Sie sind hier: Home > Panorama > Justiz >

Schweinfurt: Vater gesteht Tötung seiner Tochter

Prozess in Schweinfurt  

Vater gesteht Tötung seiner Tochter

24.02.2010, 17:52 Uhr | dapd, dpa

Prozesse: Der Angeklagte räumte vor Gericht die Tötung seiner 15-jährigen Tochter ein. (Foto: ddp)Der Angeklagte räumte vor Gericht die Tötung seiner 15-jährigen Tochter ein (Foto: ddp) Vor dem Landgericht Schweinfurt hat ein türkischer Familienvater gestanden, seine 15 Jahre alte Tochter getötet zu haben. Er widersprach allerdings, es habe sich um einen sogenannten Ehrenmord gehandelt.

"Das, was ich getan habe, ist furchtbar", ließ der Angeklagte von seinem Verteidiger erklären. "Das, was geschehen ist, hat auf keinen Fall etwas mit Familienehre zu tun." Er sagte, er habe aus einer Depression heraus gehandelt.

Angeblich "weißer Glanz" vor den Augen

Er sei schon Wochen vor der Bluttat zunehmend von Alpträumen um seine Tochter geplagt worden, erklärte der 46-Jährige. Er habe Angst um sie gehabt. In der Mordnacht habe er Geräusche im Haus gehört und sich deshalb mit dem Messer bewaffnet. Plötzlich habe er "einen weißen Glanz" vor seinen Augen gesehen und auf seine schlafende Tochter eingestochen. Diese habe sich gegen den Angriff gewehrt. Das Mädchen verblutete nach 68 Messerstichen. "Ich habe nach meiner Erinnerung fünfmal zugestochen", sagte er vor Gericht.

Gegen Freund der Tochter

Der Dönerbudenbesitzer erklärte, er habe das älteste seiner drei Kinder über alles geliebt. Laptop und Handy habe er ihr geschenkt. Die Frage, ob seine Tochter seiner Meinung nach zu viel Zeit im Internet verbracht habe, bejahte er. Auch das Handy der Tochter habe er kontrolliert. Aus Sorge, so die Begründung des Mannes. "Ich hatte Angst um Büsras Zukunft, auch dass sie von Männern ausgenutzt wird." Den Freund der Tochter lehnte der Türke ab.

"Für Wohl der Familie verantwortlich"

Das Verhältnis zu der 15-Jährigen beschrieb der Mann als zunehmend schwierig. Büsra sei respektlos, ungeduldig und stur gewesen. Immer wieder seien junge Männer vor dem Mehrfamilienhaus in der Schweinfurter Innenstadt aufgetaucht. Angstgefühle und Traurigkeit will der 46-Jährige oft gespürt haben. Nachts habe er davon geträumt, dass Büsra entführt und ermordet werde. "Ich fühlte mich für das Wohl meiner Familie verantwortlich", ließ der hagere Mann von seinem Verteidiger erklären.

"Ich begreife meine Tat nicht"

Der Mann, der seine Aussagen vor Gericht auf Türkisch machte, lebt seit 1991 in Deutschland. Er erzählte von seinem strengen Vater, von Autorität, seinen Depressionen. Am Tattag sei er verwirrt gewesen. Er könne nicht glauben, was er getan habe. "Ich begreife meine Tat nicht." Er habe es seiner Tochter an nichts fehlen lassen und sei stolz auf sie gewesen, beteuerte er.

Angehörige rief Polizei

Die Polizei hatte die Leiche des Mädchens nach dem Anruf einer Angehörigen in der Wohnung der Familie im nordbayerischen Schweinfurt gefunden. Vom Vater fehlte zunächst jede Spur. Polizeibeamte griffen ihn später in der Innenstadt auf. Nach seiner Verhaftung gestand er die Bluttat.

"Mit dem Lebensstil nicht einverstanden"

Die Anklage geht entgegen der Aussagen des Angeklagten von einem Ehrenmord aus. "Der Angeklagte war mit dem modernen Lebensstil seiner Tochter nicht einverstanden", sagte Oberstaatsanwalt Rainer Gündert. Büsra habe einen Freund gehabt und sei im Internet gesurft - ihrem Vater habe das nicht gefallen. Mit dem Angriff habe die junge Türkin nicht gerechnet. Laut Polizeiangaben soll der 46-Jährige nach der Tat ausgesagt haben, er habe Probleme damit gehabt, dass die 15-jährige Schülerin nicht den "muslimischen Weg" gehen wollte.

Verwandte als Wächter der Sittlichkeit

In Deutschland werden immer wieder vor allem muslimische Frauen wegen ihres Lebenswandels getötet - vielfach wird von sogenannten Ehrenmorden gesprochen. Die "Ehrlosen" werden häufig von Verwandten umgebracht, die sich zu Wächtern der Sittlichkeit berufen fühlen.

25 Zeugen sollen gehört werden

Für den Prozess, der unter regem Andrang von Medien und Zuschauern begann, sind bis zum 10. März fünf Verhandlungstage angesetzt. Es sollen 25 Zeugen und zwei Sachverständige aussagen.

Mehr aktuelle Nachrichten
Newsticker Immer informiert


Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Nichts für Warmduscher: coole Badezimmereinrichtungen
jetzt auf otto.de
Gerry Weberbonprix.deOTTOCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
  • giga.de
  • desired.de
  • kino.de
  • Statista
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Magenta TV
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Magenta Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2019