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Gustl Mollath kündigt Buch über "System der Psychiatrie" an

Mollath kündigt Abrechnung an  

"Schlimme Dinge und grausame Schicksale"

08.08.2013, 11:20 Uhr | t-online.de

Gustl Mollath kündigt Buch über "System der Psychiatrie" an. Gustl Mollath nach seiner Entlassung aus der Psychiatrie: Der 56-Jährige will sich gegen das "System der Psychiatrie" wehren (Quelle: dpa)

Gustl Mollath nach seiner Entlassung aus der Psychiatrie: Der 56-Jährige will sich gegen das "System der Psychiatrie" wehren (Quelle: dpa)

Nach seiner überraschenden Entlassung aus einem Bayreuther Krankenhaus kündigt Gustl Mollath eine Abrechnung mit dem "System der Psychiatrie" an: In einem Interview prangert er "schlimme Dinge und grausame Schicksale" an, die an die Öffentlichkeit kommen werden. Die breite Bevölkerung habe "keine Vorstellungen" von den tatsächlichen Zuständen, sagte Mollath der "Süddeutschen Zeitung". Er rechne dabei mit "großem Aufwand und viel Quälerei".

Sein Ziel sei, vollständig rehabilitiert aus dem neuen Prozess zu gehen, sagte Mollath. Nun will er laut dem Interview ein Buch schreiben, über das ganze System, wo er "der Willkür ausgesetzt" war und sich "nicht wehren" konnte. "Es gibt viele Bürger, die nicht nur mein Fall interessiert, sondern das ganze System der Psychiatrie", sagte er. Angebote von Verlagen soll es bereits geben.

Kliniken als "rechtsfreier Raum"

Die Kliniken wären "de facto ein rechtsfreier Raum. Der größte Teil der Menschen ist auf Gedeih und Verderb den Ärzten und dem Personal ausgeliefert. Wenn es darauf ankommt, versagen die Kontrollinstanzen", kritisiert Mollath im SZ-Interview und schlägt vor, Statistiken zu veröffentlichen: Das könne schon ein Fortschritt sein.

Bereits vor einer Woche hatte Mollath in einem Gespräch mit einem "Telepolis"-Journalisten in Bayreuth kritisiert, dass die Zimmertüren in der Klinik nachts permanent geöffnet blieben. Durch die Kontrollgänge sei Mollath jede Nacht geweckt worden.

Kritik an Justizministerin

Mollath kritisierte auch die bayerische Justizministerin Beate Merk (CSU), nachdem diese sich öffentlichkeitswirksam für ihn eingesetzt, ein Wiederaufnahmeverfahren gefordert und dieses begrüßt hatte.

Auf die Frage, wie er dazu stehe, dass sich Merk seine Freilassung als persönlichen Erfolg verbuchen lasse, antwortet der 56-Jährige: "Man muss sich nur ihre Aussagen der vergangenen Jahre zu meinem Fall anschauen. Gott sei Dank ist hundertprozentig nachvollziehbar, wie sie wirklich agiert und geredet hat."

Keine Politikverdrossenheit

Das müsse er nicht weiter kommentieren, sagt Mollath und tut das dann auch nicht. "Die Wirklichkeit ist völlig anders, als Frau Merk jetzt tut. Ich glaube nicht, dass die Bürger so blauäugig sind und ihr glauben.“

Politikverdrossen ist Mollath deswegen aber offenbar nicht. Es sei ihm ein großes Anliegen, zur Wahl zu gehen.

Mollaths Verfahren wird nach einer Entscheidung des Oberlandesgerichts Nürnberg (OLG) neu aufgerollt: Eine Genugtuung für den Mann, der sich als Opfer der Justiz und eines Komplotts sieht.

Als "Riesen-Geschenk" bezeichnet er die lang ersehnten ruhigen Nächte, auf die er sich freut. Ob er wieder eingeliefert werden muss, wird sich zeigen.

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