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Glaeseker-Prozess könnte für Christian Wulff zum Stolperstein werden

Ex-Bundespräsident als Zeuge  

Glaeseker-Prozess könnte für Wulff zum Stolperstein werden

07.02.2014, 17:00 Uhr | Von Marco Hadem, dpa

Glaeseker-Prozess könnte für Christian Wulff zum Stolperstein werden. Christian Wulff (links) mit seinem einstigen Vertrauten Olaf Glaeseker. (Quelle: dpa)

Paradox: Der Prozess um seinen einstigen Vertrauten Olaf Glaeseker könnte für Christian Wulff zum Stolperstein werden - im eigenen Prozess läuft es wohl auf einen Freispruch hinaus. (Quelle: dpa)

Im Januar war Olaf Glaeseker Zeuge im Prozess gegen Christian Wulff. Doch der einstige Sprecher des Ex-Bundespräsidenten hatte dank großer Erinnerungslücken nur wenig Erhellendes parat - und entlastete damit seinen ehemaligen Chef. Jetzt folgt das Rückspiel: Wulff tritt als Zeuge im Glaeseker-Prozess auf. Es geht für ihn dabei um viel.

Eigentlich läuft es für Christian Wulff derzeit ganz gut. Nach langem Bangen deutet in seinem Korruptionsprozess alles auf einen Freispruch noch in diesem Monat hin. Zumindest juristisch hätte der gestürzte Bundespräsident dann sein Ziel erreicht, ohne das er nach eigenen Worten "nie wieder zur Ruhe kommen kann": Einen echten Freispruch.

Doch so weit ist es noch lange nicht. Bereits am Montag muss Wulff erneut vor Gericht um seine Glaubwürdigkeit kämpfen. Dieses Mal aber nicht als Angeklagter, sondern als Zeuge.

Glaeseker-Prozess als Stolperstein

So paradox es auch klingen mag: Ausgerechnet der parallel zu seinem Verfahren laufende Korruptionsprozess gegen seinen Ex-Sprecher Olaf Glaeseker könnte für Wulff zum Stolperstein auf dem Weg zur ersehnten Rehabilitierung werden. Am Montag ist Wulff dort als Zeuge geladen.

Grund dafür wären nicht etwa mögliche juristische Verfehlungen Wulffs bei der Organisation der umstrittenen Promi-Fete "Nord-Süd-Dialog", sondern seine eigene Aussage zu den Bestechungsvorwürfen gegen Glaeseker. Zwischen 2007 bis 2009 trafen sich bei der gemeinsamen Lobby-Veranstaltung von Niedersachsen und Baden-Württemberg führende Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur.

Deutlich höherer Streitwert

Glaeseker wird vorgeworfen, dass er sich von dem mitangeklagten Partymanager Manfred Schmidt mit Flugreisen und Urlauben auf dessen Anwesen in Südfrankreich und Spanien hat bestechen lassen. Der Streitwert liegt mit 12.000 Euro deutlich höher als bei Wulff, dem eine Vorteilsannahme von rund 750 Euro vorgeworfen wird.

Im Gegenzug soll der 52-jährige Schmidt bei der Sponsorensuche für die Party, dessen Idee unter anderem Wulff gehabt haben soll, geholfen haben. Glaeseker behauptet, immer nur als "Arbeiter im Weinberg des Herrn" im Sinne des Landes und mit Blick auf Wulffs Erwartungen gehandelt zu haben.

Was wusste "Kontrollfreak" Wulff wirklich?

Im Sommer 2012 hatte sich Wulff gegenüber der Justiz bereits ausführlich zu den Vorwürfen gegen seinen einstigen engen Vertrauten Glaeseker geäußert. Damals betonte er, von Glaesekers Freundschaft mit Schmidt so gut wie nichts gewusst zu haben, ebenso von den Besuchen in Spanien und Frankreich.

Doch damit steht Wulff nach den bisherigen Zeugenvernehmungen alleine auf weiter Flur. Sowohl der Ex-Chef der niedersächsischen Staatskanzlei, Lothar Hagebölling, als auch andere Zeugen wie Wulffs eigene Ex-Frau Christiane erklärten übereinstimmend, dass der "Kontrollfreak" Wulff sehr wohl immer über alles im Bilde war.

Im schlimmsten Fall droht Wulff juristisches Nachspiel

So stellt sich nun die überaus spannende Frage, ob Wulff vor Gericht bei seiner Aussage bleibt und damit im schlimmsten Fall gar ein juristisches Nachspiel wegen einer Falschaussage riskiert oder ob er seine Einlassung präzisiert und dadurch Glaeseker entlastet.

Dieser kann sich die "verschobene Perspektiven" seines Ex-Chefs nicht erklären. In einem Interview erklärt er Wulffs Ausgangslage für die belastende Aussage gar mit dem Stress eines Autounfallopfers: "Aber oft kommt die Erinnerung ja auch wieder."

Glaesekers Aussage half Wulff

Wie sich Wulff am Montag verhalten wird, ist offen. Gespräche zwischen den beiden hat es seit knapp zwei Jahren nicht gegeben - sieht man einmal von einem kurzen "Hallo Olaf" kurz vor dessen Aussage im Wulff-Verfahren Mitte Januar ab.

Dort hat Glaeseker ungeachtet des zerrütteten Verhältnisses nach seinem Rauswurf dank riesengroßer Erinnerungslücken dem Angeklagten Wulff geholfen und den Weg für dessen möglichen Freispruch frei gemacht. Nun könnte sich im Gegenzug Wulff an gleicher Stelle im Saal 127 des Landgerichtes Hannover bei seinem einstigen "siamesischen Zwilling" revanchieren.

Ex-Bundespräsident sehnt sich nach Ruhe

Wulff sehnt sich nach eigenen Worten nach Ruhe. Die fortwährende Berichterstattung über sein Privatleben, die Trennung von seiner zweiten Frau Bettina, der unfreiwillige Auszug aus dem Schloss Bellevue, der Umzug aus dem infolge der Ermittlungen "entweihten" Eigenheim in eine kleine Stadtwohnung - alles hat Kraft gekostet.

"Es darf bei einem Freispruch nichts hängenbleiben", forderte Anwalt Michael Nagel bereits zum Auftakt des Wulff-Prozesses im November. Dies hat nun Wulff selbst in der Hand.

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