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Mutmaßlicher NS-Verbrecher Demjanjuk ist haftfähig

Mutmaßlicher NS-Verbrecher ist haftfähig  

Demjanjuks "Zustand ist gut"

13.05.2009, 12:19 Uhr | dpa, AFP

John Demjanjuk sitzt in der JVA München-Stadelheim in U-Haft (Foto: AP)John Demjanjuk sitzt in der JVA München-Stadelheim in U-Haft (Foto: AP)

Der mutmaßliche Nazi-Verbrecher John Demjanjuk ist nach Einschätzung der Ärzte der Münchner Haftanstalt Stadelheim haftfähig. "Sein Zustand ist gut - er ist nicht altersadäquat, sondern besser als man es bei einem 89-Jährigen erwarten kann", sagte der stellvertretende JVA-Leiter Jochen Menzel. Die für einen Prozess entscheidende Frage der Verhandlungsfähigkeit ist damit aber noch nicht geklärt. Ein medizinisches Gutachten dazu wird noch erarbeitet.

Es liege nicht in der Hand der Staatsanwaltschaft, wann dies abgeschlossen werde, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft München I, Anton Winkler. "In dieser Woche rechne ich nicht mehr mit einer Entscheidung. Wenn, dann frühestens nächste Woche."

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Gesundheitszustand kann sich ändern

"Zur Zeit ist er ohne Zweifel haftfähig", sagte Menzel weiter. In Demjanjuks Alter könne sich der Gesundheitszustand allerdings stündlich ändern. Die Staatsanwaltschaft München will in wenigen Wochen Anklage gegen den gebürtigen Ukrainer erheben. Er soll 1943 im Vernichtungslager Sobibor im besetzten Polen Beihilfe zum Mord an mindestens 29.000 Juden geleistet und Menschen in die Gaskammern getrieben haben.

Am Dienstag aus den USA eingetroffen

Die Verteidiger Demjanjuks argumentieren, ihr Mandant sei allein deshalb nicht verhandlungsfähig, weil er permanent Schmerzmittel nehmen müsse und sich wegen der Einnahme der Medikamente nicht selbst verteidigen könne. Dies ist aber Voraussetzung für eine Verhandlungsfähigkeit. Demjanjuk war am Dienstag von den USA an Deutschland ausgeliefert worden. Er soll 1943 für ein halbes Jahr zu den Wachmannschaften im NS-Vernichtungslager Sobibor gehört haben. Demjanjuk bestreitet, je in Sobibor gewesen zu sein.

Nazi-Jäger Klarsfeld will als Nebenkläger auftreten

Der französische Nazi-Jäger Serge Klarsfeld hat derweil den geplanten Prozess begrüßt. "Es ist positiv, dass die Nazi-Verbrechen bis zum letzten Atemzug des letzten Verbrechers verfolgt werden", sagte Klarsfeld. Demjanjuk stehe für alle KZ-Bewacher, die den Holocaust in die Tat umgesetzt hätten. Klarsfeld kündigte an, mit Angehörigen von im NS-Vernichtungslager Sobibor getöteten Juden aus Frankreich bei dem Verfahren in Deutschland als Nebenkläger aufzutreten.

Verfahren in Frankreich war gescheitert

Demjanjuk sei einer der Handlanger des Holocausts gewesen, sagte Klarsfeld, der zusammen mit seiner deutschen Frau Beate jahrzehntelang flüchtige Nazis verfolgt und vor Gericht gebracht hat. Aus Frankreich seien 1943 etwa 4000 Juden nach Sobibor gebracht worden. Es habe weniger als 15 Überlebende gegeben. Ein in den 90er Jahren gegen Demjanjuk in Frankreich angestrengtes Verfahren habe zu nichts geführt, weil es der Justiz nicht gelungen sei, Zeugenaussagen zu erhalten.


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