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Fall Lea-Sophie: Anklage wirft Eltern grausame Tötung vor

Hungertod der fünfjährigen Lea-Sophie  

Anklage wirft Eltern grausame Tötung vor

15.04.2008, 16:25 Uhr | AFP

Stefan T. hatte nach eigenen Aussagen nie ein enges Verhältnis zu seiner Tochter (Quelle: dpa)Stefan T. hatte nach eigenen Aussagen nie ein enges Verhältnis zu seiner Tochter (Quelle: dpa) Fünf Monate nach dem Hungertod der kleinen Lea-Sophie hat am Dienstag vor dem Schweriner Landgericht der Prozess gegen die Eltern begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft der 24 Jahre alten Mutter und dem 26 Jahre altem Vater Mord durch Unterlassen und Misshandlung von Schutzbefohlenen vor. Zu Beginn der Verhandlung äußerte der Vater Stefan T. Bedauern über den Tod der Fünfjährigen.

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Mutter äußert sich nicht

"Ich habe als Vater versagt. Es tut mir alles unendlich leid", hieß es in einer von seinem Anwalt verlesenen Stellungnahme. Die Mutter Nicole G. wollte sich vorerst nicht äußern. Die Anklage wirft den Eltern vor, ihre Tochter gemeinsam "roh misshandelt, böswillig vernachlässigt und grausam getötet" zu haben.

"Gefühlskalt und mitleidslos"

Lea-Sophie war erst kurz vor ihrem Tod ins Krankenhaus gekommen. Ihr vollkommen ausgemergelter Körper wog da nur noch 7,4 Kilogramm. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ließen die beiden arbeitslosen Eltern das Mädchen nach und nach verhungern und verwahrlosen. "Gefühlskalt und mitleidslos" hätten sie ihrer Tochter zum Schluss gegenübergestanden, sagte Staatsanwalt Jörg Seifert.

Eltern kümmerten sich immer weniger

Laut Anklage verweigerte die "chronisch unterernährte" Lea-Sophie nach der Geburt ihres Bruders Justin Ende September 2007 häufig das Essen. Dies habe die Eltern immer weniger gekümmert. Sie brachten sie nicht mehr an die frische Luft und ließen sie in ihrem Zimmer sitzen und liegen. Die dadurch entstandenen Liegegeschwüre müssen der Kleinen laut Staatsanwaltschaft erhebliche Schmerzen bereitet haben. Da Lea-Sophie in die Hosen machte, trug sie zwar Windeln. Diese wurden aber nur in mehrtägigem Abstand gewechselt.

Mit der Geburt des Bruders ging es bergab

In der von seinem Anwalt Ralph Schürmann verlesenen Erklärung versicherte Stefan T., er habe "immer gehofft, dass alles von allein wieder normal wird". Die Eltern hätten auf Lea-Sophie eingeredet, sie möge essen. "Alle Appelle an die Vernunft blieben ergebnislos." Zwar habe er bemerkt, dass Lea-Sophie immer dünner wurde. Von ihren Liegegeschwüren habe er nichts gewusst, weil Nicole G. für die Körperpflege zuständig gewesen sei. Er selbst habe nie ein sehr enges Verhältnis zur Tochter aufbauen können, erklärte der Vater. Er betonte, bis zur Geburt des kleinen Bruders habe es keinen Grund gegeben, sich um Lea-Sophie Sorgen zu machen. Sie sei dünn, aber rundum gesund gewesen.

Großvater wandte sich ans Jugendamt

Der Fall hatte zu heftiger Kritik an den zuständigen Behörden in Schwerin geführt. Der Großvater hatte sich seit November 2006 mehrmals an das Schweriner Jugendamt gewandt und berichtet, Lea-Sophie sei sprachlich unterentwickelt und sehr dünn. Sie werde von ihren Eltern nicht zu Vorsorgeuntersuchungen gebracht und gehe nicht wie 95 Prozent ihrer Altersgenossen in Schwerin in den Kindergarten.

Sozialarbeiter reagierten nicht

Da der Mann an jeweils andere Sozialarbeiter geriet, wurden seine Hinweise nicht in einer "Gesamtschau" als Alarmsignal gesehen, heißt es im Bericht eines Untersuchungsausschusses der Stadtvertretung. Hätte das Jugendamt professioneller reagiert, wäre der Tod der Kleinen demnach vermeidbar gewesen. Wegen des Falles muss sich der Schweriner Oberbürgermeister Norbert Claussen (CDU) Ende April einem Bürgerentscheid stellen, in dem darüber entschieden wird, ob er im Amt bleibt. Die Abwahl des politisch verantwortlichen Sozialdezernenten Hermann Junghans (CDU) fand dagegen in der Stadtvertretung nicht die notwendige Zweidrittel-Mehrheit.

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