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Mollath-Prozess: Gleiche Anwälte statt Wahl- nun Pflichtverteidiger

Eklat im Fall Mollath  

Verteidiger werfen hin und machen doch weiter

23.07.2014, 16:23 Uhr | AFP, t-online.de, dpa

Mollath-Prozess: Gleiche Anwälte statt Wahl- nun Pflichtverteidiger. Gustl Mollath mit einem seiner beiden Anwälte: Gerhard Strate (Quelle: dpa)

Gustl Mollath mit einem seiner beiden Anwälte: Gerhard Strate (Quelle: dpa)

Im Prozess um das mutmaßliche Justizopfer Gustl Mollath hat es eine Auseinandersetzung des Angeklagten mit seinen beiden Verteidigern gegeben. Wie ein Sprecher des Landgerichts Regensburg sagte, legten Mollaths Verteidiger Gerhard Strate und dessen Kollege nach einer Auseinandersetzung um Beweisanträge Mollaths ihr Mandat als Wahlverteidiger nieder. Weil sie sich aber bereit erklärten, ihren Mandanten als Pflichtverteidiger weiter zu vertreten, könne der Prozess unverändert fortgesetzt werden.

Dem Sprecher zufolge kam es zu der Auseinandersetzung nach einer Zeugenbefragung, bei der die Verteidiger von Mollath vorgebrachte Beweisanträge nicht vortragen wollten. Danach hätten sie ihr Mandat als Wahlverteidiger aufgegeben.

Der wegen Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Sachbeschädigung angeklagte Mollath selbst zeigte sich in einer ersten Reaktion erstaunt: "Ich bin auch total überrascht und am Boden zerstört", sagte der 57-jährige Nürnberger. "Ich kann den Grund nicht verstehen. Ich habe Vertrauen in meine Anwälte."

Anwälte nun Pflichtverteidiger

Die beiden Anwälte hätten sich nun vom Gericht als Pflichtverteidiger bestellen lassen. Mollath habe dem zugestimmt und der Prozess sei daraufhin planmäßig fortgesetzt worden.

Der aus Nürnberg stammende Mollath galt bis zu seiner Entlassung aus der geschlossenen Psychiatrie in Bayreuth vor knapp einem Jahr als Deutschlands bekanntester Psychiatriepatient. Er war dort mehr als sieben Jahre gegen seinen Willen untergebracht. Das Landgericht Nürnberg hatte Mollath 2006 in einem Verfahren unter anderem wegen schwerer Körperverletzung an seiner Frau für schuldunfähig erklärt und in die Psychiatrie einweisen lassen.

Vorwürfe nicht mehr nachweisbar

Das Gericht ging damals davon aus, dass Mollath, der die Tat bestritt, an Wahnvorstellungen litt. Es stützte sich dabei auf ein psychiatrisches Gutachten sowie den Umstand, dass Mollath in einer Vielzahl von Strafanzeigen behauptet hatte, seine inzwischen von ihm geschiedene Frau habe als Beraterin der HypoVereinsbank Schwarzgeldgeschäfte in Millionenhöhe betrieben. Mittlerweile steht fest, dass die Vorwürfe im Kern zutreffen. Wegen Fehlern im Ersturteil läuft seit Anfang diesen Monats das Wiederaufnahmeverfahren, mit dem der 57-jährige Mollath seine Rehabilitation erreichen will.

Mollath hatte zuletzt einen weiteren Erfolg erzielt. Nach Angaben eines Gutachters sind auch die ihm vorgeworfenen Reifenstechereien nicht mehr nachweisbar. "Objektiv kann ich nicht sagen, dass sie zerstochen worden sind. Es kann sein, es gibt aber Alternativursachen", sagte der Sachverständige Hubert Rauscher vor dem Landgericht Regensburg. Am Freitag hatte ein anderer Gutachter bereits erklärt, dass die Prügelvorwürfe von Mollaths Exfrau sich medizinisch nicht mehr nachweisen ließen.

"Ich kann Ihnen da nicht helfen"

"Der Gutachter sagte am Mittwoch, es fehlten die angeblich beschädigten Reifen. Auch fehle eine Dokumentation über deren Bauart und darüber, wo sie beschädigt worden sein sollen. "Ob die Reifen mutwillig zerstört wurden, muss das Gericht beurteilen. Ich kann Ihnen da nicht helfen", sagte der Sachverständige zur Richterin.

Der Fall Mollath hatte eine Debatte über die Unterbringung in psychiatrischen Kliniken ausgelöst.

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