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Kolumbien: Fatale Fehleinschätzung verursachte wohl Absturz

Flugzeug-Unglück in Kolumbien  

Fatale Fehleinschätzung verursachte wohl Absturz

01.12.2016, 15:15 Uhr | AFP, t-online.de

Kolumbien: Fatale Fehleinschätzung verursachte wohl Absturz. Rettungskräfte untersuchen die Wrackteile von Flug Lamia 2933. (Quelle: AP/dpa)

Rettungskräfte untersuchen die Wrackteile von Flug Lamia 2933. (Quelle: AP/dpa)

Eine Fehleinschätzung des Piloten hat offenbar 71 Menschen das Leben gekostet: Unglücks-Flug Lamia 2933 stürzte mit großer Wahrscheinlichkeit wegen Treibstoffmangels in Kolumbien ab. Einen geplanten Zwischenstopp zum Auftanken ließ der Pilot wohl bewusst aus. 

Das berichten bolivianische Medien. Demnach hat ein Vertreter der Fluggesellschaft Lamia gesagt, das Flugzeug hätte zwischen dem Start im bolivianischen Santa Cruz und der Landung im kolumbianischen Medellín noch einmal in Bogotá zwischenlanden und tanken müssen. Der Pilot sei aber der Meinung gewesen, dass der Treibstoff reiche.

"Flug Lamia 2933 hat Totalversagen"

Kolumbianische Medien veröffentlichten am Mittwoch den Mitschnitt eines Funkspruchs, mit dem der Pilot der Unglücksmaschine vom Typ Avro RJ85 den Kontrollturm am Flughafen alarmierte. "Flug Lamia 2933 hat Totalversagen, totales elektronisches Versagen, kein Treibstoff", sagt Pilot Miguel Quiroga den Berichten zufolge.

Bereits zuvor habe der Pilot den Kontrollturm darum gebeten, wegen "Treibstoffproblemen" bei der Erteilung der Landegenehmigung bevorzugt zu werden, geht aus dem Mitschnitt weiter hervor. Eingangs des Funkverkehrs bittet die Lotsin den Piloten, wegen einer anderen Maschine im Landeanflug noch sieben Minuten zu warten. "Ich habe eine Maschine unter Ihnen im Anflug... Wie viel Zeit können Sie in Ihrem Anflug bleiben, Lima-Mike-India?", fragt die Fluglotsin.

"Wir haben einen Treibstoff-Notfall", antwortet der Pilot laut Mitschnitt. Nur kurz schickt der Kapitän drängend hinterher: "Ich bitte um sofortige Landeerlaubnis Lima-Mike-India." Darauf folgt der alarmierende Funkspruch: "Flug Lamia 2933 hat Totalversagen, totales elektronisches Versagen, kein Treibstoff".

Als Antwort erhält er, dass die Landebahn "frei" sei sowie die Warnung vor Nässe auf der Piste wegen Regens. "Feuerwehr alarmiert." Dann folgt noch ein kurzer Wortwechsel, in dem der Pilot nach Koordinaten für die Landung fragt und seine Flughöhe durchgibt - in diesem Moment noch rund 2700 Meter. Dann bricht der Funkkontakt ab.

Ermittlungen dauern Monate

Die Blackbox mit Flugdatenschreiber und Stimmrekorder sei in "perfektem Zustand", sagte der Chef der Luftfahrtbehörde, Alfredo Bocanegra. Es könne aber mindestens sechs Monate dauern, bis es gesicherte Erkenntnisse über die Absturzursache gebe.

Die Chartermaschine war in der Nacht zum Dienstag in den Bergen im Nordwesten Kolumbiens abgestürzt. An Bord der Maschine war fast die gesamte Mannschaft des brasilianischen Fußball-Erstligisten Chapecoense. Die Sportler waren auf dem Weg zum Hinspiel des Finales um den Südamerika-Cup gegen den kolumbianischen Rivalen Atlético Nacional. Nur sechs Menschen überlebten das Unglück, darunter drei brasilianische Fußballspieler.

Zehntausende Fans gedenken der toten Fußballer

In der 200.000 Einwohner zählenden Stadt Chapecó versammelten sich am Mittwochabend (Ortszeit) zehntausende Fans im Stadion des Clubs Chapecoense Real, gleichzeitig fand eine Trauerfeier im Stadion von Atlético Nacional statt. Zur selben Stunde hätte am Mittwochabend das Hinspiel des Finals stattgefunden. Wo eigentlich ausgelassenes Public Viewing stattfinden sollte, flossen nun Tränen. Beide Sportstätten waren bis auf den letzten Platz mit weiß gekleideten Trauernden gefüllt.

"Chapecó ist keine große Stadt", sagte Lehrerin Aline Fonseca. Die Spieler seien bekannte Gesichter gewesen, die auf der Straße zu treffen gewesen seien. "Die Stadt ist am Boden zerstört", sagte die 21-Jährige. Zum Wochenende werden die ersten überführten Toten in Chapecó erwartet.

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