Sie sind hier: Home > Panorama >

Kampf gegen Kindesmissbrauch: Papst droht Bischöfen mit Absetzung

Kampf gegen Kindesmissbrauch  

Papst droht Bischöfen mit Absetzung

04.06.2016, 19:54 Uhr | dpa, AFP

Kampf gegen Kindesmissbrauch: Papst droht Bischöfen mit Absetzung. Papst Franziskus (Mitte) fordert null Toleranz gegenüber Kindesmissbrauch - auf von seinen Bischöfen und Kardinälen.  (Quelle: AP/dpa)

Papst Franziskus (Mitte) fordert null Toleranz gegenüber Kindesmissbrauch - auf von seinen Bischöfen und Kardinälen. (Quelle: AP/dpa)

Der Vatikan will im Kampf gegen sexuelle Gewalt gegenüber Minderjährigen die Kirchenoberen mehr als bisher in die Pflicht nehmen. Bischöfe, die möglichen Fällen nicht nachgehen und somit nachlässig handeln, sollen künftig ihr Amt verlieren, bestimmte Papst Franziskus in einem neuen Rechtsdokument ("Motu proprio").  

Damit legt der Pontifex eindeutig fest, dass nicht nur Handlungen, sondern auch Unterlassungen im Zusammenhang mit Pädophilie zur Amtsenthebung führen können - auch wenn die Geistlichen selbst keine "schwere moralische Schuld" tragen. 

Vertuschung einer Tat hat künftig Konsequenzen 

Er wolle präzisieren, dass zu den bereits im Kirchenrecht behandelten gravierenden Fällen - wie etwa dem Besitz von kinderpornographischem Material - nun zusätzlich auch die Nachlässigkeit, also etwa die Vertuschung einer Tat, mitgerechnet werde, schrieb der Papst.

Damit werde die Rechtsprechung in Fällen sexueller Gewalt fortgeschrieben, nachdem Benedikt XVI. während seiner Amtszeit die "schwerwiegenden Fälle" genauer definiert hatte, so Radio Vatikan. 

"Sorgfalt im Schutz der Schwächsten" 

Das Apostolische Schreiben trägt den Titel "Wie eine liebende Mutter". Franziskus hebt darin hervor, dass die Kirche "alle ihre Kinder liebt, aber mit einer ganz besonderen Zuneigung die Schwächsten und Wehrlosen umsorgt und schützt". Priester und besonders Bischöfe müssten daher "eine besondere Sorgfalt beweisen im Schutz der Schwächsten unter den Menschen, die ihnen anvertraut sind".

Bereits vor dem Apostolischen Schreiben sah das Kirchenrecht die Möglichkeit vor, Bischöfe aus "schwerwiegenden Gründen" abzuberufen. Mit seinem neuen Schreiben wolle er "präzisieren", dass die genannten "schwerwiegenden Gründe" auch "Nachlässigkeit der Bischöfe in der Ausübung ihres Amtes" beinhalteten, schrieb der Papst. Dies betreffe insbesondere Fälle "von sexuellem Missbrauch bei Minderjährigen und verletzlichen Erwachsenen".

Papst Franziskus erläuterte, dass für die Abberufung eines Bischofs im Falle von Kindesmissbrauch ausreiche, wenn der Mangel an Sorgfalt "schwerwiegend" gewesen sei. In anderen Fällen müsse dieses Versäumnis hingegen "sehr schwerwiegend" sein.

Absetzung kann auch zwangsweise erfolgen 

Franziskus kündigte an, ein Juristengremium, wahrscheinlich bestehend aus Kardinälen und Bischöfen, zu schaffen, das in die heikle Entscheidung, einen Bischof abzusetzen, einbezogen werde. Der beschuldigte Bischof könne zu den Vorwürfen Stellung beziehen. Wenn der Papst die endgültige Entscheidung getroffen hat und ein Bischof sich weigert abzutreten, soll die Absetzung nach zwei Wochen zwangsweise in Kraft treten.

Der Sprecher Lombardi teilte mit, diese Neuerungen stünden in keinem Zusammenhang mit einem konkreten Fall. Außerdem würden sie nicht rückwirkend angewandt.

Null Toleranz gegenüber Kindesmissbrauch

Die katholische Kirche wurde weltweit durch zahlreiche Fälle von Kindesmissbrauch erschüttert, die oft Jahrzehnte zurückreichen. Franziskus rief wiederholt zu null Toleranz gegenüber Kindesmissbrauch auf. Er richtete eine juristische Instanz zur Aburteilung pädophiler Geistlicher ein, beauftragte eine internationale Expertenkommission damit, der Kirche Präventionsmaßnahmen zu empfehlen, und traf sich mit Opfern pädophiler Geistlicher. Dennoch wurden immer wieder Vorwürfe laut, dass die Kirche nicht entschieden genug gegen die Missstände vorgehe.

In seinem Lehrschreiben "Amoris Laetitia" (Freude der Liebe) zum Familienbild der katholischen Kirche bezeichnete der Papst Anfang April Kindesmissbrauch als "eine der skandalösesten und perversesten Wirklichkeiten" der heutigen Gesellschaft. "Der sexuelle Missbrauch von Kindern wird noch skandalöser, wenn er an den Orten geschieht, wo sie geschützt werden müssen, besonders in den Familien, in den Schulen und in den christlichen Gemeinschaften und Institutionen", führte das Kirchenoberhaupt damals aus.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkenbonprix.deOTTOhappy-sizetchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal