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Hohe Haftstrafe für den Vergewaltiger

Prozess in Bielefeld  

Hohe Haftstrafe für den Vergewaltiger

24.08.2009, 20:36 Uhr | dpa, dapd

Mit seinem Auto hatte der Angeklagte die 13-Jährige auf ihrem Fahrrad angefahren und dann das verletzte Mädchen vergewaltigt (Fotos: dpa)Mit seinem Auto hatte der Angeklagte die 13-Jährige auf ihrem Fahrrad angefahren und dann das verletzte Mädchen vergewaltigt (Fotos: dpa)

Hohe Haftstrafe für ein widerwärtiges Verbrechen: Weil er eine 13-jährige Radlerin zuerst mit seinem Auto anfuhr und dann vergewaltigte, muss ein 31 Jahre alter Familienvater zehn Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Das gut zweistündige Martyrium des Mädchens, das schon bei dem Unfall ein Schädelhirntrauma und einen schweren Kieferbruch erlitt, hatte sich am Ostermontag im ostwestfälischen Hille, gut 40 Kilometer nördlich von Bielefeld, abgespielt.

Der Angeklagte Björn P. vor dem Landgericht in Bielefeld (Foto: dpa)Der Angeklagte Björn P. vor dem Landgericht in Bielefeld (Foto: dpa) Der Vorsitzende Richter am Landgericht in Bielefeld sprach in seinem Urteil von einer "besonders abscheulichen Tat, die überall Fassungslosigkeit hervorruft". Der Angeklagte habe das Mädchen seiner "Lebendigkeit, Kindlichkeit und unbeschwerten Lebensfreude beraubt".

Schwerer Kindesmissbrauch

Die Kammer schloss sich mit ihrem Urteil der Forderung der Staatsanwältin an. Sie hatte die Auffassung vertreten, dass der Hilfsarbeiter aus Lübbecke das Mädchen mit voller Absicht angefahren hatte. Das Gericht sprach den Täter des besonders schweren Kindesmissbrauch, der besonders schweren Vergewaltigung, der gefährlichen Körperverletzung, der Freiheitsberaubung und zudem des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr für schuldig. Über die Haftstrafe hinaus muss der 31-Jährige fünf Jahre lang seinen Führerschein abgeben.

"Reue kam nicht an"

"Reue ist bei uns nicht angekommen", hielt der Richter dem Kinderschänder vor. "Einen derart brutalen Überfall auf ein Mädchen habe ich noch nicht erlebt", hatte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer erklärt. Die Tat suche an Emotionslosigkeit und Kaltschnäuzigkeit ihresgleichen. Der Angeklagte habe die 13-Jährige auf ihrem Fahrrad gesehen, beobachtet und schließlich mit seinem Auto von der Straße abgedrängt, um sie zu vergewaltigen.

Es sprach fast nur der Anwalt

Der große, stämmige Angeklagte mit Drei-Tage-Bart und kurzem Stoppelhaar, selbst Vater von fünf Kindern, blickte fast den gesamten Prozess über auf den Boden. Er hatte während der Verhandlung fast ausschließlich seinen Anwalt sprechen lassen. In seinem knappen Entschuldigungsbrief an die Familie des Opfers, den der Richter verlas, heißt es unter anderem: "Wenn ich nur könnte, würde ich den Tag rückgängig machen." Allerdings bestritt der Verteidiger, dass die Tat und der Unfall geplant gewesen seien. Er hatte deshalb sechs Jahre Haft für seinen Mandanten gefordert.

Geständnis zum Teil wiederrufen

In einem Polizeiverhör in der Nacht nach der Tat hatte der Angeklagte noch gesagt, dass er die Schülerin gezielt von der Straße abdrängen wollte. Schon länger habe er ein Mädchen vergewaltigen wollen. Zum Prozessauftakt gestand er aber nur noch, das Mädchen mit seinem Auto angefahren und sich an dem schwer verletzten Opfer vergangen zu haben. Im Gegensatz zu früheren Vernehmungen bestritt er jedoch, den Unfall absichtlich herbeigeführt zu haben.

Mutter: "Sichere Fahrerin"

Dieses Zurückrudern nahm das Gericht dem Täter nicht ab. Auch die These, der Unfall hätte durch einen Fahrfehler des Mädchen verursacht werden können, kam beim Gericht nicht an. Die Mutter der 13-Jährigen hatte ihre Tochter als "sichere Fahrradfahrerin" beschrieben.

Psychische Folgen nicht absehbar

"Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann will er es auch haben", sagte der psychiatrische Gutachter über den Angeklagten. Nach Auffassung des Gerichts hatte dieser dem Kind nach der Kollision vorgelogen, es nach Hause fahren zu wollen. An einem Feldweg soll er über das Mädchen hergefallen sein und ihm ins Gesicht geschlagen haben, als es sich wehrte. Nach einem Fluchtversuch des Kindes soll er es eingefangen und später barfüßig und blutend wieder ausgesetzt haben. Das Mädchen, das sich bisher nicht an die Tat erinnert, lag zwei Wochen im Krankenhaus. Die psychischen Folgen beim Opfer seien nicht absehbar, so der Richter.

Wiederholungsgefahr nicht ausgeschlossen

Ein Gutachter erklärte am Montag, eine Wiederholungsgefahr sei bei dem 31-Jährigen nicht auszuschließen. Anzeichen auf eine verminderte Schuldfähigkeit zum Tatzeitpunkt gab es ebenfalls nicht.

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