Sie sind hier: Home > Panorama > Justiz >

Jonny K.-Prozess droht nach Schöffen-Äußerung zu platzen

Jonny K.-Prozess droht nach Schöffen-Äußerung zu platzen

30.05.2013, 18:09 Uhr | dpa

Jonny K.-Prozess droht nach Schöffen-Äußerung zu platzen. Seit Mitte Mai müssen sich die Angeklagten vor dem Berliner Landgericht verantworten (Quelle: Reuters)

Seit Mitte Mai müssen sich die Angeklagten vor dem Berliner Landgericht verantworten (Quelle: Reuters)

Wegen der Äußerung eines verärgerten Schöffen ist ungewiss, wie der Prozess um die tödliche Prügelattacke auf Jonny K. vor dem Berliner Landgericht weitergeht. Die Verteidigung beantragte, einen Laienrichter als befangen auszuschließen. Dieser hatte die Aussagen eines Augenzeugen, der sich auf Erinnerungslücken berief, mit den Worten kommentiert: "Sind Sie zu feige oder wollen Sie uns verarschen?"

Sollte das Berliner Landgericht dem Antrag folgen, müsste der Prozess neu aufgerollt werden. Ersatzschöffen waren nicht bestellt. Das Gericht will bis kommenden Donnerstag über den Ablehnungsantrag gegen den Laienrichter entscheiden. 

Der 20-jährige Jonny K. war laut Anklage in der Nacht zum 14. Oktober 2012 am Berliner Alexanderplatz mit Schlägen und Tritten so heftig angegriffen worden, dass er stürzte und später an Gehirnblutungen starb. Sein Tod hatte bundesweit Bestürzung ausgelöst.

Sechs Männer im Alter von 19 bis 24 Jahren sitzen wegen Körperverletzung mit Todesfolge beziehungsweise gefährlicher Körperverletzung auf der Anklagebank. Alle haben Schläge oder Tritte eingeräumt. Die Verantwortung für den Tod wiesen die Angeklagten aber zurück.

"Wissen Sie überhaupt, worum es geht?"

Ein 23 Jahre alter Augenzeuge und zwei seiner Freunde beantworteten am vierten Verhandlungstag fast alle Fragen des Gerichts mit den Worten: "Ich weiß es nicht, ich kann mich nicht erinnern". Der Vorsitzende Richter Helmut Schweckendieck äußerte Unverständnis: "Es fällt schwer, das zu glauben. Wissen Sie überhaupt, worum es in dem Prozess geht?"

Auch Schweckendieck kritisierte dann die Wortwahl des Schöffen. Die Staatsanwaltschaft teilte den Ärger über die Äußerung, sprach sich aber gegen eine Ablehnung des Laienrichters aus. Aus Sicht der Verteidigung ist mit einem Schöffen, der sich zu so einer Wortwahl hinreißen lässt, jedoch kein faires Verfahren zu erwarten.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal