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Breivik: "Das waren keine unschuldigen Kinder"

Breivik vor Gericht: "Das waren keine unschuldigen Kinder"

17.04.2012, 12:49 Uhr | dapd, dpa, t-online.de, AFP

Breivik: "Das waren keine unschuldigen Kinder". Am zweiten Prozesstag sagt der Massenmörder Anders Behring Breivik vor Gericht aus (Quelle: Reuters)

Am zweiten Prozesstag sagt der Massenmörder Anders Behring Breivik vor Gericht aus (Quelle: Reuters)

Mit einer schwer erträglichen Erklärung des norwegischen Massenmörders Anders Behring Breivik ist der Prozess gegen den Rechtsextremisten in Oslo fortgesetzt worden. In einer Mischung aus Rechtfertigungen und wirren politischen Statements berichtete der 33-Jährige stolz von seinem Massaker. Er habe aus Selbstverteidigung gehandelt und würde es wieder tun.

Seine Tat sei der spektakulärste politische Angriff eines Nationalisten seit dem zweiten Weltkrieg, sagte Breivik. Seine Rhetorik habe er aus Rücksicht auf die Opfer abgeschwächt. Insgesamt sind fünfeinhalb Tage für die Aussagen des Rechtsextremisten angesetzt.

Breivik vergleicht Sozialdemokraten mit Hitlerjugend

"Das waren keine unschuldigen Kinder, sondern politische Aktivisten, die für den Multikulturalismus arbeiteten", sagte Breivik zu seinem Massaker in einem Jugendcamp auf der Fjordinsel Utöya. Dort hatte der Angeklagte nach eigenem Geständnis 69 Teilnehmer eines Sommerlagers kaltblütig erschossen. Breivik verglich die sozialdemokratische Jugendorganisation AUF mit der Hitlerjugend.

Er bezog sich in seiner Aussage auch auf die Zwickauer Terrorzelle NSU in Deutschland. Die Gegner von Einwanderung und Multikulturalismus hätten sich seit dem Zweiten Weltkrieg nicht frei äußern dürfen, sagte der 33-Jährige. "Es sind diese Ungerechtigkeiten, die mich, den Lasermann in Schweden und die NSU in Deutschland geschaffen haben", sagte der Islamhasser.

Der als "Lasermann" bekanntgewordene Schwede John Ausonius hatte von 1991 bis 1992 mit einer Schusswaffe Jagd auf dunkelhäutige Opfer gemacht. Er wurde wegen Mordes und neun Mordversuchen zu lebenslanger Haft verurteilt. In Deutschland war im vergangenen Jahr eine beispiellose Mordserie der Terroristen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) aufgeflogen.

Insgesamt 77 Menschen getötet

Breivik steht seit Montag in Oslo wegen "Terrorakten" vor Gericht. Er bekannte sich bereits zum Prozessauftakt zu dem Amoklauf auf Utoya sowie zu einem Bombenanschlag in Oslo. Dabei wurden insgesamt 77 Menschen getötet. Der Attentäter begründete das Massaker damit, dass es in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg keine wahre Demokratie mehr gegeben habe.

Das Volk sei beschwindelt worden. Da eine friedliche Revolution nicht möglich sei, sei Gewalt die einzige Möglichkeit. Seine Attentate würde er wiederholen, sagte der Rechtsradikale mit ruhiger Stimme. "Ja, ich würde das wieder machen."

Richter und Staatsanwaltschaft hörten mit versteinerter Miene zu. Angehörige der Opfer beschwerten sich über den langen Vortrag des Angeklagten. Über ihre Anwälte forderten sie Breivik auf, seine Stellungnahme abzukürzen. Breivik las mit ruhiger Stimme seine auf 13 Seiten vorbereitete Rede vor.

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Laienrichter wegen Befangenheit ausgetauscht

Vor der Aussage Breiviks war das Verfahren kurz unterbrochen worden, da ein Laienrichter wegen Befangenheit ausgetauscht wurde. Der 33 Jahre alte Schöffe hatte zugegeben, nach den Anschlägen im Sommer 2011 einen Artikel der Zeitung "VG" im sozialen Netzwerk Facebook mit den Worten kommentiert zu haben: "Die Todesstrafe ist das einzig gerechte in diesem Fall!"

Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung hatten gefordert, dass er vom Prozess ausgeschlossen wird. Ein Ersatzschöffe rückt nun auf. Das Gericht hatte bereits im Vorfeld des Prozesses zwei der fünf berufenen Laienrichter ausgeschlossen. Ein Mann wurde für befangen erklärt, weil sein Sohn Mitglied der sozialdemokratischen Jugend AUF ist.

Angeklagter möchte als zurechnungsfähig gelten

In dem auf zehn Wochen angesetzten Verfahren wird es vor allem darum gehen, ob Breivik zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig war und damit zu der in Norwegen geltenden Höchststrafe von 21 Jahren verurteilt werden kann. Der Angeklagte selbst möchte unbedingt als zurechnungsfähig gelten, das erklärte sein Anwalt bei seiner Auftakterklärung. Das Urteil wird im Juli erwartet, also ungefähr ein Jahr nach der Tat vom 22. Juli 2011.

Kurz vor Prozessbeginn stufte ein neues psychiatrisches Gutachten den Angeklagten als voll zurechnungsfähig ein. Im ersten Gutachten war Breivik wegen "paranoider Schizophrenie" für unzurechnungsfähig erklärt worden. Folgen die zwei Berufs- und drei Laienrichter dieser Einschätzung, würde Breivik in eine geschlossene psychiatrische Klinik eingewiesen.

"Retter von Utoya" will sich eigenes Bild machen

Der als "Retter von Utoya" bekannt gewordene Marcel Gleffe aus dem mecklenburgischen Teterow will sich derweil in Oslo ein eigenes Bild machen. "Der Prozess wühlt jetzt vieles in meinem Kopf wieder auf", sagte der 32 Jahre alte Dachdecker der Zeitschrift "Super Illu". "Aber ich will es live im Gerichtssaal verfolgen, um mir eine eigene Meinung bilden zu können."

Am ersten Prozesstag blieb Gleffe dem Bericht zufolge dem Gerichtssaal noch fern, um den Fotografen und Kameraleuten aus dem Weg zu gehen. Der in Norwegen lebende Deutsche hatte bei dem Amoklauf mindestens 20 Menschen vor dem Tod bewahrt, indem er sie mit seinem Boot aus dem Wasser zog.

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