletzten und 21 Besucher starben - viele von ihnen kamen aus dem Ruhrgebiet, andere aus Spanien, China, Australien.

"Die Loveparade wurde zum Totentanz", sagte der damalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider, später bei der Trauerfeier.

Straftaten sind verjährt

Mehr als dreieinhalb Jahre ermittelte die Staatsanwaltschaft, ehe sie im Februar 2014 Anklage erhob. Sechs Bedienstete der Stadt Duisburg und vier Mitarbeiter des Loveparade-Veranstalters Lopavent sollen sich vor Gericht verantworten - wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung. Die Ankläger argumentieren: Die Techno-Parade sei völlig falsch geplant gewesen und hätte nie genehmigt werden dürfen.

Nicht ermittelt wurde gegen den Lopavent-Geschäftsführer Rainer Schaller und Duisburgs früheren Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU). Die Staatsanwaltschaft erklärte: "Es liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass sie selbst Einfluss auf die fehlerhafte Planung oder die Erteilung der rechtswidrigen Genehmigung genommen haben."

Sauerland war nicht bereit, die politische Verantwortung für die Katastrophe zu übernehmen - er wurde im Februar 2012 abgewählt. Weitere Konsequenzen braucht er genauso wenig fürchten wie Schaller: Fast alle Straftaten, die mit der Katastrophe zusammenhängen könnten, sind nach fünf Jahren verjährt.

Auch Duisburgs Ordnungsdezernent, der Leiter des Ordnungsamts, der damalige Polizeieinsatzleiter sowie der Crowd-Manager des Veranstalters müssen sich damit nicht mehr vor Gericht verantworten. Letzter kontrollierte am Unglückstag die Eingangsschleusen des Partygeländes.

Gutachten verzögert den Prozess

Mit der Anklageerhebung war nun das Landgericht Duisburg am Zug - doch bis heute ist die Anklage nicht zugelassen. Um das Hauptverfahren eröffnen zu können, müssen die Richter eine Verurteilung der Angeklagten für wahrscheinlicher halten als einen Freispruch. Was normalerweise eher Formsache ist, scheint der Duisburger Strafkammer im Loveparade-Fall gehöriges Kopfzerbrechen zu bereiten.

Für Zeitverzug sorgt zudem bis heute ein Gutachten von Keith Still, einem britischen Experten für Massenpanik: Es gilt als zentrales Beweismittel der Anklage. Weil dem Gericht die Expertise nicht ausführlich genug erschien, stellte es dem Sachverständigen 75 Nachfragen.

Das ergänzte Gutachten liegt zwar seit einigen Wochen vor. Allerdings können die Verfahrensbeteiligten noch bis zum 25. September Stellung dazu nehmen - und das werden sie, denn das Dokument bietet der Verteidigung viel Angriffsfläche. Beobachter des Verfahrens halten das Gutachten an mehreren Stellen für ungenau, berichtet die "Süddeutsche Zeitung".

Einer der Verteidiger wirft Still demnach auch vor, gegen seine Verschwiegenheitspflicht verstoßen zu haben, weil er im Internet einen Vortrag veröffentlichte, der Inhalte aus seinem Gutachten enthalte. Still habe die Beschuldigten öffentlich diskreditiert - er sei befangen. Andere Anwälte werten das genauso.

Gedenkfeier in Duisburg

Sollte es zu einem Strafprozess um die Loveparade-Katastrophe kommen, wird er in einem Kongresszentrum auf dem Düsseldorfer Messegelände stattfinden. Das Duisburger Landgericht verfügt nicht über einen ausreichend großen Saal. Ein erster Zivilprozess um die Ereignisse vor fünf Jahren findet dagegen am 1. September in dem Duisburger Gericht statt.

Auch der fünfte Jahrestag der Loveparade-Tragödie wird somit kein Tag der juristischen Aufarbeitung, sondern des persönlichen Gedenkens. Am Donnerstagabend veranstaltete eine Betroffenen-Initiative eine "Nacht der tausend Lichter" an der früheren Zugangsrampe. Duisburg plant außerdem eine Gedenkfeier.

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