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Flug MH370: Verdacht gegen Piloten erhärtet sich

Waren Passagiere Gefangene?  

Verdacht gegen Piloten von MH370 erhärtet sich

03.08.2016, 12:57 Uhr | dpa

Flug MH370: Verdacht gegen Piloten erhärtet sich. Flügelklappe von MH370 im Australian Transport Safety Bureau (ATSB): Das Trümmerteil ist weitgehend unbeschädigt. (Quelle: dpa)

Gefundene Flügelklappe von MH370: Das Trümmerteil ist weitgehend unbeschädigt. (Quelle: dpa)

Mehr als zwei Jahre nach dem Verschwinden von Flug MH370 erhält ein ungeheuerlicher Verdacht neue Nahrung: Waren die Passagiere bei Bewusstsein und stundenlang Gefangene eines lebensmüden Piloten?

Viele Experten nennen das bis heute unaufgeklärte Verschwinden der Malaysia Airlines-Boeing eines der größten Rätsel der Luftfahrtgeschichte. Die malaysischen Ermittler haben seit der Katastrophe absolut keine plausible Erklärung für die Geschehnisse an Bord zu Tage gefördert. Nun verdichten sich Hinweise, dass die Maschine mit 239 Menschen möglicherweise bis zuletzt von einem Piloten gesteuert wurde. Die Ermittler mauern aber.

Nur Pilot kann Flügelklappen bewegen

Für den erfahrenen kanadischen Flugunfall-Ermittler Larry Vance ist die Sache spätestens seit dem Fund der Flügelklappe vor einem Jahr vor Afrika klar. Die abgerissene Kante könne nur entstanden sein, als die Maschine mit ausgefahrener Klappe aufsetzte und durch das Wasser pflügte. "Jeder musste nach dem Fund zu dem Schluss kommen, dass hier ein Mensch am Werk war - eine andere Erklärung gibt es nicht", sagt Vance in einer Dokumentation des "60 Minutes"-Programms beim australischen Fernsehsender Chanel 9.

Nur ein Pilot kann die Bewegung der Flügelklappen steuern. Sie sind an der Rückseite der Tragflügel und werden vor einer Landung ausgefahren, um den Luftwiderstand zu erhöhen und die Geschwindigkeit zu drosseln. Peter Foley, MH370-Chefermittler der australischen Transportsicherheitsbehörde (ATSB), bestätigt in der Sendung, es sehe ganz so aus, als sei die Flügelklappe ausgefahren gewesen.

Blieb der Flugzeugrumpf intakt? 

Noch eins führt Ermittler Vance an: Wenn das Flugzeug abstürzte, als der Treibstoff ausging, wäre die Maschine beim Aufprall in Millionen Stücke zerschellt. Ein so großes Teil wie die Flügelklappe intakt zu finden, sei unwahrscheinlich. Leichte Teile wie Schwimmwesten oder Sitzkissen hätten auch irgendwo angespült werden müssen. "Ich glaube, das alles mit dem Rumpf gesunken ist, dass die Maschine in wenigen großen Teilen am Meeresboden liegt", sagt Vance.

So wurde im Indischen Ozean nach MH370 gesucht. (Quelle: dpa)So wurde im Indischen Ozean nach MH370 gesucht. (Quelle: dpa)

Für die Australierin Danica Weeks ist das ungeheuerlich. Ihr Mann Paul war an Bord. "Ich fürchte, die Leute haben alle noch gelebt und wussten, was los war, und haben alles in ihrer Macht stehende versucht, um die Situation noch abzuwenden", sagte sie dem Sender.

Das Flugzeug ist nach Satelliten-Auswertungen noch sieben Stunden geflogen, nachdem es vom Radar verschwand. Ist es tatsächlich möglich, dass Passagiere und Crew so lange Gefangene eines lebensmüden Piloten waren? Dass sie womöglich bis zur letzten Sekunde versuchten, die Katastrophe abzuwenden? Was für Szenen hätten sich an Bord abgespielt, Stunden, nachdem Malaysia Airlines das Flugzeug vermisst gemeldet hatte?

Pilot programmierte Flugroute im Simulator

Die Malaysier haben Flugkapitän Zaharie Ahmad Shah (53) schnell von jedem Verdacht freigesprochen. Er habe kein Motiv gehabt, hieß es am ersten Jahrestag der Katastrophe im März 2015. "Es sind keine Episoden von Apathie, Angst oder Reizbarkeit bekannt. Es gab weder Anzeichen von Verhaltensänderungen, noch von sozialer Isolation, neuen Interessen oder Selbstvernachlässigung, und auch keinen Drogen- oder Alkohol-Missbrauch."

Was die Malaysier unter dem Deckel halten: Der Pilot hat in seinem heimischen Flugsimulator ein paar Wochen vor der Tragödie offenbar eine Route programmiert, die genau wie der Flug MH370 in Kuala Lumpur Richtung Norden startete, nach Süden umschwenkte und im südlichen Indischen Ozean endete. Er löschte die Koordinaten, doch habe das amerikanische FBI die Informationen auf der Festplatte gefunden, berichtete das "New York Magazine" unlängst.

Keine klaren Hinweise auf Absturzort

Malaysias Polizeichef Khalid Abu Bakar will auf Reporter-Nachfragen nicht sagen, was die Untersuchung des Simulators ans Licht gebracht hat. Der Pilot sei nicht im Visier der Ermittler. "Die Ermittlungen dauern an und können nur abgeschlossen werden, wenn die Blackboxen gefunden sind", sagt er. Sie müssten technische Flugdaten und etwaige Gespräche im Cockpit aufgezeichnet haben.

Die Suche nach dem Wrack hat bislang nichts gebracht und ist fast abgeschlossen. Sie soll ohne klare Hinweise auf einen anderen Absturzort nicht fortgesetzt werden.

Chefermittler wird deutlich

Auch australische Ermittler wehren sich gegen Medien-Spekulationen zu der FBI-Akte. "Die Information aus dem Flugsimulator zeigt nur die Möglichkeit der Planung (einer solchen Route) auf", teilte die Koordinationsstelle für die Suche (JACC) mit. "Sie deckt nicht auf, was in der Nacht des Verschwindens passiert ist."

Chefermittler Foley wird in dem "60 Minutes"-Programm hingegen deutlicher: "Es ist möglich, dass jemand am Ende die Kontrolle über das Flugzeug hatte, und wir suchen aktiv nach Beweismaterial, um diese Theorie zu unterstützen."

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