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Zugunglück in Bad Aibling: Anklage gegen Fahrdienstleiter erhoben

Zugunglück in Bad Aibling  

Anklage gegen Fahrdienstleiter erhoben

18.07.2016, 18:25 Uhr | dpa

Zugunglück in Bad Aibling: Anklage gegen Fahrdienstleiter erhoben. Am 9. Februar 2016 starben zwölf Menschen bei dem schweren Zugunglück in Bad Aibling. (Quelle: dpa)

Am 9. Februar 2016 starben zwölf Menschen bei dem schweren Zugunglück in Bad Aibling. (Quelle: dpa)

Vor fast einem halben Jahr starben bei einem schweren Zugunglück in Bad Aibling zwölf Menschen, 89 weitere wurden verletzt. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Fahrdienstleiter erhoben. Er soll vor der Kollision zweier Züge durch ein Computerspiel abgelenkt gewesen sein.

Traunsteins Leitender Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese hatte schon wenige Tage nach dem Unglück über den damals 39-jährigen Fahrdienstleiter gesagt: "Hätte er sich regelgemäß, also pflichtgerecht, verhalten, wäre es nicht zum Zusammenstoß gekommen." Der Mann sitzt seit April in Untersuchungshaft.

Ein technischer Defekt konnte nicht festgestellt werden, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte: "Die Überprüfung der bahntechnischen Anlagen an der Unfallstrecke und im Stellwerk einschließlich der Funktechnik durch mehrere technische Sachverständige ergab keine Anhaltspunkte für technische Mängel als Unfallursache."

Trotz Verbots online gespielt?

Es bestehe der Verdacht, dass der Mitarbeiter der Deutschen Bahn "entgegen einem bestehenden Verbot im Dienst bis unmittelbar vor der Kollision der Züge durch die Nutzung eines Online-Computerspiels abgelenkt war", teilte die Ermittlungsbehörde aus Traunstein mit. Daher sei der Mann von falschen Annahmen ausgegangen, was den Kreuzungsverkehr der beiden Züge betrifft.

Das Landgericht Traunstein muss nun prüfen, ob es die Anklage zulässt. Stimmt sie zu, muss die zuständige Kammer eine Hauptverhandlung ansetzen und dafür Termine bestimmen. Die Vorbereitungszeit wird von Verfahrenskennern auf drei bis vier Monate geschätzt. Der Prozess könnte also noch in diesem Jahr beginnen. Die Höchststrafe bei fahrlässiger Tötung beträgt fünf Jahre.

Wegen Fasching waren weniger Passagiere an Bord

Die beiden Meridian-Nahverkehrszüge waren am 9. Februar im oberbayerischen Bad Aibling zusammengestoßen. Die Zahl der Opfer des Zugunglücks wäre womöglich noch deutlich höher gewesen, wenn nicht an jenem Unglückstag, dem Faschingsdienstag, Ferien in Bayern gewesen wären. An Schultagen sitzen in den Meridian-Zügen morgens viele Kinder und Jugendliche.

Die Meridian-Züge auf der Strecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim werden privat von der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) betrieben, einer Tochter der Transdev mit deutschem Sitz in Berlin. Die Infrastruktur wie Gleise und Signalanlagen stellt die Deutsche Bahn.

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