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Justizirrtum in Großbritannien: 27 Jahre zu Unrecht im Gefängnis

Häftling in Großbritannien kommt nach DNA-Test frei  

27 Jahre zu Unrecht im Gefängnis

12.03.2009, 15:00 Uhr | dpa

Ein wegen Mordes verurteilter Engländer hat offensichtlich zu Unrecht 27 Jahre im Gefängnis gesessen. Der 57-Jährige steht aufgrund neuer Erkenntnisse eines DNA-Tests unmittelbar vor der Freilassung, berichteten britische Medien.

Der Mann war 1982 wegen Mordes an einer 22-jährigen Barfrau zu einer lebenslangen Haft verurteilt worden. Zwar hatte der Mann während des Prozesses seine Unschuld beteuert, allerdings hatte er zuvor die Tat mehrfach eingeräumt. Ein erst jetzt von einem neuen Verteidiger-Team beantragter Test zeigte, dass die DNA-Spuren vom Tatort nicht mit denen des Verurteilten übereinstimmen.

Urteil von 1982 könnte gekippt werden

Zum Zeitpunkt der Gerichtsverhandlung waren DNA-Tests noch nicht möglich. Erst im vergangenen März nahm sich ein neues Verteidiger-Team des Falls an. Eingelagertes Material vom Tatort wurde auf DNA-Spuren untersucht und mit den Erbinformationen des Häftlings abgeglichen, ohne eine Übereinstimmung zu finden. Sollte ein Berufungsgericht in der kommenden Woche wie erwartet das Urteil aus dem Jahr 1982 kippen, wäre der Mann einer der am längsten unschuldig eingesperrten Menschen in Großbritannien.

Hohe Entschädigung möglich

Wegen des Justizirrtums könnte der 57-Jährige nun Anspruch auf eine Entschädigung von mindestens einer Million Pfund haben, spekulierte der "Daily Telegraph". Der Fall ist nur mit dem eines Mannes vergleichbar, der fälschlicherweise wegen Mordes an einer Schreibkraft verurteilt worden war und im Jahr 2002 ebenfalls nach 27 Jahren entlassen wurde.

Geisteszustand nicht untersucht

Die Barfrau war 1979 vergewaltigt und erwürgt worden. Gegenüber einem Priester und den Ermittlern hatte der Verdächtige damals die Tat gestanden. Aber obwohl er offensichtlich einen Drang hatte, Verbrechen zu gestehen, die er gar nicht begangen hatte, wurde der Geisteszustand des Mannes nicht unter die Lupe genommen. Aufgrund seiner früheren Geständnisse und Blutspuren am Tatort, die zwar mit der Blutgruppe des Angeklagten aber auch mit dem Blut eines Drittels der männlichen Bevölkerung übereinstimmten, wurde er von einer Geschworenenjury einstimmig verurteilt.

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