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Rechenfehler mindert Aussagekraft der Heinsberg-Studie

Von Nathalie Rippich

Aktualisiert am 07.05.2020Lesedauer: 2 Min.
Hendrik Streeck: Seine Heinsberg-Studie beinhaltet einen Rechenfehler.
Hendrik Streeck: Seine Heinsberg-Studie beinhaltet einen Rechenfehler. (Quelle: /dpa-bilder)
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Sie wollten die Dunkelziffer der Infizierten sowie die Sterblichkeitsrate m├Âglichst genau angeben. Doch Hendrik Streeck und seinem Team ist in der Heinsberg-Studie eine fatale Panne unterlaufen. Das verringert die Aussagekraft.

Etwa 1,8 Millionen Menschen in Deutschland sollen sich laut einer Hochrechnung in der Heinsberg-Studie mit dem Coronavirus infiziert haben. Eine Zahl, die offenbar nicht haltbar ist. Recherchen des S├╝dwestrundfunk (SWR) haben ergeben, dass den Wissenschaftlern der Universit├Ąt Bonn rund um den Virologen Hendrik Streeck offenbar ein Rechenfehler unterlaufen ist. Dieser schm├Ąlert die Aussagekraft der Studie enorm.

Spannbreite f├╝r Dunkelziffer muss deutlich weiter sein

Demnach k├Ânne keine so genaue Dunkelziffer f├╝r die Infiziertenzahlen angegeben werden, sondern maximal eine recht breite Spanne ÔÇô n├Ąmlich zwischen mindestens einer Million und bis zu f├╝nf Millionen Infizierten. ├ähnliche Werte sind durch das RKI aber bereits seit Wochen bekannt.

In der Heinsberg-Studie wurde in dem vom Coronavirus stark betroffenen Ort Gangelt im Kreis Heinsberg eine gro├čangelegte Untersuchung durchgef├╝hrt, um Aussagen ├╝ber die Dunkelziffer der Infiziertenzahlen sowie die Sterblichkeitsrate in Deutschland zu treffen.

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Was Streeck und seine Kollegen in ihrer Berechnung offenbar nicht ber├╝cksichtigt hatten: Unsicherheiten, die Einfluss auf das Ergebnis haben. Zum einen sei die genaue Infektionsrate gar nicht bekannt, zum anderen fehlen auch Informationen dazu, wie viele von den tats├Ąchlich Kranken sterben, erkl├Ąrt etwa der T├╝binger Statistikprofessor Philipp Berens gegen├╝ber dem SWR.

Denn die Sterblichkeitsrate ergibt sich aus dem Anteil der Toten an allen Erkrankten. Nicht nur aus denen, die getestet wurden. Hei├čt: Es k├Ânnen auch Menschen mit Coronavirus sterben, die nicht getestet wurden und somit nicht in den offiziellen Statistiken auftauchen.

Statistiker: Wie ein Wetterbericht

Diese Unsicherheit f├╝hrt dazu, dass die Spannweite, in der das Ergebnis ÔÇô also die gesch├Ątzte Dunkelziffer sowie Sterberate ÔÇô liegt, deutlich gr├Â├čer ist. In der Statistik nennt man diese m├Âgliche Spannweite zwischen Sch├Ątzung und tats├Ąchlichem Ergebnis Konfidenzintervall. Je kleiner das Intervall ist, desto pr├Ąziser ist die Sch├Ątzung. Da aber mehrere Unsicherheiten vorliegen, muss dieses gr├Â├čer sein als von Streeck und Co. angegeben.

Berens vergleicht das Ergebnis der Heinsberg-Studie gegen├╝ber dem SWR mit einem Wetterbericht: Man k├Ânne sagen, dass es vielleicht regnet. "Aber vielleicht ist es auch plausibel, dass die Sonne scheint."

Kritik an Kommunikation der Uni Bonn

Damit ist die besondere Aussagekraft der Studie offenbar dahin, denn auch das RKI gibt seit Wochen eine relativ weite Spanne f├╝r die Dunkelziffer der Infiziertenzahlen in Deutschland an. Das Institut um Lothar Wieler geht davon aus, dass die tats├Ąchliche Zahl etwa elf bis zwanzig mal so hoch ist, wie offiziell bekannt.

Das Team der Heinsberg-Studie gibt zu, dass ein Rechenschritt bei ihrer Untersuchung fehlt. Deshalb sei im ver├Âffentlichten Paper nur eine kurze beispielhafte Hochrechnung ver├Âffentlicht worden.

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Der SWR kritisiert, dass die Uni Bonn, die f├╝r die Studie verantwortlich ist, die Ergebnisse anders vorgestellt habe. So hatten die Verantwortlichen eine ├ťbertragbarkeit auf das ganze Land klar in den Vordergrund gestellt.

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