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USA: Rekordentschädigung nach Justizirrtum

US-Justiz  

Rekordsumme für ein Leben hinter Gittern

27.07.2007, 15:04 Uhr

Ein Bundesgericht in den Vereinigten Staaten hat vier unschuldig Verurteilten eine Entschädigung in Höhe von 101,7 Millionen Dollar (74 Millionen Euro) zugesprochen. Die Bundespolizei FBI habe Beweise dafür zurückgehalten, dass die vier Männer zu Unrecht beschuldigt worden seien, urteilte Richterin Nancy Gertner am Donnerstag in Boston nach Angaben aus Gerichtskreisen.

Zwei der Verurteilten bereits tot
Das falsche Urteil um einen Mord in der Unterwelt war bereits 1965 ergangen. Zwei der Verurteilten starben im Gefängnis, zwei weitere kamen nach rund 30 Jahren frei.

"Absurde" Verteidigung des FBI
Die Anwälte des Justizministeriums argumentierten in dem Schadenersatzverfahren, das FBI sei nicht verpflichtet gewesen, der Staatsanwaltschaft und den Verteidigern Informationen offenzulegen, durch welche die Unschuld der Männer hätte bewiesen werden können. "Die Position der Regierung ist, in einem Wort, absurd", kommentierte Gertner nach Angaben der Zeitung "The Globe" diese Verteidigungslinie.

Belobigungen für ein Lügenmärchen
"FBI-Beamte erlaubten ihren Untergebenen Gesetze zu brechen, Regeln zu verletzen und Leben zu ruinieren", so Gertner. Statt dessen hätten die FBI-Leute Belobigungen und Bonusse erhalten.

Nicht für alles Geld der Welt
"Es war ein harter Weg", sagte der 73-jährige Peter Limone, einer der Freigesprochenen, der 33 Jahre und zwei Monate im Gefängnis verbracht hatte. Zur Zeit seiner Verurteilung waren seine vier Kinder noch klein. Mittlerweile haben sie selbst Kinder. "Alles Geld der Welt könnte mir 33 Jahre nicht ersetzen", so der alte Mann.

Verurteilte waren Mitglieder der Mafia
Drei der vier Männer waren für den angeblichen Mord an dem Mafioso Edward "Teddy" Deegan zunächst zum Tod verurteilt worden; einer erhielt lebenslänglich. Später, als der Staat Massachusetts die Todesstrafe abschaffte, wurden die Strafen der drei ebenfalls in lebenslänglich umgewandelt. Dass alle drei Bostoner Mafia-Größen waren, steht indes außer Zweifel. Das ihnen zur Last gelegte Verbrechen hat jedoch ein anderer veranlasst.

Wer beauftragte Joseph "das Tier"?
Der Mafia-Killer Joseph "das Tier" Barboza hatte im Prozess Lemone und seine drei Mitangeklagten beschuldigt, ihm 7500 Dollar für den Mord an Deegan geboten zu haben. Hinter dem Mord an Deegan steckte jedoch den FBI-Dokumenten zufolge ein anderer Mafiaboss - ein gewisser Vincent "Jimmy" Flemmi. Der war indes ein vom FBI geschätzter Informant. Obwohl die Bundespolizisten von seiner Täterschaft wussten, ließen sie zu, dass Limone, sein "Consigliere" (Unterboss) Henry Tameleo sowie die "Fußsoldaten" Joseph Salvati und Louis Greco verrurteilt wurden.

Das Geld fließt noch nicht
Bis die Überlebenden Limone und Salvati das Geld erhalten, werden allerdings noch mindestens zwei Jahre vergehen. So lange dürfte es dauern bis das nächste Revisionsverfahren, das das Justizministerium mit Sicherheit anstrengen wird, entschieden ist. Die Zeit läuft gegen die italienischstämmigen Männer. Beide haben angekündigt, einen Großteil der Summe in die Ausbildung ihrer Enkel zu investieren.#



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