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Ulvi K. im Fall Peggy freigesprochen: "Tatnachweis nicht möglich"

Mordfall Peggy  

Landgericht spricht Ulvi K. frei

14.05.2014, 12:37 Uhr | dpa, AFP

Ulvi K. im Fall Peggy freigesprochen: "Tatnachweis nicht möglich". Fall Peggy: Landgericht spricht Ulvi K. frei (Quelle: dpa)

Ulvi K. im Wiederaufnahmeverfahren mit seinem Verteidiger (Quelle: dpa)

Der geistig Behinderte Ulvi K. ist im erneuten Mordprozess um die seit 13 Jahren verschwundene Peggy freigesprochen worden. Das Landgericht Bayreuth hob die frühere Verurteilung des 36-Jährigen wegen Mordes an dem Mädchen auf. Die Kammer folgte damit den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Unterstützer reagierten im Gerichtssaal mit Applaus und Bravo-Rufen auf das Urteil.

"Er ist aus tatsächlichen Gründen freizusprechen. Ein Tatnachweis ist nicht möglich", sagte der Vorsitzende Richter Michael Eckstein. "Natürlich wäre es sehr schön gewesen, wenn wir neue Erkenntnisse erhalten hätten."

Peggy wird seit dem 7. Mai 2001 vermisst. Drei Jahre später wurde Ulvi K. zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Landgericht Hof sah es damals als erwiesen an, dass der Gastwirtssohn das kleine Mädchen tötete, um einen vier Tage vorher an ihr begangenen sexuellen Missbrauch zu vertuschen. Die Leiche der Neunjährigen wurde trotz vieler Suchaktionen - sogar mit Beteiligung von Kampfjets der Bundeswehr - nie gefunden.

Im Dezember 2013 ordnete das Landgericht Bayreuth die Wiederaufnahme an. Dafür gab es zwei Gründe: Ein wichtiger Belastungszeuge räumte im September 2010 ein, falsch ausgesagt zu haben. Er hatte 2004 behauptet, Ulvi K. habe ihm den Mord an Peggy gestanden.

"Keine Grundlage für eine Verurteilung"

"Das Geständnis mit Divergenzen und Ungereimtheiten kann keine Grundlage für eine Verurteilung sein", sagte Richter Eckstein. "Hinzu kommt noch, dass dieses Geständnis mit keinem einzigen Sachbeweis zu belegen ist." Ulvi K. habe sein Geständnis in unterschiedlichen Versionen mit zum Teil lebensfremden Schilderungen abgegeben: Dass Peggy auch nach ihrem angeblichen Sturz mit dem Schulranzen weitergelaufen sein soll, "ist für uns schwer nachvollziehbar".

Der Angeklagte habe möglicherweise Parallel-Erlebnisse in seine Geständnisse eingebaut, sagte Eckstein. Bei seiner psychiatrischen Untersuchung sei seine hohe Fantasiebegabung aufgefallen. "Er war imstande, detailreiche Geschichten zu vorgelegten Bildern zu entwickeln. Und dies sogar an Folgetagen zu wiederholen", sagte Eckstein.

Neue Spuren

Seit Sommer 2012 wird in dem Fall neu ermittelt. Eine Spur brachte die Polizei auf einen Mann aus Halle in Sachsen-Anhalt. Der ehemalige Bekannte von Peggys Familie sitzt derzeit wegen sexuellen Missbrauchs seiner Tochter in Haft. Er habe eingeräumt, sich auch an seiner Nichte mehrmals vergangen zu haben, gab ein Polizeibeamter an. Auffällig daran ist, dass die Nichte im gleichen Haus wie Peggy wohnte und der Missbrauch wenige Wochen vor Peggys Verschwinden stattfand. In der Haftzelle des Mannes fanden Polizisten ein Foto von Peggy.

Zum Kreis der Tatverdächtigen zählen außerdem der Halbbruder des Mannes und ein Lichtenberger, der bereits wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt wurde.

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